Zürich
Mord

Vierfachmord in Rupperswil: Täter "schwer gestört" - er hatte alles genau geplant

Von den Psychiatern wird er als Psychopath beschrieben. Kurz vor Weihnachten brachte Thomas N. vier Menschen um und missbrauchte den 13-jährigen Jungen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Vier Menschen 2015 kurz vor Weihnachten von Thomas N. ermordet. Foto: Walter Bieri/KEYSTONE/dpa
Vier Menschen 2015 kurz vor Weihnachten von Thomas N. ermordet. Foto: Walter Bieri/KEYSTONE/dpa
+3 Bilder

Die Schweiz wurde 2015, kurz vor Weihnachten, tief erschüttert. Monate lang suchte die Polizei, nach dem Täter, der seine vier Opfer kaltblütig ermordet hatte. Bei der Festnahme dann der nächste Schock: Der Mörder war ein Mann aus der Nachbarschaft, der Jugendtrainer des Fußballvereins. Die Gerichtsverhandlung gegen der 34-Jährigen hat nun begonnen. Der Mann wirkt gefasst, zeigt wenig Regung und spricht mit fester Stimme. Es ist nicht leicht, die unauffällige Erscheinung mit dem eiskalten Mord aus der Anklageschrift in Verbindung zu bringen.

Die Tat drei Tage vor Weihnachten hat sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft so zugetragen: Der Angeklagte soll sich als Mitarbeiter des schulpsychologischen Dienstes ausgegeben und so ins Haus von Carla S. (48) gelangt sein. Sie wohnte in seiner Nachbarschaft, keine 500 Meter entfernt.


Die grausamen Details

Der Angeklagte bedrohte den Vorwürfen zufolge die 48-Jährige und ihre Söhne (13 und 19) sowie die Freundin des Älteren. Dann soll er die Mutter gezwungen haben, Geld von der Bank zu holen. Nach ihrer Rückkehr brachte er laut Anklage alle vier um, indem er ihnen die Kehle durchschnitt. Vorher soll er sich an dem 13-Jährigen sexuell vergangen haben. Das Haus soll er nach der Mordtat dann in Brand gesteckt haben.


Der psychische Zustand des Täters

Zwei Psychiater haben versucht, hinter die Fassade des Mannes zu blicken, der in Rupperswil zwischen Basel und Zürich junge Fußballspieler trainierte und sich als Student ausgab. Die Gutachter beschreiben einen gefährlichen Narzissten, einen Pädophilen mit schwerer psychischer Störung. Einen, der sich aus Versagensangst in ein Lügengespinst verrennt.

Die Mutter soll nicht erfahren, dass er sein Studium geschmissen hat. Bekannten gaukelt er vor, er werde Arzt. Die Angst aufzufliegen, sei allumfassend gewesen, sagt ein Psychiater. Hinzu komme seine pädophile Neigung. In der Anklageschrift steht, dass der Mann die Grausamkeiten an dem 13-Jährigen mit dem Handy filmte und sich das Video monatelang immer wieder auf dem Laptop anschaute.


Die Ermittlungsrichtungen

Die Rupperswiler lebten damals 146 Tage in Angst und Schrecken. Es gab erst keine Hinweise auf den Täter. Spekulationen machten die Runde: Eine Beziehungstat? Der Ex-Mann vielleicht? Ein Raubmord? Ein Triebtäter? Die Ermittlungsbehörden schlossen nichts aus. Derweil soll der heutige Angeklagte das von Carla S. erpresste Geld verprasst haben: Am Abend nach der Tat ging er mit Fußballfreunden ins Steakhaus, in einem Spielcasino zockte er, und seine Mutter lud er zu deren 60. Geburtstag nach Paris ein.

Weil der heute 34-Jährige nicht vorbestraft war und seine Fingerabdrücke oder DNA nirgends gespeichert waren, waren die Ermittlungen schwierig. Schließlich führte ein akkurates Täterprofil von Psychologen zum Erfolg. Im Mai 2016 wurde der Angeklagte festgenommen. Die am Tatort genommenen Fingerabdrücke stimmten mit seinen überein.


Nächstes Opfer schon im Blick

Erst am Tag vor dem Prozess hatte die Staatsanwaltschaft bekanntgemacht, wie konkret der Angeklagte schon nächste Taten geplant haben soll. Einen Tag vor seiner Festnahme soll er die Wohngegend eines Jungen ausgespäht haben, zu einem anderen hatte er akribisch Notizen gemacht. Die Anwälte der Familien sind im Gericht und appellieren an die Medien, die Anonymität der betroffenen Jungen zu wahren. Sie wüssten nicht, dass der Angeklagte ihnen auf den Fersen war.

Die Gutachter Elmar Habermeyer und Josef Sachs sehen keinen Grund für eine Minderung der Schuldfähigkeit. Richter Daniel Aeschbach will wissen: "Ist der Mann therapierbar?" Die Experten meinen ja, auch wenn eine Behandlung viele Jahre dauern dürfte. Das Urteil wird am Freitag erwartet.