Homburg (Saar)
Sexueller Missbrauch

Über Jahre: Assistenzarzt soll etliche Kinder bei Untersuchungen sexuell missbraucht haben

Ein Assistenzarzt soll zahlreiche Kinder bei Untersuchungen in der Uni-Klinik des Saarlandes sexuell missbraucht haben - über Jahre. Der saarländische Ministerpräsident fordert eine lückenlose Aufklärung.
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Ein Assistenzarzt der Uniklinik in Homburg soll zahlreiche Kinder sexuell missbraucht haben. Symbolfoto: Patrick Pleul/zb/dpa
Ein Assistenzarzt der Uniklinik in Homburg soll zahlreiche Kinder sexuell missbraucht haben. Symbolfoto: Patrick Pleul/zb/dpa

Ein inzwischen gestorbener Assistenzarzt soll am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg bis 2014 mehrere Kinder sexuell missbraucht haben. Es bestehe der Verdacht, dass er in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie "nicht medizinisch notwendige Untersuchungen" im intimen Bereich an Kindern vorgenommen habe, "die als Routinemaßnahmen dargestellt wurden", sagte ein Kliniksprecher am Montag im Homburg. Der Mediziner wurde 2014 entlassen. Ermittlungen gegen ihn wurden nach seinem Tod im Jahr 2016 eingestellt.

Zuvor hatte das ARD-Magazin "Monitor" über den Fall berichtet. Demnach war der Arzt von 2010 bis 2014 an der Uni-Klinik beschäftigt. Der Klinik lagen dabei schon früh Hinweise auf eine pädophile Neigung des Mediziners vor, wie die Tagesschau berichtet. Mögliche Opfer und deren Eltern seien nicht über die Verdachtsfälle informiert worden, hieß es in dem Bericht. Die Klinik hatte 2014 Strafanzeige gegen den Assistenzarzt gestellt.

Konkret befassten sich die Ermittlungen mit der Behandlung von 34 Patienten, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken mit. Das Verfahren war ins Rollen gekommen, nachdem die Klinik 2014 Strafanzeige gegen den Mediziner gestellt hatte.

Untersuchungen des Genital- und Analbereichs

Laut Staatsanwaltschaft ging es in den Ermittlungen um "möglicherweise nicht medizinisch indizierte Untersuchungen insbesondere des Genital- und Analbereiches von kindlichen Patienten", die in der sogenannten Ausscheidungsambulanz des Klinikums vorgenommen wurden. Diese Spezialambulanz kümmert sich um Patienten, die einnässen oder einkoten.

Im Zuge der Ermittlungen stellte die Staatsanwaltschaft bei dem Beschuldigten elektronische Datenträger mit Bilddateien sicher, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigten. Die Aufnahmen seien außerhalb der Klinik ohne Bezug zu Untersuchungshandlungen entstanden, sagte der Sprecher. Hier seien drei Geschädigte ermittelt worden, zu denen weitere Verfahren eingeleitet wurden.

Eltern von drei Kindern wurden informiert

Bei diesen drei Kindern seien die Eltern informiert worden. Die gesetzlichen Vertreter der in der Klinik behandelten Kinder wurden dagegen nicht informiert: Dafür habe es keine rechtliche Grundlage gegeben. Nach den für die Staatsanwaltschaft maßgeblichen Vorschriften wäre dafür Voraussetzung gewesen, dass die Kinder den Status "Verletzte" gehabt hätten. "Das war nicht der Fall." Bis zum Tod des Arztes habe keine konkrete Tat zum Nachteil eines der Kinder individualisiert werden können, hieß es.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) teilte am Montag mit: "Die Nachrichten aus dem Universitätsklinikum des Saarlandes erschüttern mich zutiefst. Wenn ein solcher Verdacht im Raum steht, muss umgehend eine lückenlose Aufklärung erfolgen." Das Wohl der Kinder stehe für ihn an erster Stelle. "Gerade Kinder und Jugendliche und ihre Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihr Vertrauen nicht durch Behandler schändlich ausgenutzt wird. So etwas darf nie wieder passieren", sagte er.

red/dpa