Balderschwang
Traktorunfall

Tragödie in Bayern: 13-Jähriger überrollt zwei Kinder mit Traktor - Staatsanwalt ermittelt

Der Ausflug endete in einer Tragödie: Bei einer Fahrt mit einem Traktor wurden zwei Kinder überrollt, beide starben. Am Steuer des Treckers saß ein 13-Jähriger - durfte der Junge überhaupt fahren? Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
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Balderschwang: Polizisten untersuchen einen Traktor. Im Allgäu sind zwei Kinder von einem Traktor überrollt worden und dabei ums Leben gekommen. Die Polizei geht nun der Frage nach, ob der 13-Jährige den Traktor fahren durfte. Foto: Benjamin Liss/dpa
Balderschwang: Polizisten untersuchen einen Traktor. Im Allgäu sind zwei Kinder von einem Traktor überrollt worden und dabei ums Leben gekommen. Die Polizei geht nun der Frage nach, ob der 13-Jährige den Traktor fahren durfte. Foto: Benjamin Liss/dpa

Update vom 16.07.2019, 13 Uhr: Nach tödlichem Traktor-Unfall - Staatsanwalt ermittelt

Nach dem Traktorunfall im Allgäu mit zwei toten Kindern hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen. "Es wird gegen unbekannt ermittelt, da zunächst geklärt werden muss, wem strafrechtlich ein Vorwurf zu machen ist", teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Kempten am Dienstag mit. Da der Traktorfahrer erst 13 Jahre alt war, muss geprüft werden, ob das Fahrzeug auf einem öffentlichen oder privaten Weg unterwegs gewesen ist. Minderjährige dürfen Traktoren nur auf Privatgrundstücken fahren. Auf rechtlich-öffentlichem Grund muss der Fahrer mindestens 16 Jahre alt sein und benötigt einen Führerschein.

Ein 10 Jahre alter Bub und ein 13 Jahre altes Mädchen waren am Samstag während der Fahrt im Ferienort Balderschwang aus einem Transportcontainer an der Traktorfront gestürzt und überrollt worden. Sie starben noch an der Unfallstelle. Der Treckerfahrer und eine Zwölfjährige, die ebenfalls in dem Container saß und bei dem Unfall leicht verletzt wurde, standen unter Schock.

"Seelisch geht es allen Beteiligten sehr schlecht", sagte Bürgermeister Konrad Kienle (CSU) am Dienstag. Die beiden überlebenden Kinder sowie die Familien der Opfer und einige Einsatzkräfte werden von einem Kriseninterventionsteam betreut. Kommende Woche soll es einen Trauergottesdienst in der Gemeinde stattfinden. Der genaue Termin ist noch nicht bekannt.

Ursprüngliche Meldung vom 14.07.2019: Zwei Kinder sterben bei Traktor-Unfall

Ein furchtbarer Unfall ereignete sich am Samstag im bayerischen Balderschwang: In der Nähe des Allgäuer Ferienorts sind am Samstagabend zwei Kinder von einem Traktor überrollt und dabei getötet worden. Sie hätten sich zusammen mit einem dritten Kind in einem an der Traktorfront montierten Transportcontainer befunden, berichtete Polizei am Sonntag.

Nach dem tragischen Traktorunfall prüft die Polizei, ob das Gefährt womöglich auf einem öffentlichen Weg gefahren ist. "Davon hängen die weiteren Ermittlungen ab", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West am Montag.

Beim Überfahren einer Bodenwelle: Kinder aus Traktor geschleudert und überrollt

Beim Überfahren einer Bodenwelle seien ein zehn Jahre alter Junge und ein 13 Jahre altes Mädchen aus dem Container herausgeschleudert und von dem Traktor überrollt worden. Ein weiteres 12-jähriges Mädchen blieb zwar körperlich unverletzt, wurde aber schwerst traumatisiert. Am Steuer des Traktors habe ein 13-Jähriger gesessen, teilte die Polizei mit. Einzelheiten wollte sie erst am Montag veröffentlichen.

Nach Angaben des Balderschwanger Bürgermeisters Konrad Kienle hatten die Kinder zusammen mit ihren Eltern einen Tagesausflug auf die rund 1000 Meter hohe Lenzenalpe unternommen. Die beiden Familien stammten aus dem 25 Kilometer entfernen Riefensberg im Bregenzer Wald und seien mit den Betreibern der Alpe befreundet. Bei solchen Besuchen seien auch schon in der Vergangenheit Traktorfahrten auf dem Privatgelände der Alpe üblich gewesen, berichtete Kienle.

Bürgermeister von Balderschwang stellt klar: Traktorfahrt war nicht illegal

"Der Bub ist auf dem Privatweg der Alpe gefahren. Deswegen war die Spritztour des 13-Jährigen auch keineswegs illegal", machte der Bürgermeister deutlich. Da der Weg "brettlflach" sei und es keine größeren Gefahrenstellen gebe, hätten solche Traktorspritztouren mit dem 13-Jährigen am Steuer auch keine besondere Gefahr dargestellt. "Der Bub hat das schon 100 Mal gemacht, ohne das bisher auch nur einmal was passiert ist", machte das Gemeindeoberhaupt deutlich.

Die Einschätzung des Balderschwanger Bürgermeisters Konrad Kienle, dass es sich um einen Privatweg handle, der nicht öffentlich sei, teile er nicht, sagte ein Polizeisprecher. "Das müssen die Ermittlungen noch zeigen."

Unfassbares Unglück: "Die ganze Gegend ist betroffen und sehr traurig"

Trotzdem sei das Ganze natürlich ein unfassbares Unglück. Es sei furchtbar, dass ein sommerlicher Ausflug in einer solchen Tragödie endete. "Für die Helfer und alle, die davon betroffen waren, war das ein furchtbarer Anblick. Die ganze Gegend ist betroffen und sehr traurig", sagte Kienle.

Der Unfall passierte in der Nähe eines Waldstücks unweit der idyllisch gelegenen Lenzenalpe. Auf ihrer Webseite bewerben die Betreiber das beliebte Bergausflugsziel als "familienfreundliche Sommer-Alpe". Als "ideales und einfach zu erreichendes Wanderziel" sei es auch für Familien mit kleinen Kindern geeignet. Die den Sommer über präsente Bergbauernfamilie hält auf der unweit des Riedberger Horns gelegenen Alpe neben Rindern auch Ziegen, Schweine und Hühner.

Tödliche Traktorunfälle sind nicht selten: Erst Anfang Juli starb ein Mann in Tüßlingen bei Erntearbeiten, im April wurde eine 14-Jährige in Nordrhein-Westfalen von einem Traktor tödlich verletzt.