Köln
Fasching

Schattenseiten des Karnevals: Vergewaltigungen, mehrere Tote, Diskussion um Pferde

Zwischen Spaß und Alkohol passieren zu Fasching regelmäßig auch Unfälle und Verbrechen. Heuer wurden auch mehrere Einsatzkräfte angegriffen.
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Zwischen Spaß und Alkohol passieren zu Fasching regelmäßig auch Unfälle und Verbrechen. Heuer wurden auch mehrere Einsatzkräfte angegriffen. Bei einem Unfall mit Pferden wurden mehrere Menschen verletzt.  Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Zwischen Spaß und Alkohol passieren zu Fasching regelmäßig auch Unfälle und Verbrechen. Heuer wurden auch mehrere Einsatzkräfte angegriffen. Bei einem Unfall mit Pferden wurden mehrere Menschen verletzt. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Zehntausende Menschen feiern Fasching friedlich und lustig. Doch die Grenze zwischen Ernst und Spaß ist manchmal schnell überschritten. Auch dieses Jahr sorgten reichlich negative Meldungen für ein getrübtes Bild des Faschings. Mehrere Menschen starben, viele wurden verletzt. In Köln entbrannte nach einem Unfall eine Diskussion um den Einsatz von Pferden bei Umzügen. Die Meldungen im Überblick:

Bei einem Faschingsumzug in Oberbayern ist eine Frau von einem Traktor erfasst und tödlich verletzt worden. Die 24-Jährige war nach dem Unfall am Sonntagnachmittag sofort tot, wie die Polizei mitteilte. Der Zug wurde umgehend gestoppt, die Polizei forscht noch nach den Ursachen.


Am Rande des Kölner Straßenkarnevals starb am Samstag ein 32-Jähriger Polizist. Nach dem Tod des Mannes an einem Kölner Straßenbahngleis ist Haftbefehl wegen fahrlässiger Tötung gegen einen 44-Jährigen erlassen worden. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft. Er schweigt nach Polizeiangaben von Montag zu dem Vorwurf, er habe den 32-Jährigen absichtlich zwischen Straßenbahnwaggons gestoßen.

Das Opfer, ein Polizist, war in der Nacht zum Samstag privat mit Bekannten unterwegs. Bilder einer Überwachungskamera sollen zeigen, dass er offenbar zwischen die Straßenbahnwaggons gestoßen wurde. Danach soll der mutmaßliche Schubser in der Menschenmenge untergetaucht sein.
Der Straßenbahnfahrer hatte den Polizisten zwischen den Waggons nicht bemerkt, die Bahn überrollte ihn. Der Verdächtige hatte sich am Tatort bei der Polizei zunächst als Zeuge gemeldet. Im Zuge der Ermittlungen war er selbst ins Visier geraten.

Nach "Express"-Informationen soll es sich bei dem Tatverdächtigen um einen Kölner Rechtsanwalt handeln. Der Polizei lag dazu nach eigenen Angaben noch keine Bestätigung vor.


"Purer Stress" - Tierschützer fordern Pferdeverbot an Karneval

An Rosenmontag kommt es in Köln zu einem Unglück mit einer Kutsche, fünf Menschen werden verletzt. Nach dem Unglück mit einer Kutsche am Rosenmontag in Köln pochen Tierschützer auf ein Verbot von Pferden bei Karnevalszügen. "Es ist teilweise so eng und so laut, dass das für die Tiere purer Stress ist", sagte Claus Kronaus vom Netzwerk für Tiere Köln. Weil Pferde Fluchttiere seien, würden sie dann durchdrehen. Auch hohe Auflagen änderten daran nichts.

Am Montag waren in Köln zwei Kutschpferde durchgegangen, fünf Menschen wurden verletzt. Nach Augenzeugenberichten sollen die Tiere mit einer Flasche beworfen worden sein. Die Polizei konnte zunächst nicht sagen, ob das Unglück dadurch ausgelöst wurde. Die Pferde blieben nach Angaben der Behörden unverletzt. Bereits im vergangenen Jahr war ein Pferd im Kölner Rosenmontagszug kollabiert.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul sprach sich unmittelbar nach dem Vorfall gegen ein Pferdeverbot aus. "Ein Zug ohne Pferde ist Mist", sagte der CDU-Politiker dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Man müsse jetzt erst einmal klären, was genau die Ursache gewesen sei. Entscheidend sei die richtige Vorbereitung. "Vielleicht ist auch die Musik am Zugweg zu laut", mutmaßte Reul. 2018 liefen in Köln nach Angaben des Festkomitees 390 Pferde mit.


Angriffe auf Einsatzkräfte


An anderen Orten sind Einsatzkräfte angegriffen worden. So hat ein Unbekannter in Schönau in Oberbayern aus der Menge am Faschingsumzug heraus einen Sanitäter und eine 18 Jahre alte Patientin mit einer Flasche beworfen. Beide wurden verletzt. Zuvor war auch schon ein Feuerwehrmann angegriffen worden.

Zwei alkoholisierte Männer im Alter von 17 und 20 Jahren haben im Saale-Orla-Kreis am Karnevalssonntag Sanitäter und Polizisten beleidigt und angegriffen. Diese hatten eingegriffen, als sich die beiden Männer in Neustadt an der Orla geschlagen haben, wie die Polizei



Betrunkene urinieren auf Polizeiauto


Am Samstag hatten Betrunkene Polizisten beim Fasching in Elfershausen im Kreis Bad Kissingen angegriffen. So wurden auch Polizeiautos angespuckt und volluriniert.


In Köln wurden zwei Frauen vergewaltigt

Vergewaltigungen bei der Weiberfastnacht in Köln: In der Karnevalshochburg am Rhein wurde am Donnerstag (8. Februar 2018) aus dem närrischen Spaß bitterer Ernst.
Es kam zu zwei Sexualstraftaten - bei einer wurde das Opfer schwer im Gesicht verletzt.

Wie die Polizei in Nordrhein-Westfalen (NRW) mitteilt, ereignete sich die erste Vergewaltigung noch am Donnerstagnachmittag, 8. Februar gegen 17.30 Uhr bei der Dasselstraße in Köln.

Eine Studentin (22) war nach derzeitigem Ermittlungsstand der Polizei mit mehreren Personen in eine Wohnung gegangen. Dort - so gab es die junge Frau bei den Beamten an - wurde sie vergewaltigt. Die Ermittlungen dazu dauern noch an.


Brutale Vergewaltigung in der Nacht auf Freitag

Die zweite Vergewaltigung geschah am frühen Freitagmorgen, 9. Februar gegen 2.30 Uhr in der Zülpicher Straße. Polizisten trafen auf eine junge Kölnerin (21) mit erheblichen Gesichtsverletzungen, die Angaben zu einer Sexualstraftat machte. Umfangreiche Sofortmaßnahmen der eingesetzten Bereitschaftspolizisten führten schließlich zur Festnahme eines polizeibekannten Tatverdächtigen (22) an dessen Wohnanschrift. In beiden Fällen hat das Kriminalkommissariat 12 die weiteren Ermittlungen zu den Taten bereits übernommen. Der 22-jährige, mutmaßliche Täter wird zeitnah dem Haftrichter vorgeführt.


Polizeimeldungen zu Fasching: Mann stürzt in Düsseldorf in Fluss


Nach regem Karnevalstreiben stürzte am Donnerstagabend ein junger Mann in Düsseldorf in die eiskalte Düssel. Ebenfalls am Donnerstagabend geriet ein 18-Jähriger nach der Weiberfastnacht auf dem Bahnhof Brühl-Nord bei Köln zwischen zwei Wagen einer Straßenbahn und wurde überrollt. Am Samstagabend wurde beim Fastnachtumzug in Eppingen bei Heilbronn eine 18-Jährige in einen Kessel mit heißem Wasser gestellt und verbrüht. Und der Karnevalisten feiern immer weiter. Wie tödlich ist der Karneval?


Lebensgefährliche Kopfverletzungen: 20-Jähriger stürzt nach Karneval in Düssel


Aus bislang noch nicht geklärter Ursache stürzte am frühen Donnerstagabend ein junger Mann mitten im Karnevalstreiben in Düsseldorf in die eiskalte Düssel. Er fiel im Bereich des Burgplatzes vier Meter tief und zog sich dabei schwere Kopfverletzungen zu.

Bevor die Feuerwehr eintraf, versorgten Polizei und Sanitäter den Mann in dem eiskalten Wasser. Die Feuerwehr konnte den 20-Jährigen schließlich mit einer Drehleiter und einer Rettungswanne bergen.

Mit lebensgefährlichen Verletzungen musste der junge Mann ins Krankenhaus eingeliefert werden. Warum er in den Fluss stürzte ist noch nicht geklärt.


18-Jähriger Karnevalist von Bahn überrollt - Tödlicher Unfall überschattet Weiberfastnacht


Am Donnerstagabend überschattete ein tragischer Unfall die Weiberfastnacht in Brühl bei Köln. Ein 18-Jähriger geriet am Bahnhof Brühl-Nord zwischen zwei Wagen einer Straßenbahn. Als diese anfuhr, wurde er überrollt.

Der junge Mann aus Weilerwist stand gegen 18 Uhr mit Freunden und anderen Personen auf dem Bahnsteig an der Kaiserstraße. Die Bahn fuhr ein und die Menschen stiegen ein. Der 18-Jährige geriet zwischen zwei Wagen und der Zug fuhr an. Dabei wurde er überrollt und starb noch an der Unfallstelle.

Warum der kostümierte 18-Jährige zwischen die beiden Wagen geriet, ist den Angaben der Polizei zufolge noch unklar. Freunde des jungen Mannes und Passanten, die sich ebenfalls am Bahnhof befanden, wurden Zeugen des tragischen Unfalls. Die Polizei sperrte den Bahnsteig großräumig ab.


Junge Frau bei Fastnachtumzug in Hexenkessel verbrüht


Das bei einem Fastnachtsumzug in Eppingen bei Heilbronn verbrühte Mädchen hat nach eigenem Worten in einem mit heißem Wasser gefüllten Hexenkessel gestanden. Das habe die 18-Jährige in einem ersten Gespräch mit der Polizei bestätigt, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Zuvor hatte die "Heilbronner Stimme" darüber berichtet. Der Sachbearbeiter der Polizei habe mit der jungen Frau telefoniert, die noch in einer Stuttgarter Klinik behandelt werde.



Die Frau war am Samstagabend bei dem Umzug durch das heiße Wasser in dem Kessel, den eine Hexengruppe dabei hatte, schwer an den Beinen verbrüht worden. Einige Zeugen hatten gemutmaßt, dass die Verletzungen möglicherweise von aus dem Kessel aufsteigendem Dampf oder spritzendem Wasser verursacht worden sein könnten - diese Version bestätigte das Opfer jedoch nicht. Ob die Frau Angaben zum mutmaßlichen Täter gemacht hat, wollte der Polizeisprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Er bestätigte aber Informationen der "Heilbronner Stimme", wonach der Polizei Chatprotokolle zugespielt wurden, in denen die Frau verhöhnt wird. Auch dazu werde ermittelt. "Das kann Richtung Beleidigung gehen", sagte der Sprecher. Die Ermittler beobachteten mehrere Chatforen und Gruppen in sozialen Netzwerken, in denen der Vorfall mit zum Teil rechtlich grenzwertigen Äußerungen diskutiert werde.

Die Verantwortlichen der Gruppe, die den Heißwasserkessel bei dem Nachtumzug gezogen hatte, haben inzwischen alle Teilnehmer des Umzugs genannt, wie der Eppinger Stadtsprecher Sönke Brenner am Mittwoch mitteilte. Sie kooperierten. "Der Täter ist aber noch nicht ermittelt", sagte Brenner. An dem Spektakel hatten rund 80 Gruppen teilgenommen. Die betroffene Gruppe hat nach Angaben des Stadtsprechers "alle Online-Auftritte aus dem Netz genommen".

Für die Fastnacht in Eppingen wurden Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen. Alle Gruppen verzichteten freiwillig auf das Mitführen von Wasser und Feuer beim anstehenden Leiergassenumzug an diesem Sonntag, sagte Brenner. Ob der Nachtumzug künftig weiter stattfinde, sei noch nicht entschieden. Wie der Verein "Hexenzunft Eppingen" auf seiner Internetseite schreibt, findet das nächtliche Treiben seit 2003 am Samstag vor dem "Fasnetswochenende" statt.
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