Oldenburg in Oldenburg
Lebenslange Haft

Todespfleger Niels Högel für größte Mordserie der Nachkriegszeit verurteilt

Patientenmörder Niels Högel wurde am Donnerstag wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine Mordserie, die jegliche Grenzen sprengt und besonders erschüttert, weil sie im Schutzraum Krankenhaus geschah.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wegen Mordes an 100 Patienten angeklagt: Niels Högel, der als Todespfleger bekannt wurde, wurde am Donnerstag für die größte Mordserie der Nachkriegszeit verurteilt. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Wegen Mordes an 100 Patienten angeklagt: Niels Högel, der als Todespfleger bekannt wurde, wurde am Donnerstag für die größte Mordserie der Nachkriegszeit verurteilt. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Das Landgericht Oldenburg hat den Serienmörder und Ex-Pfleger Niels Högel wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Zugleich stellte die Kammer am Donnerstag die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren in der Praxis so gut wie ausschließt.

Die Taten sprengten jegliche Grenzen, sagte der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann: "Ich kam mir vor wie ein Buchhalter des Todes." Högel war wegen 100 Morden angeklagt. In 15 Fällen sprach das Gericht somit den Angeklagten frei. Högel selbst hatte 43 Taten gestanden.

Mit dem Urteil ging nach rund sieben Monaten ein Prozess zu Ende, der im In- und auch im Ausland viel Beachtung fand. Högel, der unter anderem wegen zweifachen Mordes an Patienten schon 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, hatte seine Opfer zwischen 2000 und 2005 mit Medikamenten zu Tode gespritzt.

Högel brachte Patienten absichtlich in Lebensgefahr

Dabei brachte er in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst in Niedersachsen Patienten mit verschiedenen Substanzen in lebensbedrohliche Lagen, um bei der notwendigen Reanimierung Lob von seinen Kollegen zu bekommen. Viele Patienten überlebten das nicht.

Ein Gutachter hatte dem Ex-Pfleger Schuldfähigkeit attestiert, zugleich aber auffällige Persönlichkeitsstörungen festgestellt. Högel zeige Anzeichen von Störungen, diese seien aber nicht so ausgeprägt wie bei psychisch Kranken. Högel fehle es an Scham, Schuld, Reue und Empathie, hatte der psychiatrische Gutachter Henning Saß Ende April gesagt.

"Schreckliche Taten"

Am Mittwoch hatte sich Högel in seinem letzten Wort bei den Angehörigen seiner Opfer entschuldigt. Er sprach von Reue und Scham. Es sei ihm während des Prozesses klar geworden, wie viel unendliches Leid er durch seine "schrecklichen Taten" verursacht habe.

Die Verteidigung hatte in 55 Fällen auf Mord plädiert, in 14 auf versuchten Mord und in 31 Fällen auf Freispruch. Die Staatsanwaltschaft sah dagegen 97 Morde als erwiesen an. Nur in drei Fällen fehle es an hinreichenden Beweisen.

Lesen Sie auch: Frau lebt jahrelang mit Leiche ihrer Mutter in Wohnung