Bergisch Gladbach
Kindesmissbrauch

Sexueller Missbrauch in Bergisch Gladbach: Männer sollen eigene Kinder geschändet haben - härtere Strafen gefordert

In Nordrhein-Westfalen sind Ermittler in einer Wohnung auf Fotos gestoßen, die Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch zeigen. Ein Mann wurde verhaftet. Die Spur führt indes zu drei weiteren Verdächtigen. Die Männer sollen ihre eigenen Kinder geschändet haben.
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In Nordrhein-Westfalen sollen mehrere Männer ihre eigenen Kinder sexuell missbraucht und sich gegenseitig entsprechende Bilder geschickt haben. Symbolfoto: pixabay/Alexas_Fotos
In Nordrhein-Westfalen sollen mehrere Männer ihre eigenen Kinder sexuell missbraucht und sich gegenseitig entsprechende Bilder geschickt haben. Symbolfoto: pixabay/Alexas_Fotos

Sexueller Kindesmissbrauch: In einer Wohnung im nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach finden Ermittler Bilder, die Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch darstellen. Der Wohnungsinhaber wird verhaftet, die Spur führt zu drei weiteren Verdächtigen. Die Männer sollen sich an ihren eigenen Kindern vergangen haben, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldet.

Update vom 01.11.2019: Ruf nach härteren Strafen wird laut

Im Fall des sexuellen Missbrauchs eigener Kinder und Stiefkinder durch mehrere Männer geht die Staatsanwaltschaft Köln von langwierigen Ermittlungen aus. Mit Verweis auf die gefundene Datenmenge von etwa drei Terabyte sprach der Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer am Freitag von aufwendigen Ermittlungen, die sich voraussichtlich über einen längeren Zeitraum erstrecken werden.

Ein vierter Haftbefehl wurde erlassen. Ein Festgenommener aus Langenfeld, der am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt wurde, sitze nun in Untersuchungshaft, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Düsseldorf, Britta Zur, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Freitag.

Die Kölner Polizei führt ihre Ermittlungen nach eigenen Angaben mit Hochdruck. Selbstverständlich sei an dem Fall auch am Freitag - einem Feiertag in NRW - gearbeitet worden. Die Auswertung der großen Datenmengen habe Vorrang.

Mindest- und Höchststrafe sollen erhöht werden

Nach dem Bekanntwerden der Tatvorwürfe hat die Deutsche Kinderhilfe das Bundesjustizministerium aufgefordert, die Höchststrafen für Kindesmissbrauch zu erhöhen. "Was den Kinderschutz angeht, bin ich bislang schwer enttäuscht von unserer Bundesjustizministerin", sagte der Vorstandsvorsitzende Rainer Becker. Im Juni hatten die Innenminister der Länder die Bundesregierung gebeten, die Mindeststrafe für sexuellen Missbrauch von Kindern und für Straftaten im Bereich Kinderpornografie auf ein Jahr anzuheben.

Die Höchststrafe für den Besitz von Kinderpornografie sollte nach dem Willen der Innenminister von drei auf fünf Jahre erhöht werden, die für das Verbreiten von Kinderpornografie von fünf auf zehn Jahre. "Bis heute hat es aus dem Bundesjustizministerium keine erkennbare Reaktion auf den Beschluss der Innenministerkonferenz gegeben", kritisierte die Deutsche Kinderhilfe. Eine Sprecherin des Justizministeriums sagte am Freitag, es werde laufend geprüft, wie diese schweren Straftaten noch effektiver verfolgt werden könnten. Den gegenwärtigen Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe für Kindesmissbrauch sehe das Ministerium jedoch "als angemessen an".

Ursprüngliche Meldung: Bergisch Gladbach: Sexueller Kindesmissbrauch

In Nordrhein-Westfalen sollen mehrere Männer ihre eigenen Kinder sexuell missbraucht und sich gegenseitig entsprechende Bilder geschickt haben. Laut dpa-Meldung war das jüngste Opfer noch ein Baby. "Sie sehen mich fassungslos und bestürzt in Anbetracht der schrecklichen Taten", sagte der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob am Donnerstag (31. Oktober 2019). Die Opfer seien zwischen elf Monaten und zehn Jahren alt. Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zeigte sich schockiert.

Bislang seien vier Verdächtige aus den Bereichen Bergisch Gladbach, Kleve, Wiesbaden und Langenfeld unter dem Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs festgenommen worden. Es sei nicht auszuschließen, dass es noch mehr Beteiligte gebe, sagte Kripochef Klaus-Stephan Becker.

Bei den Opfern handele es sich um die Kinder oder Stiefkinder der Verdächtigen. Die Kölner Polizei hat 20 Beamte abgestellt, die unter anderem die riesigen Datenmengen auswerten sollen, um mögliche weitere Täter und Opfer ausfindig zu machen. Von einem Kinderporno-Ring wollte Becker nicht sprechen: "Dazu ist es zu früh."

Durchsuchung: Ermittler finden Tausende schreckliche Fotos und Videos

Ins Rollen kamen die Ermittlungen, als die Staatsanwaltschaft Kassel im Zuge eines anderen Verfahrens wegen Kinderpornografie auf einen 42-jährigen Deutschen aus Bergisch Gladbach stieß. Daraufhin erwirkte die Kölner Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbeschluss. Doch der Verdächtige war gerade mit Frau und Tochter im Urlaub.

Nach der Rückkehr der Familie standen die Beamten dort Anfang vergangener Woche an der Tür und durchforsteten die Wohnung. Sie fanden Tausende erschreckende Bilder und Videos - insgesamt eine Datenmenge von mehr als drei Terabyte. Der 42-Jährige, der bis dahin nicht bei der Polizei bekannt war, wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft.

Online-Chat führt zu weiteren Verdächtigen - darunter ein Bundeswehrsoldat

Durch die Auswertung seiner Chat-Verläufe kamen die Ermittler drei weiteren Verdächtigen auf die Spur, von denen zwei jetzt bereits ebenfalls in U-Haft sind. Einer von ihnen sei ein 26 Jahre alter Bundeswehrsoldat aus dem Raum Wesel, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kleve der Deutschen Presse-Agentur.

Bei dem anderen Mann handelt es sich nach Angaben der Wiesbadener Polizei um einen 38-Jährigen. Der vierte Verdächtige aus dem Raum Langenfeld sollte noch am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Ermittlungsstand: Bisher erst ein Bruchteil der Datenmenge ausgewertet

Die mutmaßlichen Beteiligten hätten via Chat Bilder ausgetauscht, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Ob sie sich auch persönlich kennen und getroffen haben, sei noch unklar. "Bisher haben wir erst einen Bruchteil der Datenmenge auswerten können", sagte Kripochef Becker. Neben der Suche nach möglichen weiteren Verdächtigen stehe die Betreuung der Opfer im Vordergrund.

NRW-Innenminister Reul lobte die Arbeit der Polizei: Nach seinem Kenntnisstand habe die Polizei in Bergisch Gladbach "konsequent ermittelt", nun habe man die Leitung der Ermittlungen nach Köln gegeben, weil dort "Manpower" vorhanden sei.

Mit dem schweren Missbrauchsfall auf einem Campingplatz in Lügde sei der nun bekannt gewordene Fall kaum zu vergleichen, auch wenn es in beiden Fällen um Kinder gehe, sagte Reul der dpa. "Die Geschichten sind andere. Die Geschichte von Lügde spielte an einem Platz, wo Kinder von ein, zwei Männern missbraucht wurden. Hier haben wir jetzt unterschiedliche Stellen, wo Männer mit ihren eigenen Kindern Missbrauch betrieben haben."