Treuenbrietzen
Waldbrand

Riesiger Waldbrand in Brandenburg: 400 Hektar in Flammen - Feuer noch immer nicht unter Kontrolle

Wegen eines riesigen Waldbrandes 50 Kilometer südwestlich von Berlin mussten über 500 Menschen evakuiert werden - zwei komplette Dörfer. Das Feuer ist teilweise nur 100 Meter von Ortschaften entfernt. Zusätzliche Probleme gibt es durch Munition im Boden. Der Brand ist eingedämmt, aber nicht unter Kontrolle.
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Die Rauchschwaden waren bis nach Berlin zu sehen. Mittlerweile ist der Waldbrand zwar eingedämmt, aber noch immer nicht unter Kontrolle. Foto: Paul Zinken/dpa
Die Rauchschwaden waren bis nach Berlin zu sehen. Mittlerweile ist der Waldbrand zwar eingedämmt, aber noch immer nicht unter Kontrolle. Foto: Paul Zinken/dpa

Update 24. August 2018, 18:30 Uhr: Waldbrand eingedämmt, aber nicht unter Kontrolle

Hunderte Einsatzkräfte haben einen riesigen Waldbrand südwestlich von Berlin am Freitag zwar eingedämmt, aber noch nicht unter Kontrolle gebracht. Zwei Dörfer in Brandenburg blieben bis auf Weiteres evakuiert. Die Einsatzkräfte kämpften mit drei Brandherden rund um Treuenbrietzen, sagte ein Sprecher des Brandenburger Innenministeriums am Freitag. "Die Lage ist noch nicht entspannt." Es sei kein Regen in Sicht und der Wind frische auf.

Fläche von 400 Fußballfeldern in Flammen - neue Feuer gemeldet

Das Feuer hatte sich gut 50 Kilometer vor den Toren der Hauptstadt rasch ausgebreitet: Nach zunächst fünf Hektar Waldbrandgebiet stand zuletzt eine Fläche in Flammen, die 400 Fußballfeldern entsprach. Gleichzeitig wurden neue Feuer aus der Nachbargemeinde Jüterbog gemeldet. Nach Angaben der Stadtverwaltung standen dort mehrere Hektar Fläche auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Flammen. Die Brandursachen waren zunächst unklar.

Behörden rechnen mit tagelangen Löscharbeiten

Eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark sagte, sie rechne mit tagelangen Löscharbeiten rund um Treuenbrietzen. Die Glut reiche 40 bis 50 Zentimeter tief in den Waldboden. Wann die Bewohner der evakuierten Orte Klausdorf und Tiefenbrunnen in ihre Häuser zurückkehren können, war der Sprecherin zufolge am Freitagnachmittag weiter unklar. "Wir prüfen alle vier Stunden, ob die Sperrung aufgehoben werden kann." Die Häuser der Dörfer konnten bislang vor den Flammen geschützt werden.

Erste Ortschaft wieder für Bewohner freigegeben

Der Ort Frohnsdorf war bereits am Freitagmittag wieder freigegeben worden. Um die 500 Menschen hatten ihre Häuser in den drei Dörfern südlich von Potsdam am Donnerstagabend verlassen müssen. Sie verbrachten die Nacht bei Bekannten und in einer Notunterkunft.

 

Das betroffene Areal ist den Behörden zufolge mehr als halb so groß wie die Schadensfläche der mehr als 400 vorhergehenden Brände im Land seit Jahresbeginn zusammengenommen. "Wir haben schon einige große Waldbrände in der Region gehabt. In dieser Dimension, wo es sich zwischen den Ortschaften bewegt, haben wir das noch nicht gehabt", sagte der Bürgermeister von Treuenbrietzen, Michael Knape.

Munitionsreste erschweren die Löscharbeiten

Rund 600 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg, die im Wald liegen, erschwerten die Löscharbeiten. Feuerwehrleute können sich nicht gefahrlos bewegen. "Wir kommen stellenweise nicht ran, nur von befahrbaren und geräumten Wegen", sagte ein Sprecher der Einsatzleitstelle. Die Kräfte sind daher auf Unterstützung aus der Luft angewiesen, etwa von Helikoptern. Unter anderem vom Technischen Hilfswerk (THW) kam die Forderung, dass Löschflugzeuge auch in Deutschland verfügbar sein sollten.

Das Feuer wirkte sich auch auf den Bahnverkehr aus. Betroffen sei die Strecke zwischen Wannsee und Jüterbog, teilte die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) auf ihrer Internetseite mit. Demnach enden die Regionalbahnen des privaten Eisenbahnunternehmens bereits in Treuenbrietzen. Fahrgäste mussten auf Busse umsteigen. "Teilweise ist aber auch ein Ersatzverkehr nicht möglich, weil die Straßen gesperrt sind", sagte eine Unternehmenssprecherin am Freitag.

Südwestwind hatte die Rauchschwaden in der Nacht in die Hauptstadt hineingetragen. Die Bewohner sollten Fenster und Türen geschlossen halten, erklärte die Feuerwehr. Außerdem sollten Lüftungsanlagen kontrolliert werden. Am Freitagvormittag drehte sich der Wind allerdings und der Rauch zog aus der Stadt ab. Eine Sprecherin des DWD erklärte am Freitag, es könne in der Nacht zu Samstag aber erneut zu einer Rauchbelastung in Berlin kommen.

Ursprüngliche Meldung: 400 Hektar Wald bei Berlin in Flammen

Ein riesiger Waldbrand wütet südwestlich von Berlin. Mehr als 500 Menschen mussten deswegen ihre Häuser verlassen. Am frühen Freitagmorgen versuchte die Feuerwehr mit schwerem Gerät, ein Übergreifen der Flammen auf Dörfer in der Nähe zu verhindern. Hierfür zogen die rund 600 Einsatzkräfte mit einem Radlader und einer großen Planierraupe mehrere Schneisen in den Wald. Der Brandort liegt nur etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. 

Bis zum Freitagmorgen war der Brand stark eingedämmt. "Weite Teile sind unter Kontrolle", sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Einsatzort der Deutschen Presse-Agentur. Wenn der Wind so bleibe, sehe er gute Chancen, dass das Feuer bald gelöscht werde und die in Sicherheit gebrachten Anwohner noch im Laufe des Tages in ihre Häuser zurückkehren könnten.

Derzeit gebe es aber noch mehrere größere Brandstellen. Die Bundeswehr und die Bundespolizei seien mit Hubschraubern im Einsatz. Zudem spritzten die Wasserwerfer der Polizei Wasser in den Wald bei Treuenbrietzen. Die Arbeiten würden noch mehrere Tage dauern, sagte Schröter.

Wegen des Feuers waren die Dörfer Frohnsdorf, Klausdorf und Tiefenbrunnen südlich von Potsdam am Donnerstagabend evakuiert worden - insgesamt 540 Menschen waren den Angaben zufolge betroffen. Ein Großteil komme bei Bekannten unter, außerdem stehe die Stadthalle der nahe gelegenen Kleinstadt Treuenbrietzen zur Verfügung, sagte der Vize-Landrat von Potsdam-Mittelmark, Christian Stein (CDU), am Abend. "Wir haben schon einige große Waldbrände in der Region gehabt. In dieser Dimension, wo es sich zwischen den Ortschaften bewegt, haben wir das noch nicht gehabt", sagte Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knappe.

Feuer auf 400 Hektar

Das Feuer war teilweise nur 100 Meter von Orten entfernt, hieß bei der Polizei. Zunächst brannte eine Fläche von fünf Hektar. Das Feuer breitete am Donnerstagnachmittag rasend schnell auf etwa 400 Hektar aus. Aufgrund von Munitionsresten im Boden können sich die Feuerwehrleute nicht gefahrlos frei bewegen.

Das Feuer war nach ersten Erkenntnissen an mehreren Stellen ausgebrochen. Die größte Stelle, die brannte, war den Angaben zufolge einen Kilometer breit und drei Kilometer lang. Daneben stünden weitere Stellen in Flammen, hieß es von der brandenburgischen Polizeidirektion West.

Rauchschwaden über Berlin

Auch in Berlin waren die Auswirkungen des Feuers zu spüren. Am Freitagmorgen zogen Rauchschwaden über die Hauptstadt. Ganze Straßenzüge seien verraucht, sagte ein Feuerwehrsprecher. Betroffen seien alle südlichen Stadtteile bis nach Mitte. Die Bewohner sollten Fenster und Türen geschlossen halten.

In Potsdam gab die Feuerwehr via Twitter ebenfalls eine Warnung vor den Auswirkungen des Feuers heraus. In den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming sowie in der Stadt Potsdam komme es "zu Trübungen der Luft durch Rauch und Geruchsbelästigungen".

Woidke sagt Treffen mit Steinmeier ab

Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) kündigte an, die betroffene Region im Laufe des Freitags besuchen zu wollen. Der Ministerpräsident wolle sich am Vormittag ein Bild von der Lage machen, sagte Regierungssprecher Florian Engels der Deutschen Presse-Agentur. Dafür sagte Woidke einen Termin mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Uckermark ab.

Keine Auswirkungen auf Flugverkehr

Der Brand hat bislang keine Auswirkungen auf den Flugverkehr der Hauptstadt. "Die Flieger starten alle", sagte eine Flughafensprecherin am frühen Freitagmorgen.



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