Potsdam
Tatverdächtiger festgenommen

Potsdam: Kleines Mädchen (6) wohl entführt und schwer sexuell missbraucht

Der Alptraum vieler Eltern: Ein sechsjähriges Mädchen verschwindet vor einem Möbelhaus. Nach 22 Stunden taucht das Kind wieder auf - weinend auf einem Gehweg wird es gefunden. Offenbar gab es eine Entführung. Ermittelt wird auch wegen schweren sexuellen Missbrauchs.
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Einsatzkräfte suchten am Sonntagabend nach einem sechsjährigen Mädchen, das vor einem Möbelhaus verschwunden war.  Foto: Julian Stähle/dpa
Einsatzkräfte suchten am Sonntagabend nach einem sechsjährigen Mädchen, das vor einem Möbelhaus verschwunden war. Foto: Julian Stähle/dpa

Horror für eine Familie in Brandenburg: Die Familie ist Samstagnachmittag mit den Kindern im Möbelhaus, die sechs Jahre alte Tochter nimmt den Fahrstuhl, allein. Der Vater sieht die Kleine noch, sieht, wie sie im Erdgeschoss aussteigt und den Ausgang nimmt. Dann ist sie weg. 22 Stunden lang. Am frühen Abend alarmiert der Vater die Polizei. Die sucht das Mädchen mit 70 Leuten, Hubschrauber und Drohne. Am Sonntag dann die Erlösung, aber auch die Frage, was eigentlich geschehen ist: Das Kind wird gefunden - weinend auf einem Gehweg.

Was sich laut der Polizei am Wochenende in Potsdam abgespielt hat, klingt wie der Alptraum vieler Eltern. Es gibt eine Festnahme. Es sieht nach einem Verbrechen aus. Was das Mädchen hinter sich hat, ist noch unklar. Die Ermittler hegen allerdings einen Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs.

Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs

"Ein erwachsener Beschuldigter ist vorläufig festgenommen worden", teilt die Staatsanwaltschaft am Montag knapp mit. Der Sachverhalt werde derzeit unter allen strafrechtlichen Gesichtspunkten intensiv geprüft. Es handelt sich bei dem Verdächtigen um einen 58 Jahre alten Deutschen, wie Markus Nolte, Sprecher der Staatsanwaltschaft, mitteilt. Das sechs Jahre alte Mädchen sei verletzt gewesen. Ein Haftantrag wurde beantragt. Der Mann konnte laut Nolte "aus persönlichen Gründen" noch nicht vernommen werden. "Wir ermitteln wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs an dem Kind."

Wie die "Märkische Allgemeine" berichtet, wurde nur wenige Straßen entfernt von dem Ort, wo das Kind verschwunden war, ein Mann festgenommen. Ein Bewohner eines Plattenbaus sei abgeführt worden, das hätten Nachbarn in Drewitz bestätigt. Das Viertel ist nicht vornehm und teuer wie andere Teile Potsdams, es ist geprägt von Plattenbauten und Mehrfamilienhäusern.

Für die Suche nach dem Mädchen waren Bereitschaftspolizisten aus ihrem freien Wochenende gerufen worden. Sie gingen in Hauseingänge und Keller, befragten Anwohner. Dabei fiel den Polizisten schließlich das vietnamesisch-stämmige Mädchen auf, sie erkannten es wieder. Für solche Krisenfälle gibt es besonders geschulte Ermittler. Kriminalistinnen hätten das Kind altersgerecht befragt, heißt es in der Mitteilung der Polizei.

Mädchen muss untersucht werden

Das Kind wird vom Arzt vor Ort und in einem Krankenhaus untersucht. Wie in solchen Situationen üblich, werden die Medien gebeten, alle Bilder der Vermissten zur Suche zu entfernen. Der Fall wandert von der Polizei zur Staatsanwaltschaft. Das passiert bei möglichen Verbrechen.

Dass Kinder und Jugendliche verschwinden und als vermisst gemeldet werden, ist nicht selten: laut einer privaten Hilfsorganisation 60.000 Mal im Jahr. Glücklicherweise tauchten sie in mehr als 99 Prozent aller Fälle wohlbehalten wieder auf, heißt es auf der Homepage der "Initiative vermisste Kinder".

Dort können sich Eltern Tipps für den Notfall holen: "Erstatten Sie unverzüglich eine Vermisstenanzeige bei der Polizei", "Rufen Sie seine Freunde und andere Eltern an" und "Achten Sie darauf, dass Ihr eigener Telefonanschluss für einen Anruf Ihres Kindes frei bleibt".

Erinnerungen an Tötungen werden wach

In Potsdam und Berlin denken viele Menschen mit Entsetzen an die Tötungen von Elias (6) und Mohamed (4) zurück. Die zwei Jungen wurden 2015 entführt: der eine in Potsdam-Schlaatz, der andere vor einer Flüchtlingsbehörde in Berlin. Der Täter lockte die Jungen an, missbrauchte sie und brachte sie um. Im Sommer 2016 wurde Silvio S. vom Landgericht Potsdam wegen Mordes und Kindesmissbrauchs zu lebenslanger Haft verurteilt. Vor Gericht geht es gerade darum, ob er nach dieser Strafe in Sicherungsverwahrung kommt.

In Sachsen ermittelt die Polizei derzeit wegen einer versuchten Entführung. Am 11. April versuchte demnach ein Unbekannter in Mülsen, ein 13-jähriges Mädchen zu verschleppen. Der Mann soll die Schülerin am Morgen in einen Transporter gezerrt haben. Als der Wagen nach einigen Minuten hielt, wehrte sich das Mädchen den Angaben zufolge mit Schlägen und Tritten und konnte fliehen. Der Mann sei daraufhin weggefahren.

Fast sieben Wochen später hat die Polizei noch keine entscheidende Spur. Man habe mehr als 140 Hinweise bekommen und arbeite diese immer noch ab, sagt ein Sprecher am Montag auf dpa-Anfrage. "Wir gehen allen Hinweisen nach." Auch der Fahndungsaufruf mit einem Phantombild habe bisher keinen Erfolg erbracht.