Neu Delhi

Polizisten in Indien töten mutmaßliche Mörder - und werden dafür als Helden gefeiert

Nach der Vergewaltigung und dem Mord an einer 27-jährigen Frau in Indien hat die Polizei die mutmaßlichen Täter erschossen. Die vier Männer hätten versucht zu fliehen. Für ihr Vorgehen werden die Polizisten nun als Helden gefeiert, der Vater der ermordeten Frau bedankte sich.
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Die indische Polizei erschoss vier Männer im Alter zwischen 20 und 30, die im Verdacht standen, eine Tierärztin vergewaltigt und getötet zu haben. Foto: Ajit Solanki/AP/dpa
Die indische Polizei erschoss vier Männer im Alter zwischen 20 und 30, die im Verdacht standen, eine Tierärztin vergewaltigt und getötet zu haben. Foto: Ajit Solanki/AP/dpa

Nach großen Demonstrationen für ein hartes Vorgehen gegen mutmaßliche Vergewaltiger in Indien hat die Polizei Verdächtige erschossen. Damit erntet sie viel Zuspruch.

Bei angeblichem Fluchtversuch erschossen

Die Polizeibehörde berichtete, dass die Ermittler in der Nacht auf Freitag (6.12.2019) mit den Verdächtigen den Tatort begehen wollten. Plötzlich hätten die Männer versucht, die Waffen der Beamten zu ergreifen und zu fliehen. Die Polizisten hätten die Männer aufgefordert, sich zu ergeben. Als sie dies nicht getan hätten, hätten die Polizisten sie erschossen.

Vater: "Seele meiner Tochter wird jetzt in Frieden ruhen"

Kurz danach ließen zahlreiche Menschen Blütenblätter über die Beamten rieseln. Der Vater des Opfers dankte den Polizisten und der indischen Regierung, wie er der indischen Nachrichtenagentur ANI sagte. "Die Seele meiner Tochter wird jetzt in Frieden ruhen." Denselben Tenor hatten viele Einträge von Menschen, die in sozialen Netzwerken ihre Zustimmung zeigten. Endlich sei Gerechtigkeit geschehen, hieß es etwa.

Opfer wurde verschleppt, vergewaltigt und getötet

Die erschossenen Männer im Alter zwischen 20 und 30 wurden verdächtigt, vergangene Woche die 27 Jahre alte Tierärztin vergewaltigt und getötet zu haben. Die junge Frau verschwand laut Polizeiangaben bei einer Mautstation nahe der Millionenstadt Hyderabad, wo sie ihren Motorroller geparkt hatte.

Männer hatten der Frau demnach angeboten, bei der Reparatur ihres Rollers zu helfen, dann sollen sie die Frau verschleppt, vergewaltigt und getötet haben. Anschließend sollen sie die Leiche zu einer rund 25 Kilometer entfernten Straßenunterführung gebracht und angezündet haben.

Human Rights Watch verurteilt Polizei

In den vergangenen Tagen waren in mehreren Städten Tausende auf die Straße gegangen und hatten ein hartes Vorgehen gegen die Verdächtigen und mehr Rechte für Frauen gefordert. Auch im Parlament wurde emotional diskutiert. Eine Abgeordnete forderte kürzlich gar, dass die Täter gelyncht würden.

Doch äußerten auch mehrere Politiker und Aktivisten Bedenken. Die Polizisten hätten die Verdächtigen entweder hingerichtet oder sie seien schlicht inkompetent gewesen, schrieb die Südasien-Chefin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Meenakshi Ganguly, auf Twitter. "Um der Wut der Öffentlichkeit über das Versagen des Staates bei sexuellen Übergriffen entgegenzuwirken, machen sich indische Behörden einer neuen Gewalttat schuldig." Die Abgeordnete Maneka Gandhi sagte vor Reportern: "Was passiert ist, ist sehr gefährlich. Man kann nicht einfach Menschen töten, wenn man das möchte. Man kann das Gesetz nicht einfach in die eigenen Hände nehmen." Auf diese Verwürfe sagte ein Polizeisprecher bei einer Pressekonferenz nur: "Die Polizei hat ihre Pflicht getan."