München
Unfalltod

Polizei findet Unfallauto mit sterbender Tochter nicht: Jetzt verklagen die Eltern den Freistaat

Musste eine 24-Jährige nach einem Unfall auf der A8 sterben, weil Polizisten das Unfallauto nicht fanden? Ab Mittwoch wird der Fall vor Gericht verhandelt.
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Nach dem Unfalltod einer jungen Frau auf der A8 bei Dasing in Schwaben klagen die Eltern gegen den Freistaat, weil die Polizei das Wrack mit der sterbenden 24-Jährigen nicht gefunden hat.  Symbolfoto: Stefan Puchner/dpa
Nach dem Unfalltod einer jungen Frau auf der A8 bei Dasing in Schwaben klagen die Eltern gegen den Freistaat, weil die Polizei das Wrack mit der sterbenden 24-Jährigen nicht gefunden hat. Symbolfoto: Stefan Puchner/dpa

Polizei findet sterbende Tochter nicht - Eltern klagen gegen den Freistaat Bayern: Nach dem Unfalltod einer jungen Frau auf der A8 bei Dasing in Schwaben klagen die Eltern gegen den Freistaat, weil die Polizei das Wrack mit der sterbenden 24-Jährigen nicht gefunden hat.

 


Eltern verlangen Schmerzensgeld vom Freistaat Bayern

In erster Instanz sind die Eltern vor dem Augsburger Landgericht gescheitert. Nun muss sich am Donnerstag das Oberlandesgericht in München mit dem Fall befassen, nachdem die Kläger Berufung eingelegt haben. Die Eltern verlangen von Bayern mehr als 26.000 Euro. Sie klagen einerseits auf die Erstattung der Beerdigungskosten und andererseits auf Schmerzensgeld.

 

 


Unfall 2015 auf A8 beim schwäbischen Dasing

Die 24-Jährige hatte im Juli 2015 nachts auf der Autobahn 8 (Stuttgart-München) einen Unfall. Die Fahrerin war beim schwäbischen Dasing (Landkreis Aichach-Friedberg) aus ungeklärtem Grund von der Fahrbahn abgekommen und mit dem Wagen eine Böschung hinabgestürzt. Zwei Zeugen beobachteten den Unfall und alarmierten die Rettungskräfte.

 

 


Polizei findet Unfallauto in Dunkelheit nicht

Polizei und Feuerwehr fanden das Auto der 24-Jährigen allerdings in der Dunkelheit nicht. Denn an der Leitplanke und einem Schutzzaun wurden keine Schäden festgestellt, die auf den Unfall deuteten. Vielmehr gingen die Retter davon aus, dass es sich um einen Fehlalarm handelte, weil in der Nähe ein Fahrzeug mit einer Panne stand. Die Beamten glaubten, dass die Zeugen keinen echten Unfall, sondern nur dieses Pannenauto beobachtet hätten.

 

 


Hätte die Tochter gerettet werden können?

Die Annahme erwies sich als falsch. Erst am nächsten Morgen, acht Stunden nach dem Unfall, fand ein Spaziergänger das Auto der 24-Jährigen, die Fahrerin war mittlerweile gestorben. Die klagenden Eltern gehen davon aus, dass ihre schwer verletzte Tochter hätte gerettet werden können, wenn sie nachts gefunden worden wäre.

Das Landgericht in Augsburg wies die Klage dennoch ab. Eine fahrlässige Amtspflichtverletzung der Einsatzkräfte liege nicht vor. Die Richter sahen vielmehr eine nicht vorhersehbare Verkettung unglücklicher Umstände. Die Richter bewerteten dabei auch, dass der Notrufbeamte einem der Zeugen gesagt hatte, er könne weiterfahren und brauche nicht am Unfallort auf die alarmierten Helfer warten.

 

 


Polizei hätte Zeugen nicht weiterfahren lassen dürfen

Aus der nachträglichen Sicht hätte der Polizist zwar den Zeugen nicht weiterfahren lassen dürfen, meinte die Zivilkammer des Landgerichts. Denn dann wäre ein Auffinden des Unfallautos sehr wahrscheinlich gewesen. Allerdings habe der Beamte zwischen der Gefahr für den Zeugen auf der Fernstraße und dem daraus resultierenden Nutzen abwägen müssen. Außerdem habe der Polizist davon ausgehen dürfen, dass seine Kollegen das Opfer finden. Denn bei solchen Unfällen seien sonst fast immer entlang der Straße deutliche Schäden zu erkennen, die Hinweise auf das Unfallauto geben.

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