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Bremen
Versuchte Tötung

Nach TV-Bericht über Pädophile: Mann nach Lynchjustiz in Bremen lebensgefährlich verletzt

Eine Gruppe von Männern ist am Dienstag nach der Ausstrahlung einer Fernsehsendung über Pädophile in eine Wohnung eingedrungen und hat den Bewohner zunächst lebensgefährlich verletzt. Sie waren der Meinung, sie hätten den Mann aus der Sendung wiedererkannt.
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Eine Gruppe von Männern ist am Dienstag nach der Ausstrahlung einer Fernsehsendung über Pädophile in eine Wohnung eingedrungen und hat den Bewohner lebensgefährlich verletzt. Symbolfoto: Michael Helbig/dpa
Eine Gruppe von Männern ist am Dienstag nach der Ausstrahlung einer Fernsehsendung über Pädophile in eine Wohnung eingedrungen und hat den Bewohner lebensgefährlich verletzt. Symbolfoto: Michael Helbig/dpa
  • Nach Ausstrahlung eines RTL-Beitrags sucht Gruppe von Männern einen Mann in dessen Wohnung auf

  • Die Männer glauben ihr Opfer wäre ein Pädophiler und schlagen ihn zusammen


    Nach der Ausstrahlung einer Fernsehsendung am Dienstag zur Mittagszeit haben mehrere Männer in Bremen-Lesum einen Mann in dessen Wohnung aufgesucht, um ihn gemeinschaftlich zusammenzuschlagen.
    Der 50-Jährige wurde in der Folge zunächst lebensgefährlich verletzt.

    Wie die Polizei am Mittwochabend mitteilte, glaubten die Männer wohl "das Recht in die eigene Hand nehmen zu müssen". In dem Fernsehbeitrag wurde erzählt, wie Reporter über das Internet Kontakt zu vermeintlich Pädophilen suchten.


    Lynchmob sucht Wohnung des vermeintlich Pädophilen auf

    Die Sendung zeigte schließlich einen Mann, dessen Verhalten durch die Reporter als verdächtig beschrieben und dabei gefilmt wurde. Nach der Ausstrahlung von "Punkt 12" haben Leute aus dem Norden von Bremen den Mann wohl wiedererkannt. Sie glaubten laut Polizei auch die Adresse des vermeintlich Pädophilen identifiziert zu haben - woraufhin sie den Mann aufsuchten.

    Im weiteren Verlauf gelang es mehreren Männern schließlich in die Wohnung eines Mehrparteienhauses einzudringen. Dort schlugen sie ihr Opfer - einen 50-jährigen Hausbewohner - so massiv zusammen, dass er lebensgefährlich verletzt wurde.


    Ermittlungen wegen versuchter Tötung

    Mittlerweile schwebt der Mann glücklicherweise nicht mehr in Lebensgefahr. Die Ermittler der Bremer Polizei leiteten ein Verfahren wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ein. Nach bisherigem Ermittlungsstand geht die Polizei nicht davon aus, dass in dem betroffenen Haus Menschen mit pädophiler Neigung wohnen.

    In der Mitteilung der Polizei weisen die Beamten ausdrücklich darauf hin, dass niemand das Recht hat, die Justiz in die eigene Hand zu nehmen. Keine Form und kein Anlass seien als Selbstjustiz tolerierbar.


    Stellungnahme von RTL

    RTL entfernte den Beitrag aus dem Internet. Ein Sprecher wies aber darauf hin, dass man die journalistische Sorgfaltspflicht in jeder Hinsicht gewahrt habe. Im Beitrag habe es keinerlei Hinweise auf den Ort oder eine vermeintliche Adresse des mutmaßlichen Pädophilen gegeben, teilte der Sprecher weiter mit. Er betonte: "RTL verurteilt den brutalen Akt der Lynchjustiz in Bremen auf das Schärfste." red/dpa