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Morddrohung gegen Joe Kaeser: Siemens-Chef meldet sich zu Wort - keine Anzeige erstattet

Siemens-Chef Joe Kaeser ist Opfer einer Morddrohung geworden, die ihm per Mail zugesandt wurde. Darin wird auch auf den kürzlich erschossenen Walter Lübcke angespielt. Am Freitag meldete sich Kaeser selbst zu Wort und verurteilte das Schreiben an ihn.
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Siemens-Chef Joe Kaeser ist Opfer einer Morddrohung geworden. Nun hat sich er Manager selbst zu Wort gemeldet. Foto: Tobias Hase/dpa
Siemens-Chef Joe Kaeser ist Opfer einer Morddrohung geworden. Nun hat sich er Manager selbst zu Wort gemeldet. Foto: Tobias Hase/dpa

Morddrohungen gegen Siemens-Chef: Die Aufarbeitung des Mordes am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist noch nicht ganz abgeschlossen, da beschäftigen die Behörden bereits die nächsten Todesdrohungen. Siemens-Chef Joe Kaeser hat eine Morddrohung per E-Mail erhalten. Die Staatsanwaltschaft Deggendorf ermittelt in diesem Fall, wie die Wirtschaftswoche berichtet. In der Mail wird Kaeser angedroht, "der nächste Lübcke" zu werden. Das Drohschreiben wurde demnach vom Absender "adolf.hitler@nsdap.de" verfasst.

Nach Morddrohung: Siemens-Boss Kaeser meldet sich zu Wort - "Der Teufel hat jetzt auch E-Mail"

Einen Tag nachdem die Meldung über die Morddrohung publik wurde, hat sich Siemens-Chef Joe Kaeser öffentlich zu Wort gemeldet. Über Twitter verbreitete der 62-Jährige am Freitag die Abbildung einer Mail vom Absender adolf.hitler@nsdap.de und dem Betreff "An Joe Kaeser". Dazu schrieb der Konzernchef, er sehe darin "Anzeichen, dass sogar in der Hölle die Digitalisierung Einzug gehalten hat: Der Teufel hat jetzt auch E-Mail." Unten sei dessen Botschaft an ihn. "Meine Botschaft zurück: #neverforget #NieWieder #NazisRaus"

In der Mail heißt es unter anderem, Typen wie Kaeser bräuchten "dringend eine Behandlung wie Lübcke" - eine Anspielung auf den Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke, der Anfang Juni durch einen Kopfschuss getötet worden war. Die Bundesanwaltschaft stuft den Mord als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein. Kaeser schrieb via Twitter: "Wir haben keine Anzeige erstattet. Die Behörden ermitteln selbständig."

Joe Kaeser in Gefahr? Ermittlungen zu Droh-E-Mail laufen

Kaeser hatte sich zuletzt via Twitter für die Seenotretterin Carola Rackete eingesetzt. Der Siemens-Chef hatte sich zudem in der Vergangenheit deutlich gegen Rassismus positioniert: "Es haben damals beim Nationalsozialismus zu viele Menschen geschwiegen, bis es zu spät war. Und das darf uns in Deutschland nicht wieder passieren", sagte der 62-Jährige gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Ermittlungen führen ins Ausland: Absender bedrohte auch anderen Politiker

Dem Landeskriminalamt (LKA) liegen Hinweise vor, die ins Ausland führen. Bereits im März 2018 sei eine Droh-E-Mail an einen Politiker eingegangen - vom selben Absender. Diese hatte einen "volksverhetzenden" Hintergrund. Laut Wirtschaftswoche ist unklar, ob der Inhaber der Domain der Absender des Drohschreibens ist. Siemens hat Anzeige erstattet. Der Konzern hat den Fall noch nicht kommentiert.

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