Eine 15-jährige Schülerin wurde am Donnerstag in München von einer Straßenbahn erfasst und mehrere Meter durch die Luft geschleudert. Scheinbar war die 15-Jährige durch ihr Handy abgelenkt. Die Polizei ermittelt außerdem gegen eine 39-jährige Gafferin, die die Verletzte filmte, statt ihr zu helfen.

Wie die Polizei mitteilt, war die 15-Jährige gegen 14.30 Uhr zu Fuß im Bereich Dachauer Straße Ecke Heideckstraße unterwegs. An der Haltestelle "Goethe-Institut" wollte sie die Schienen der Straßenbahn überqueren. Die dortige Fußgängerampel zeigte dabei für sie Rotlicht.

 


15-Jährige in München von Straßenbahn erfasst: Kopfhörer im Ohr


Ohne darauf zu achten und ohne eine herannahende Straßenbahn zu bemerken, trat die 15-Jährige nun auf die Schienen. Trotz Warnrufe einer Passantin, setzte sie ihren Weg fort. Laut Zeugenaussagen hatte sie Kopfhörer im Ohr und schaute auf ihr Mobiltelefon.

Der 31-jährige Führer der Straßenbahn leitete unverzüglich eine Schnellbremsung ein, konnte jedoch einen Zusammenstoß nicht mehr verhindern.

 

 


Mehrere Meter durch die Luft geschleudert


Die Schülerin wurde frontal erfasst und prallte mit ihrem Kopf gegen die Frontscheibe der Straßenbahn. Danach wurde sie mehrere Meter durch die Luft geschleudert und blieb benommen am Boden liegen. Wie durch ein Wunder, wurde die 15-Jährige durch den Zusammenstoß jedoch nur leicht verletzt.

Ein Rettungswagen brachte sie in ein Krankenhaus, wo sie zur Beobachtung eine Nacht stationär aufgenommen wurde. An der Straßenbahn selbst entstand leichter Sachschaden.

Die Straßenbahnschienen waren während der Unfallaufnahme in beide Fahrtrichtungen für ca. eine Stunde gesperrt.

 

 


Schaulustige filmt verletztes Mädchen - Handy beschlagnahmt


Eine 39-jährige Schaulustige kam direkt nach dem Unfall hinzu. Sie filmte mit ihrem Smartphone die am Boden liegende und verletzte Schülerin bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Polizeibeamte konnten dies feststellen und eine Strafanzeige gegen diese Gafferin wurde erstellt. Ihr Mobiltelefon wurde beschlagnahmt.

 

 


Hinweis der Polizei zum Thema telefonierende Fußgänger

Seit 2010 stieg die Zahl der getöteten Fußgänger im Straßenverkehr um 10 Prozent. Ablenkung ist demnach die Hauptunfallursache bei Fußgängern. Wer mit seinem Mobiltelefon/Smartphone Musik hört und gleichzeitig seine Augen auf dieses richtet, ist nicht mehr fähig, mit allen Sinnen seine Umgebung wahrzunehmen, betont die Polizei.

Die Benutzung eines Mobiltelefons/Smartphones schränkt die Wahrnehmung demnach stark ein. Bei einer Kollision mit einem 50 km/h schnell fahrenden Fahrzeug liegt die Wahrscheinlichkeit für den Fußgänger tödlich zu verunglücken bei 90 Prozent.

Die Polizei bittet deshalb: Bleiben Sie stehen, wenn Sie während des Gehens angerufen werden und ihr Mobiltelefon/Smartphone benutzen! Überqueren Sie nie eine Fahrbahn, während Sie telefonieren!
Setzen Sie sich, wenn möglich, an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs hin, wenn Sie ihr Mobiltelefon/Smartphone benutzen wollen! Telefonieren Sie nie im öffentlichen Verkehrsraum, wenn Sie als Aufsichtsperson kleine Kinder begleiten!