• 27-jähriger Täter hatte wohl psychische Probleme: Einen Tag vor der Tat verlor er seinen Arbeitsplatz
  • Vier Männer wurden teilweise schwer verletzt 
  • Polizei geht nicht von Terrorhintergrund der Tat aus

Am Samstagmorgen (6. November 2021) hat sich in einem ICE zwischen Regensburg und Nürnberg eine Messerattacke zugetragen. Der Täter konnte bereits kurze Zeit nach dem Angriff gefasst werden. Laut Angaben eine Polizeisprechers handelt es sich um einen 27-jährigen Syrer. Vier Männer wurden schwer verletzt, wie die Polizei mitteilte. Welches Motiv der Täter verfolgte ist noch immer nicht aufgeklärt worden.

Update vom 07.11.2021, 17 Uhr: Ermittlungen in verschiedenen Teilen des Landes

In Zusammenhang mit einer Messerattacke in einem ICE in Bayern hat es auch im Thüringer Landkreis Nordhausen eine Durchsuchung gegeben. Diese habe im näheren Freundeskreis des Tatverdächtigen stattgefunden, hieß es am Sonntag im bayerischen Neumarkt in der Oberpfalz von der ermittelnden Staatsanwaltschaft. Die Thüringer Landespolizeidirektion bestätigte entsprechende Maßnahmen im Bereich Nordhausen. Nähere Auskünfte wollten zunächst weder Polizei noch Landeskriminalamt erteilen.

Dass es dennoch mehrere Durchsuchungen gegeben habe, darunter auch in Nordrhein-Westfalen, sei ein «ganz normaler kriminalpolizeilicher Vorgang». Auch wenn es Hinweise auf eine psychische Vorerkrankung gebe, werde die Motivlage des Tatverdächtigen in alle Richtungen weiter ermittelt. Es haben Vernehmungen und Durchsuchungen in Marl stattgefunden, wie die Behörden in der Oberpfalz am Sonntag bestätigten.

Dabei sei es um das soziale und familiäre Umfeld des Verdächtigen gegangen. Es gebe aber keine Anhaltspunkte für eine Mitwisserschaft, Mittäterschaft oder Mithilfe, betonten die Behörden. Die Motivlage des Verdächtigen sei in alle Richtungen ausgeleuchtet worden.

Update vom 07.11.2021, 13 Uhr: Vier Männer schwer verletzt - Anzeichen auf "psychische Beeinträchtigungen" beim Täter

Bei der Messerattacke im ICE Passau-Nürnberg hat der Täter nach Angaben der Polizei vier Männer verletzt. Er habe kurz nach Regensburg im Wagen 4 unvermittelt einen 26-jährigen Mann angegriffen und schwer am Kopf verletzt, sagte Polizeivizepräsident Thomas Schöniger am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Neumarkt in der Oberpfalz. Danach habe er einem 60-jährigen Fahrgast Schnittwunden an Kopf und Rumpf und einem weiteren 60-Jährigen ebenfalls Verletzungen zugefügt. Danach sei er in Wagen 4 gewechselt und habe einem 39-Jährigen in den Körper gestochen. Nach dem Halt des Zugs in Seubersdorf seien Streifenbeamte in den Zug gekommen und hätten den mutmaßlichen Tatverdächtigen unter Vorhalt von Schusswaffen auf den Boden dirigiert. Er habe sich dann widerstandslos festnehmen lassen. In seiner Hose habe er ein blutverschmiertes Klappmesser gehabt. Die beiden jüngeren Opfer seien am Sonntagmittag noch im Krankenhaus gewesen, sagte Schöniger.

Die Polizei hat noch kein Tatmotiv feststellen können. «Die Motivlage des Tatverdächtigen ist nach wie vor unklar», sagte Polizeipräsident Norbert Zink am Sonntag in Neumarkt in der Oberpfalz. Erste Einschätzungen deuteten jedoch auf eine psychische Beeinträchtigung hin. Der Tatverdächtige, ein 27-Jähriger, sei sehr schnell von den Einsatzkräften festgenommen worden. Zink dankte zudem Reisenden, «die versucht haben, den Tatverdächtigen von weiteren Aktionen abzuhalten». Als Tatwaffe wurde ein Klappmesser mit einer Klingenlänge von acht Zentimetern sichergestellt. Die Polizei geht nach derzeitigem Stand nicht von einem Terroranschlag aus. Es gebe «keine Anhaltspunkte für einen islamistischen Hintergrund», sagte Kriminaldirektorin Sabine Nagel am Sonntag in Neumarkt in der Oberpfalz. Nach ersten Erkenntnissen seien bisher keine Hinweise auf mögliche Mittäter oder Mitwisser aufgetaucht. Der 2014 nach Deutschland eingereiste Verdächtige, der in Syrien geboren wurde, hatte nach Informationen der Polizei einen Tag vor der Tat seine Arbeitsstelle verloren.

Der Haftrichter hat die Unterbringung des mutmaßlichen Täters in einer psychiatrischen Klinik angeordnet. Ein Sachverständiger habe den 27-Jährigen untersucht und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass er «aktuell unter einer paranoiden Schizophrenie» und Wahnvorstellungen leide und die «Schuldfähigkeit des Beschuldigten zur Tatzeit aufgehoben war», sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Sonntag. Der Unterbringungsbefehl sei wie von der Staatsanwaltschaft beantragt erlassen worden. Der Beschuldigte werde im Bezirksklinikum Regensburg untergebracht. Der 27-Jährige habe dem Gutachter gesagt, er fühle sich von der Polizei verfolgt: Sie schicke Männer, die ihn verrückt machen sollten. Von einem 26-jährigen Fahrgast im Zug habe er sich bedroht gefühlt und «gemeint, dieser Mann wolle ihn töten». Daraufhin habe er wuchtig auf dessen Kopf eingestochen. Die anderen Taten habe er dann nach eigener Aussage «wie im Traum begangen», sagte Oberstaatsanwalt Neuhof. «Er hat die Taten also nicht abgestritten.» Ermittelt werde wegen versuchten Mordes. Polizeivizepräsident Thomas Schöniger sagte: «Bislang haben sich Hinweise auf eine psychische Beeinträchtigung beim Tatverdächtigen ergeben. Dies wird jedoch im Rahmen des weiteren gutachterlichen Verfahrens zu prüfen sein.» Kriminaldirektorin Sabine Nagel sagte, Hinweise auf eine ambulante oder stationäre Behandlung des Tatverdächtigen gebe es nicht. Die Ermittler gingen bisher davon aus, dass er Einzeltäter sei. Es gebe keinen Hinweis auf Mittäter oder Mitwisser und keinen Anhaltspunkt für einen terroristischen Hintergrund.

Update vom 06.11.2021, 18 Uhr: "Rennt nach hinten zum Zugende!" - Fahrgäste äußern sich

Als am Samstagvormittag der ICE 928 im Bahnhof der Gemeinde Seubersdorf in der Oberpfalz steht, ahnen die Anwohner schon, dass etwas nicht stimmt. «Als ich den gesehen habe, habe ich eigentlich schon gewusst, dass etwas passiert ist», sagt ein 21-Jähriger, der in der Nähe wohnt. In dem 5000-Einwohner-Ort zwischen Regensburg und Nürnberg halten normalerweise keine Schnellzüge. Der Zug war hierher ausgewichen, Minuten vorher waren darin drei Menschen bei einer Messerattacke schwer verletzt worden. Der mutmaßliche Täter: ein 27-jähriger Mann aus Syrien.

Der Mann wurde festgenommen, viele Details waren aber noch unbekannt. «Die Hintergründe der Tat sind derzeit noch vollkommen unklar», sagte ein Polizeisprecher. Es handle sich offenbar um einen Einzeltäter.

Der Täter hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur früher in Syrien gelebt, soll sich seit 2014 in Deutschland aufhalten und zuletzt in Passau gewohnt haben. Die Opfer sind drei Männer im Alter von 26, 39 und 60 Jahren, wie es aus Sicherheitskreisen hieß. Plötzlich sei die Tür des Abteils aufgerissen worden, es habe eine fast panikartige Flucht in den hinteren Bereich des Zuges gegeben, berichtete ein 77 Jahre alter Fahrgast, der zum Zeitpunkt des Angriffs in einem anderen Waggon saß. «Ein Messerstecher! Rennt nach hinten zum Zugende!», sei gerufen worden. Dann habe er abgewartet, es sei Gott sei Dank aber nichts passiert. Angst habe er nicht gehabt.

Ärzte hatten im Zug erste Hilfe geleistet

Um kurz vor neun Uhr ging unter anderem beim Polizeipräsidium Oberpfalz ein Notruf ein: «Messerangriff auf Fahrgäste», wie Polizeisprecher Florian Beck sagte. Der ICE mit 200 bis 300 Fahrgästen an Bord hielt an dem kleinen Bahnhof Seubersdorf. Ob der 27-Jährige von anderen Fahrgästen oder von Polizeibeamten überwältigt wurde, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen.

Das Bayerische Rote Kreuz versorgte die drei Schwerverletzten vor Ort und transportierte sie in Kliniken. Zuvor hatten Ärzte, die unter den Fahrgästen waren, im Zug Erste Hilfe geleistet, wie Passagiere berichteten. Die anderen Fahrgäste wurden in ein altes Gasthaus neben dem Bahnhof gebracht. Feuerwehrleute versorgten sie mit Essen und Trinken, ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich um sie. «Jeder war irgendwo geschockt. Der eine mehr, der andere weniger», sagte ein 68 Jahre alter Fahrgast. Nur die wenigsten hätten die Attacke direkt mitbekommen. Auch der 21-jährige Anwohner hatte ein mulmiges Gefühl: «Es ist schon irgendwie beängstigend, wenn man weiß, dass es so nah passiert ist. Und man fährt ja selber auch mal mit dem Zug in den Urlaub oder zum Flughafen.»

Weil die Lage zunächst völlig unklar war, rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an und räumte den Zug. Wenig später konnte sie Entwarnung geben: Es gebe keine Hinweise auf weitere Täter, es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung: «Wir suchen niemanden mehr.» Die Kripo Regensburg ermittle jetzt in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, sagte Polizeisprecher Beck. Zeugen würden vernommen.

Horst Seehofer äußert sich zur grausamen Tat

Bundesinnenminister Horst Seehofer drückte sein Entsetzen aus und rief zur Besonnenheit auf. «Die grausame Messerattacke im ICE ist furchtbar», zitierte ihn Ministeriumssprecher Steve Alter im Kurznachrichtendienst Twitter. Er danke den Einsatzkräften der Polizei und dem Zugpersonal «für ihren mutigen Einsatz». Die Hintergründe der grausamen Tat seien noch unklar und müssten aufgeklärt werden. «Erst dann ist eine Bewertung möglich.» Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte: «Die Polizei arbeitet mit Hochdruck daran, die Hintergründe der schrecklichen Tat und die Motivlage des Täters schnellstmöglich aufzuklären.» Dabei müsse auch geprüft werden, inwieweit psychische Probleme vorlägen.

Bei mehreren Terroranschlägen der vergangenen Jahre hatten die Ermittler hinterher beim jeweiligen Täter sowohl eine extremistische Gesinnung als auch psychische Probleme festgestellt. Beispiele dafür sind der rassistische Attentäter von Hanau und ein Iraker, der im August 2020 auf der Berliner Stadtautobahn mit einem Auto regelrecht Jagd auf andere Verkehrsteilnehmer gemacht hatte. Die Bahnstrecke Regenburg-Nürnberg war seit dem Vormittag gesperrt. Andere Züge auf der Strecke seien zunächst an geeigneten Bahnhöfen zurückgehalten worden, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Mittag. Dann wurde der Fernverkehr über Ingolstadt umgeleitet. Wann die Strecke wieder freigegeben werde, war vorerst offen.

Update vom 06.11.2021, 13.55 Uhr: Drei Schwerverletzte aus ICE in Kliniken

Nach der Messerattacke in einem ICE zwischen Regensburg und Nürnberg hat das Bayerische Rote Kreuz nach eigenen Angaben «drei Schwerverletzte vor Ort versorgt und in Kliniken transportiert». Etwa 200 bis 300 aus dem Zug evakuierte Fahrgäste würden zurzeit in einem Saal in der Nähe des Bahnhofs Seubersdorf im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz betreut, sagte ein Sprecher am Samstagmittag.

110 Einsatzkräfte des Roten Kreuzes seien vor Ort, auch Kriseninterventionsteams zur Betreuung geschockter Menschen. Zuvor hatte der Bayerische Rundfunk darüber berichtet.

Zur Identität der Verletzten äußerte sich der Rotkreuz-Sprecher nicht und verwies darauf, dass die polizeiliche Lage noch nicht abgeschlossen sei. Die Vernehmung von Zeugen dauere noch an.

Update vom 06.11.2021, 12.50 Uhr: Polizei nimmt Tatverdächtigen fest - Ermittler geben Update

Nach dem gewaltsamen Messerangriff in einem ICE zwischen Regensburg und Nürnberg hält sich die Polizei mit genaueren Angaben zum Täter und zu den Verletzten noch zurück. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz sagte am Samstag (6. November 2021): "Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Es gibt keine Erkenntnisse, dass weitere Täter vorhanden sind." Mehrere Menschen seien verletzt. Über die genaue Zahl und die Schwere der Verletzungen könne er noch nichts sagen.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, der Angreifer habe mit dem Messer drei Menschen verletzt. Zwei von ihnen erlitten demnach schwere Verletzungen. Die Messerattacke ereignete sich am Samstag in einem ICE zwischen Regensburg und Nürnberg.

Sprecher von Landes- und Bundespolizei wollten auf dpa-Anfrage keine näheren Angaben zum Festgenommenen machen. Die "Bild"-Zeitung berichtete, er solle "psychisch auffällig" sein und im Zug um Hilfe gerufen haben.

Erstmeldung vom 06.11.2021, 11.15 Uhr: Messerangriff in ICE zwischen Regensburg und Nürnberg - Bahnstrecke gesperrt

Laut Polizeipräsidium Oberpfalz wurde der Polizei gegen 9 Uhr mitgeteilt, "dass es in einem ICE zu Angriffen auf Fahrgäste kommen soll. Die Polizei konnte kurz darauf eine männliche Person festnehmen. Mehrere Personen wurden nach ersten Erkenntnissen verletzt." Es bestehe aktuell keine Gefahr mehr. "Derzeit liegen noch keine näheren Erkenntnisse zu den beteiligten Personen vor." Die Polizei sei mit einem Großaufgebot vor Ort.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte, die Bahnstrecke Regenburg-Nürnberg sei seit etwa 9 Uhr gesperrt. "Im Moment werden die Züge an geeigneten Bahnhöfen zurückgehalten.

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