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Passau
Gewalt unter Jugendlichen

Maurice (15) in Passau totgeprügelt: Urteil ist gefallen - einer muss ins Gefängnis

Zwei 15-Jährige aus Passau wollen Meinungsverschiedenheiten in einem Kampf klären, andere mischen sich ein, die Situation eskaliert. Maurice K. erstickt an seinem Blut und stirbt. Jetzt hat die Richterin das Urteil verkündet.
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Die Angeklagten sitzen im Verhandlungssaal des Landgerichts neben ihren Verteidigern. Foto: Armin Weigel/dpa
Die Angeklagten sitzen im Verhandlungssaal des Landgerichts neben ihren Verteidigern. Foto: Armin Weigel/dpa

Update vom 17.01.2019: Urteil ist gefallen

Das Passauer Landgericht hat heute (17.01.2019) bekannt gegeben. Der Prozess begann bereits im November: Ein 25-Jähriger muss für drei Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Er wird wegen vorsätzlicher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung verurteilt.

Ein weiterer Angeklagter wird zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Zwei mitangeklagte Jugendliche im Alter von 15 und 17 bekamen jeweils ein Jahr auf Bewährung.

Richterin könne Empörung verstehen

Die Richterin sagte in ihren Schlussworten, dass sie eine Empörung wegen der vergleichsweise milden Urteile verstehen könne. Allerdings muss sie sich an die Gesetze halten. In dem Gerichtsverfahren konnte keinem Angeklagten der tödliche Schlag nachgewiesen werden.

Im November begann der Prozess gegen zunächst sechs Angeklagte wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Dieser Tatvorwurf konnte während des Gerichtsverfahrens jedoch nicht bestätigt werden. Ein 18- und ein 22-Jähriger wurden währenddessen sogar wieder freigelassen. Der Ältere war in einem anderen Verfahren bereits verurteilt worden, der Jüngere habe laut Richterin als Organisator des Kampfes eine moralische Schuld, aber wohl nicht direkt eingegriffen.

Update vom 10.01.2019: Haftstrafen für vier Angeklagte in Passau gefordert

Es fing mit Lästereien unter Jugendlichen an und endete mit dem Tod eines 15-Jährigen: Sieben Monate nach einem Schaukampf unter Schülern in Passau stehen seit Donnerstag (08.11.2018) sechs Tatverdächtige vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt für die vier Angeklagten Haftstrafen zwischen drei Jahren und vier Jahren und drei Monaten gefordert, in einem Fall zwei Jahre ausgesetzt zur Bewährung.

Passau: Die Urteile sollen am 17. Januar gesprochen werden

Die Verteidiger sahen bei einem der Angeklagten eine Haftstrafe und bei zweien Freispruch als angemessen an. Der vierte Angeklagte soll nach dem Willen seines Verteidigers Sozialstunden leisten und in einer Jugendeinrichtung bleiben. Die Plädoyers waren am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten worden. Die Urteile sollen am 17. Januar gesprochen werden, wie Landgerichtspräsidentin Eva-Maria Kaiser-Leucht am Donnerstag mitteilte.

Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung

Zuletzt mussten sich noch vier Angeklagte im Alter zwischen 15 und 25 Jahren für den Tod des Schülers verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte ihnen ursprünglich unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge zur Last gelegt. Davon rückte die Anklagebehörde in ihren Plädoyers ab. Stattdessen warf sie den Angeklagten unter anderem gefährliche Körperverletzung vor. Die Verteidiger sahen lediglich bei zwei der Angeklagten gefährliche Körperverletzung als gegeben an.

Zu Prozessbeginn waren noch sechs Beschuldigte auf der Anklagebank gesessen. Die Verfahren gegen zwei 18 und 22 Jahre alte Verdächtige hatte das Gericht aber eingestellt.

Meldung vom 08.11.2018: Wer hat den tödlichen Schlag ausgeführt?

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft waren sie an der Schlägerei beteiligt, bei der Maurice K. im April ums Leben kam. Er hatte sich mit einem Gleichaltrigen verabredet, um einen Streit zu klären. Die Situation eskalierte. Sein Kontrahent sagt vor dem Landgericht: "Ich habe ja nicht damit gerechnet, dass es so böse ausgeht."

Angeklagt sind fünf deutsche Jugendliche und Männer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren sowie ein 22-jähriger Pole. Die Staatsanwaltschaft wirft fünf der Verdächtigen unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge und einem sechsten Beihilfe vor. Unklar ist, wer den tödlichen Schlag gegen Maurice ausführte. Der 15-Jährige hatte nach einem Nasenbeinbruch Blut eingeatmet und war daran erstickt.

Mutter des 15-Jährigen zufällig vor Ort

Zu Prozessbeginn ziehen sich die Angeklagten die Kapuzen ihrer Sweatshirts ins Gesicht oder verstecken sich hinter Aktenordnern. Ihnen gegenüber sitzt als Nebenklägerin die Mutter des Opfers. Sie war an jenem Tag zufällig in der Nähe des Tatortes und kam gerade hinzu, als der Notarzt versuchte, ihren Sohn zu reanimieren.

Die Angeklagten wirken angespannt, die noch Minderjährigen unter ihnen werden von Erziehungsberechtigten begleitet. Zwei verweigern die Aussage, zwei lassen ihre Anwälte eine Erklärung verlesen und zwei machen selbst Angaben zum Geschehen.

Warum eskalierte die Lage dermaßen?

Sie hätten sich erst seit wenigen Monaten gekannt, sagt der Kontrahent von Maurice. Warum sie sich nicht mochten und schlecht übereinander redeten, kann er nicht sagen. Als sie sich wie vereinbart an einer Unterführung in Passau trafen, um den Streit "1 gegen 1" auszutragen, hätten bereits zahlreiche andere junge Leute herumgestanden.

Der inzwischen 16 Jahre alte Gegner von Maurice sagt, er sei auf diesen zugegangen und habe gesagt, er solle aufpassen, was er über ihn rede. "Dann habe ich ihm eine Watschn gegeben." Es wurde geschubst, geschlagen. Beide gingen zu Boden, so schildert es der Jugendliche. Er habe Maurice in den Schwitzkasten genommen. Dann hätten sie sich aufgerappelt und schlugen weiter. Als er erneut zu Boden ging, habe Maurice ihn treten wollen. Wie es weiterging, konnte er nicht genau sagen.

Es sei eine Frau mit Hund gekommen und habe gedroht, die Polizei zu rufen. Da sei er mit anderen davongelaufen, Maurice ebenso, sagt der 16-Jährige. Später am Abend, als ihn die Polizei daheim abholte, habe er von dessen Tod erfahren.

"Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an diese Tragödie denke."

Einer der Angeklagten, ein 17-Jähriger, lässt über seinen Anwalt mitteilen, wie er versucht habe, Maurice davon abzuhalten, als dieser mit dem Fuß gegen den am Boden liegenden Kontrahenten ausgeholt habe. Es kam zum Gerangel, in das sich zwei Cousins des 17-Jährigen einmischten. Der Ältere der Cousins, ein 25-Jähriger, verpasste Maurice nach eigener Aussage dann je einen Faustschlag gegen die Schläfe und in die Nieren. Als die Frau mit Hund auftauchte, seien sie abgehauen.

Später, so lässt der 17-Jährige seinen Verteidiger sagen, habe er Polizeifahrzeuge in der Nähe des Tatortes gesehen und die Beamten gefragt, ob das mit der Schlägerei zu tun habe. Er habe sich als Beteiligter gestellt und im Streifenwagen über Funk gehört, dass Maurice gestorben sei. "Da habe ich geweint." Sein 15-jähriger Cousin sagt über seinen Anwalt aus, er habe es nicht fassen können, als er von Maurices Tod erfuhr. "Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an diese Tragödie denke."