Erzhausen
Schwerer Unfall

Massenkarambolage auf A5: Polizist bringt Gaffer zu ausgebranntem Auto und zum Weinen

Nach einer Massenkarambolage auf der A5 bei Erzhausen geht das Auto eines 19-Jährigen in Flammen auf. Fehlende Rettungsgasse und Gaffer erschweren den Einsatz. Ein Polizist bringt einen Schaulustigen nach Schocktherapie zum Weinen.
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Sechs Menschen wurden bei dem Zusammenstoß eines Autos mit zwei Kleinlastern auf der A5 in der Nacht auf Freitag verletzt, wie die Polizei mitteilte.  Gaffer und eine fehlende Rettungsgasse hatten die Einsatzarbeiten erschwert. Foto: Keutz TV-News/dpa
Sechs Menschen wurden bei dem Zusammenstoß eines Autos mit zwei Kleinlastern auf der A5 in der Nacht auf Freitag verletzt, wie die Polizei mitteilte. Gaffer und eine fehlende Rettungsgasse hatten die Einsatzarbeiten erschwert. Foto: Keutz TV-News/dpa

Schon wieder sorgen Gaffer nach einem schweren Unfall auf der Autobahn für Ärger. Wieder ist es ein Polizist, dem der Kragen platzt und durchgreift. Nachdem er einen Gaffer mit seinem Verhalten konfrontiert, fängt dieser Medienberichten zufolge sogar an zu weinen.

Wie die Polizei berichtet, kam es in der Nacht auf Freitag auf der Bundesautobahn 5 in Südhessen zu einem folgenschweren Verkehrsunfall. Sechs Menschen wurden bei dem Zusammenstoß eines Autos mit zwei Kleinlastern verletzt. Insgesamt kollidierten fünf Fahrzeuge miteinander. Die Polizei berichtet von einem "ausgedehnten Trümmerfeld" auf der A5. Zudem erschwerten Gaffer und eine fehlende Rettungsgasse die Einsatzarbeiten.

Wie schon einige Tage zuvor bei einem Unfall auf der A6 bei Nürnberg, ertappten Polizisten mehrere Gaffer. Teilweise drehten die Schaulustigen Videos von der Unfallstelle mit einem ausgebrannten Auto. "Die Anfahrt sämtlicher Einsatzkräfte erwies sich als äußerst schwierig, da die im Stau stehenden Verkehrsteilnehmer keine Rettungsgasse vorbereitet beziehungsweise gebildet hatten", teilt die Polizei weiter mit.

Rigoroses Einschreiten gegen Gaffer

Während der Unfallaufnahme schritt ein Polizist rigoros gegen Gaffer ein. Das Vorgehen erinnert sehr stark an den Verkehrspolizisten aus Mittelfranken, der auf der A6 Transporterfahrer aussteigen lies, nachdem er diese beim Filmen der Unfallstelle erwischte. Er fragte die Gaffer direkt, ob sie etwa Interesse hätten, die Unfallleiche zu sehen. Jedoch wollte das keiner der Schaulustigen. Die Schocktherapie zeigte offenbar Wirkung.

Ob dieses Vorgehen auch den Polizisten aus Südhessen zu seiner Aktion inspirierte, ist nicht bekannt - die Parallelen sind jedoch deutlich zu erkennen. In Videoaufnahmen, die mehrere Medien veröffentlichten, ist zu sehen, wie der Polizeibeamte einen Transporterfahrer zur Rede stellt. Er nimmt ihm das Handy ab, lässt ihn aussteigen und fragt, ob es eine gute Idee sei, den Unfall zu fotografieren und zu filmen. Dabei deutet er auf das ausgebrannte Unfallauto und erklärt, dass sie Angehörigen sicher nicht aus den sozialen Medien von dem Unfall erfahren wollen. "Willst du da drin gesessen haben? Ist es das, was du willst? Willst du das sehen?", fragt er den sichtlich schockierten Mann, als er mit ihm vor dem Wrack steht. Der Gaffer schüttelt mit dem Kopf. Tränen sollen ihm laut Medienberichten in die Augen geschossen sein. Zu sehen ist das auf den verpixelten Bildern nicht.

Vollsperrung der A5 nach Massencrash

Nach dem schweren Unfall blieb die A5 mehrere Stunden voll gesperrt. Ereignet hat sich die folgenschwere Kollision gegen 23.40 Uhr zwischen den Anschlussstellen Weiterstadt und Langen. Ein 19-jähriger Autofahrer erkannte wohl einen Stau zu spät und krachte beim Überholen mit zwei Kleinlastern zusammen. In der Folge gerieten die drei Fahrzeuge ins Schleudern und zwei weitere Fahrzeuge stießen in die Unfallstelle. Das Auto des 19-Jährigen fing nach Angaben der Polizei Feuer und brannte komplett aus.

Der Schaden, der durch den Unfall verursacht wurde, ist erheblich. Die Polizei schätzt den Sachschaden an den Fahrzeugen sowie der Fahrbahndecke und Betonwand auf rund 400.000 Euro. Der Autobahnabschnitt dient auch als eHighway für Lastwagen, kilometerlange Oberleitungen sollen dort als Stromtankstelle dienen. Das erste derartige Autobahn-Pilotprojekt für Lastzüge im realen Verkehr in Deutschland startete Anfang Mai. dn/mit dpa

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