Bamberg
WhatsApp

"Momo-Challenge" ist in Franken angekommen: Polizei warnt Eltern vor Selbstmord-Spiel

Nach der "Blue Whale Challenge" ist das der neue gefährliche Trend auf WhatsApp: Ein angeblich totes Mädchen namens Momo verschickt in einem Kettenbrief Aufgaben, an deren Ende Selbstmord steht. Ein 14-jähriger Franzose ist bereits durch durch das Spiel ums Leben gekommen. Auch die fränkische Polizei gibt nun Warnungen an Eltern heraus.
Artikel drucken Artikel einbetten
  • Jugendlicher stirbt in Frankreich wegen WhatsApp-Kettenbrief "Momo-Challenge"
  • Auch die fränkische Polizei warnt nun offiziell vor dem gefährlichen Spiel
  • Die Momo-Challenge fordert den Nutzer zur Erfüllung diverser Aufgaben auf - die letzte ist Selbstmord
  • Der Vater des Jugendlichen verklagt Youtube, WhatsApp und den französischen Staat
  • "Momo-Challenge" ist Nachfolger der berüchtigten "Blue Whale Challenge"

Polizei Mittelfranken warnt vor "WhatsApp-Phänomen MOMO"

Auf ihrem Facebook- und Twitter-Account hat die Polizei Mittelfranken am Mittwochnachmittag (14.11.2018) eine offizielle Warnung vor dem vermeintlichen Geist des toten Mädchens "Momo" herausgegeben, das Jugendliche über den Messenger-Kanal zu gefährlichen Mutproben herausfordert. Die "Momo-Challenge" sei besonders für Kinder "furchteinflößend". Die Beamten raten Eltern daher dazu, die Gefahren des Spiels nicht zu unterschätzen, mit ihren Kindern darüber zu sprechen und ein Auge darauf zu haben, mit wem sie über WhatsApp Kontakt haben.

 

14-Jähriger in Frankreich stirbt wegen Momo-Challenge

Ein Jugendlicher in Frankreich hat sich aufgrund eines WhatsApp-Spiels das Leben genommen. Der junge Mensch sei an den Folgen der Momo-Challenge gestorben, so der Vater von Kendal gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Der Jugendliche erhängte sich offenbar mit seinem Kimono-Gürtel. Bei der Momo-Challenge handelt es sich um den Nachfolger der wegen angeblicher Selbstmorde berüchtigten Blue Whale Challenge.

Der Vater des Jungen fand auf dem Handy des Jugendlichen Fotos und Nachrichten, die darauf hindeuten, dass sein Sohn Kontakt zu einem Horror-Profil hatte. Der Vater ist sich sicher: Sein Sohn hat "bei diesem verdammten Spiel mitgemacht".

Der Vater des jungen Kendal klagt nun sowohl gegen Youtube, WhatsApp als auch gegen den französischen Staat, denn es werde nicht genug getan, um junge Menschen im Internet zu schützen. Die Familie will andere vor einem ähnlich traurigen Schicksal bewahren und geht daher an die Öffentlichkeit. 

Die Momo-Challenge: Nachfolger der Blue-Whale-Challenge

Es klingt wie aus einem Horrorfilm: Sie hat ein gruselig verzerrtes Gesicht, optisch eine Mischung aus Mädchen und Krähe, und verschickt ebenso gruselige Nachrichten bei WhatsApp. 

In den sozialen Medien häufen sich derzeit Meldungen über gruselige WhatsApp-Nachrichten eines gruselig aussehenden Mädchens. Die Rede ist von "Momo". Sie soll bei vielen Nutzern ganz plötzlich - wie von Geisterhand- in der Kontaktliste ihres Smartphones aufgetaucht sein. Sie sorgt deshalb nicht nur mit ihrem Profilbild für Aufsehen.

Auf dem schaurigen Foto gleicht Momos Gesicht einer Mischung aus einem schwarzhaarigem Mädchen mit überdurchschnittlich großen Augen und einer Krähe. Doch damit nicht genug. Momo soll nach Berichten einiger Nutzer ungefragt gruselige Nachrichten, Bilder und Sprachnachrichten an ihre "Opfer" verschicken. Manche Nutzer sollen sogar mehrfach angeschrieben worden sein.

Polizei warnt vor Momo-Kettenbrief

Auch die Polizei warnt vor einem Kettenbrief, den Momo über WhatsApp verschickt. Dieser enthält Drohungen und soll vor allem Kinder und Jugendliche verängstigen. Darin steht folgender Text geschrieben:

"Hallo ich bin Momo und bin vor 3 Jahren verstorben ich wurde von einem Auto angefahren und wenn du nicht möchtest das ich heute Abend um 00:00 Uhr in deinem Zimmer stehe und dir beim schlafen zuschaue dann sende diese Nachricht an 15 Kontakte weiter. Du glaubst mir nicht? Angelina 11 hilt die Nachricht für fake und schickte sie an niemanden weiter in der Nacht hört sie Geräusche aus einer Ecke ihres zimmers sie wollte nach gucken doch auf einmal rante etwas auf sie zu am nächsten Morgen wurde sie Tot in ihrem Bett gefunden Tim 15 schickte die Nachricht nur an 6 Leute weiter am nächsten Morgen wachte er mit einem abgefressenen Bein und einem abgeschnittenen Arm auf Linda 13 schickte die Nachricht an alle weiter heute hat die ihre wahre liebe gefunden und wohnt mit ihrem freund in einer modernen Villa. Falls du diese Nachricht nicht weiter schickst weisst du was passiert also pass auf und schicke sie weiter."

Die Polizei Brandenburg weist in diesem Zusammenhang explizit darauf hin, dass Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen sollen, wenn sie merkwürdige Nachrichten erhalten. Der Kontakt solle auf keinen Fall eingespeichert oder gar kontaktiert werden. Sinnvoll wäre es außerdem die Nachricht sowie die Nummer direkt zu löschen. Die Eltern sollen ihren Kindern auch klar machen, dass nichts passiert, wenn sie den Kettenbrief nicht weiterleiten.


Immer wieder sorgen Kettenbriefe in den sozialen Netzwerken für Aufregung. So machte vor einigen Wochen das Selbstmordspiel "Blue Whale Challenge"die Runde. Dieses forderte Gerüchten zufolge sogar einige Todesopfer. Vor der Blue Whale Challenge warnte die Polizei, unter anderem in Oberfranken.

Zuerst trieb Momo in Spanien ihr Unwesen

Bereits vor ein paar Wochen warnte die spanische Polizei vor Momo. Denn gerade im spanischsprachigen Raum hat Momo in der Vergangenheit wohl einige Opfer gefunden. Wie von Geisterhand soll sich das gruselige Mädchen in die Kontaktliste der Nutzer hinzugefügt haben. Anschließend wurden über diesen Account mitten in der Nacht gruselige Fotos und kryptische Nachrichten versendet, welche wohl als japanische Droh-Nachrichten zu verstehen sind.

Wann genau dieses Grusel-Phänomen seinen Ursprung hatte, ist laut verschiedenen Berichten unklar. Seit Mitte Juli 2018 geistern die Meldungen und Bilder von Momo allerdings durchs Netz. Damit einher gehen verschiedene Handynummern, von denen Momo ihre Nachrichten verschickt haben soll. Darunter neben einer japanischen Nummer, auch eine mexikanische und kolumbianische.

Nach dem vermuteten Ursprung in Spanien, haben die Gruselnachrichten jetzt wohl auch England und Deutschland erreicht. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei Momo wohl um einen wortwörtlich "schlechten Scherz". Die Geschichte wirkt ziemlich konstruiert und hat nach ersten Meldungen wohl einige Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen.

Dennoch gilt: Lieber nicht antworten und in eine Konversation verwickeln lassen, solange nicht klar ist, wer oder was dahinter steckt. Die gruselige Fratze, die Momos Profilbild darstellt, gibt es übrigens wirklich. Bereist vor einiger Zeit war die skurrile Skulptur in einer Kunstausstellung in Tokio zu bewundern.

"Blue Whale" - was ist dran an den Berichten über das Spiel?

Zu dem angeblichen Selbstmordspiel "Blue Whale" oder "Blauer Wal" gibt es viele widersprüchliche Berichte. Angeblich entstammt die Challenge, bei der 50 Aufgaben gestellt werden und die im Selbstmord mündet, dem russischen sozialen Netzwerk VK.com (VKontakte). Dort soll es Gruppen geben, in denen Administratoren Spielern solche Aufgaben zuweisen und sie leiten. Über WhatsApp wird angeblich ein Link verschickt, der Zugang zum Spiel bietet.

Der Name des Phänomens leitet sich von Blauwalen ab, die sich manchmal bewusst an den Strand spülen lassen, um sich selbst zu töten. In Russland sind verschiedenen Medienberichten zufolge bereits die von der Kripo Bamberg erwähnten 130 Selbstmorde auf "Blue Whale" zurückzuführen.

Recherchen des Faktenchecker-Portals Mimikama.at jedoch zeigen, dass sich die meisten Berichte auf einen Artikel der russischen Zeitung "Novaya Gazeta" aus dem Mai 2016 stützen, in dem die nicht belegte Behauptung aufgestellt wird, dutzende Jugendliche hätten sich innerhalb kürzester Zeit aufgrund einer Gruppe in VK.com getötet, die im Zusammenhang mit der "Blue Whale Challenge" stehen soll. Andere Berichte, unter anderem von "Radio Free Europe" widersprechen dieser Darstellung.


Fest steht, dass wohl erst das Medienecho dazu geführt hat, dass Trittbrettfahrer die Challenge nachahmen. Es gibt derzeit keinerlei gesicherte Berichte über Jugendliche, die sich aufgrund dieses Spiels - wenn es überhaupt wirklich existiert - oder einer Nachahmung selbst getötet haben.

Milka-Belohnung ist mieser Trick! Kettennachricht über WhatsApp mit boshafter Absicht

Für die Existenz der originalen Challenge gibt es ebenfalls keinen gesicherten Nachweis. Alle Berichte über angebliche Gruppen und Urheber von Aufgaben sind bislang nicht bewiesen und von keiner unabhängigen Stelle bestätigt worden.

Die Polizei in Oberbayern hatte schon vor Langem vor der Challenge gewarnt - in diesem Fall auf Facebook - aber ebenso vor der Panik, die durch angebliche oder tatsächliche Nachrichten über Whatsapp verbreitet werden kann.dn/jgö

Hinweis der Redaktion: Wir berichten für gewöhnlich nicht über Selbstmorde. Eine Ausnahme bilden Fälle von großem öffentlichen Interesse. Bei der Telefonseelsorge erreichen Sie unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Hilfe in schwierigen, möglicherweise ausweglos erscheinenden Situationen. Unter www.frnd.de ("Freunde fürs Leben") finden Sie zudem weitere Informationen und Hilfsangebote.