Herne
Giftschlange

Herne: Geflohene Kobra endlich eingefangen - wie es jetzt weitergeht und wer die Kosten für den Einsatz trägt

In Herne hat eine entflohene Kobra tagelang für Aufregung gesorgt. Vier Reihenhäuser mussten evakuiert werden. Jetzt wurde die Schlange eingefangen. Doch wohin mit dem Reptil und wer soll das alles nun zahlen?
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Update vom 31.08.2019, 16.40 Uhr: Kobra ist jetzt bei einem Reptilienexperten und wohlauf

Die in Herne nach tagelanger Suche eingefangene, hochgiftige Kobra ist bis auf weiteres bei einem Reptilienexperten untergekommen. "Die Schlange ist wohlauf", sagte Stadtsprecherin Nina-Maria Haupt am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. "Sie hat wahrscheinlich den stressigsten Tag ihres Lebens gehabt."

Die Behörden beraten demnach nun, wo das Tier bleiben kann. Zudem müsse geklärt werden, wer die Kosten für die aufwendige Suchaktion trage. Außerdem soll geklärt werden, woher die Schlange kam. Die Behörden gehen davon aus, dass die Kobra aus der Wohnung eines Mieters stammt, der dort mehr als 20 Giftschlangen hielt. Der junge Mann soll damit gehandelt haben. Laut Stadt bestreitet er, dass die Schlange aus seinem Bestand war.

Es geht nun auch um die Frage, wer am Ende die Kosten für den Sucheinsatz übernehmen muss. Bei Feuerwehr, Reptilienexperten und auch Bewohnern seien Kosten entstanden, die nun zusammengetragen würden, erklärte Sprecherin Haupt. "Es wird nicht günstig." Die Stadt lasse prüfen, wer dafür haftet.

Die Stadt Herne hat insgesamt 22 Schlangen aus der Wohnung des Mieters geholt. Auch diese Tiere seien bei Reptilienexperten untergekommen, sie gehörten dem Mann mittlerweile nicht mehr. "Er hat gegenüber der Stadt auf sein Eigentum verzichtet." Der Mann habe mehr und andere Schlangen gehabt als offiziell gemeldet. Bei diesen Tieren müsse nun ebenfalls geklärt werden, wo sie dauerhaft bleiben können.

Update vom 31.08.2019, 8.35 Uhr: Giftige Kobra endlich eingefangen

Nachbarn klatschen Beifall, als die Giftschlange von Herne am Freitagabend in einem Feuerwehrauto davongefahren wird. Zuvor hatte der Bochumer Schlangenexperte Roland Byner das Tier lebend eingefangen und sie in einer Plastikkiste mit roten Totenkopf-Aufklebern an der Seite aus dem Haus getragen. Erleichterung bei allen: Einsatzkräften, Bewohnern, Nachbarn und Journalisten.

"Endlich ist sie weg und wir können wieder rein", sagt Collin Bleck. Der junge Mann hatte am vergangenen Sonntag das bislang einzige Foto der Schlange im Hausflur gemacht, nachdem seine Freundin Lisa-Marie Schapeit das hochgefährliche Tier zuvor im Treppenhaus gesehen hatte.

Suche nach der Kobra hielt Herne fünf Tage in Atem

Die Suche nach der rund 1,60 Meter langen Monokelkobra hatte die Ruhrgebietsstadt tagelang in Atem gehalten. Die 30 Bewohner des aus vier Gebäuden bestehenden Komplexes durften fast bis zuletzt nicht in ihre Wohnungen. Mittwoch und Donnerstag hatten Experten der Feuerwehr Düsseldorf akribisch noch mal alles abgesucht. Die Keller und das Dachgeschoss wurden dann versiegelt. Die Stadt gab den Bewohnern am Freitagnachmittag die Garantie, dass sich die Schlange nicht in ihren Wohnungen und im Treppenhaus befindet. Wer wollte, konnte danach wieder in seine Wohnung.

Ordnungsdezernent Johannes Chudziak ging zu dem Zeitpunkt davon aus, dass das Tier noch im Keller ist - und dass es ohne Nahrung und Flüssigkeit dort in den nächsten Wochen wohl verenden werde. Kurz darauf machten sich bereits die ersten Bewohner daran, wieder in ihre Wohnungen zurückzukehren, Schlange hin oder her.

Schlange beim Rasenmähen aufgeschreckt

Dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein Nachbar schlägt dem Herner Oberbürgermeister Frank Dudda bei einem Ortstermin vor, aus Sicherheitsgründen den hohen Grasbewuchs hinter dem Gebäude abzumähen. Weil direkt hinter dem Haus die Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel liegt, kommen kurz darauf erst der Bürgermeister von Castrop-Rauxel und dann der Stadtbetrieb Castrop-Rauxel mit einem großen Mähroboter. Der macht so viel Lärm, dass die Schlange aufgeschreckt wird. Sie hatte sich in einer Kelleröffnung an der Außenwand versteckt.

Wenige Meter entfernt steht Andreas Wilczek vom Stadtbetrieb. Er sieht etwas in der Öffnung. "Sie hat sich bewegt und versucht, sich zu verstecken", erzählt der 52-jährige Müllwagenfahrer. Er habe ein "gelb-goldfarbiges Tier" gesehen. "Ich habe schon oft Schlangen gesehen, aber das war ein Schock für mich", berichtet er. Er verständigt seinen Gruppenleiter Benjamin Grejner. Der schlägt sofort Alarm. Wenig später ist der Bereich weiträumig abgesperrt und der Schlangenexperte verständigt.

Giftkobra konnte lebend gefangen werden

Keine anderthalb Stunden nach der erneuten Sichtung kann Byner das Tier lebend fangen. Es hatte sich zuletzt noch unter einer Terrassen-Betonplatte versteckt. Er habe die Schlange schließlich mit einer Schlinge fangen können, sagt Byner.

"Wir sind sehr erleichtert, dass die Situation jetzt zu Ende ist", sagt Chudziak. "Die Schlange ist in der Box. Die Risikolage ist entschärft." Ursprünglich hatte die Stadt auch eine aufwendige Begasung des gesamten Gebäudekomplexes erwogen und sogar schon eine Spezialfirma zurate gezogen. Diese Idee war erst am Freitag zurückgestellt worden.

Mutmaßlicher Besitzer streitet alles ab

Die Schlange hatte die Nachbarschaft aufgewühlt. Die Nachbarn um das Haus herum waren wiederholt eindringlich aufgefordert worden, Acht zu geben, kein hohes Gras zu durchschreiten und bei Sichtung der Schlange sofort den Notruf zu wählen.

Die Stadt geht davon aus, dass die Kobra aus der Wohnung eines Mieters stammt, in der dieser 20 Giftschlangen hielt. Der junge Mann soll damit gehandelt haben. Laut Stadt bestreitet er, dass die Schlange aus seinem Bestand kam. Ob er wieder in seine Wohnung zurückkehrt, blieb am Freitag offen. Die Stadt hatte zwischenzeitlich alle Tiere aus der Wohnung geholt. Die Kommune will nun herausfinden, ob die Schlange dem Mann gehörte.

Biss kann tödlich sein: Gegengift lag bereit

Ein Biss der in Asien beheimateten Schlange kann lebensgefährlich sein. Aus Sicherheitsgründen lag deshalb ein Gegengift in der Uniklinik Düsseldorf bereit. Auch am Freitag waren aus Sicherheitsgründen ein Notarzt und Rettungskräfte in der Nähe.

Das durch Absperrbänder deutlich zu erkennende Haus war in den vergangenen Tagen immer häufiger zum Ziel von Schaulustigen geworden. Provisorisch aufgestellte "Durchfahrt verboten, Anlieger frei"-Schilder auf der Straße hatten nur Wenige davon abgehalten, den Bereich zu durchfahren.

Update vom 29.08.2019 um 10.25 Uhr: Diskussion um Tierhaltung - Wäre das Szenario von Herne auch in Franken möglich?

Die giftige Monokelkobra hält Herne weiter in Atem. Am Sonntag wurde auf dem Flur eines Reihenhauses die giftige Schlange gesehen. Sie soll aus einer Wohnung eines Mannes entwischt sein, der weitere 20 Giftschlangen hält. In Franken wäre das in dieser Form wahrscheinlich nicht möglich. Mittlerweile suchen Spezialisten nach der Kobra. Sollte sie nicht gefunden werden, könnte Gas eingesetzt werden, um die Schlange zu töten. Das könnte weitere 14 Tage dauern.

Etwa 30 Anwohner mussten evakuiert werden, da ein Biss der Kobra tödlich sein kann. Nun schaltet sich die Politik in Nordrhein-Westfahlen ein, um die Haltung von Gefahrtieren zu regeln. Bisher gibt es in NRW kaum Vorgaben für die Haltung Wildlebender Tiere, solange der Artenschutz erfüllt wird.

Politik in NRW: Strengere Gesetze zur Haltung gefährlicher Tiere

Die Umweltministerin von Nordrhein-Westfahlen, Ursula Heinen-Esser (CDU), sagt der Deutschen Presseagentur: "Ich persönlich bin gegen die Haltung sehr gefährlicher Tierarten in Wohnungen oder Häusern."

In Bayern sieht das ganz anders aus. Im Vollzug des Landesstraf- und Verordnungsgesetz ist das "Halten gefährlicher Tiere" klar geregelt. Insbesondere geht es um gefährliche Tiere wildlebender Arten, von denen "wegen der ihnen eigentümlichen Veranlagungen oder Verhaltensweisen" Menschen zu Schaden kommen können.

Gefährliche Tiere: Es reicht nicht Liebhaber zu sein

Um solche Tiere in Bayern - und damit auch Franken - halten zu dürfen muss ein "berechtigtes Interesse" an der Haltung dieser Tiere vorhanden sein. "Ein reines Liebhaberinteresse genügt daher nicht", heißt es in der Verordnung.

Wissenschaftliche, wirtschaftliche oder sonstige persönliche Gründe stehen im Mittelpunkt. Beispielsweise die Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit ist ein berechtigtes Interesse an der Haltung eines Kampfhundes - insbesondere für Polizei oder Bewachungsunternehmen. Das Interesse an den Tieren muss bewiesen werden.

Haltung gefährlicher Tiere: Persönliche Eignung geprüft

Dazu wird die Zuverlässigkeit und die persönliche Eignung des Halters geprüft. Elf Punkte dienen als Grundlage, um die Eignung einschätzen zu können. Dazu wird je nach Tierart speziell bemessen, wie hoch die Gefahr für Leib und Leben ist - danach richten sich weitere Nebenbestimmungen.

Hier sind Schlangen gesondert aufgeführt. Darin stehe beispielsweise, dass auf den "Tierhaltungseinrichtungen" die deutschen und lateinischen Bezeichnungen der Schlangen geschrieben sein müssen. Die Absperrmöglichkeiten sind vorgegeben, welche Hilfsmittel in unmittelbar bei den Tieren liegen müssen (beispielsweise Schutzschild oder Greifzange).

Und es geht weiter: Alle Öffnungen und Durchgänge des Terrariums müssen so gesichert sein, dass die Schlange nicht fliehen kann. Sollte das dennoch passieren, muss ein Notfallplan im Raum sichtbar aufgehängt sein - mit Nummern von Behörden und einer Bezugsquelle für ein Gegengift.

Update vom 26.08.2019 um 14.10 Uhr: Nach Suchaktion noch keine Spur von der giftigen Kobra

Die aus einer Privatwohnung in Herne entwischte Giftschlange bleibt vorerst verschwunden. Bei einer Suche in den Treppenhäusern von vier zusammenhängenden Mehrfamilienhäusern fanden drei Reptilienexperten am Montagmittag keine Spur der Schlange.

Die hochgiftige Monokelkobra mit einer geschätzten Länge von 1,40 bis 1,60 Metern war am Sonntag aus der Wohnung eines Bewohners entflohen und von einer Nachbarin im Hausflur entdeckt worden. Der Mann hält in seiner Wohnung rund 20 Giftschlangen.

Giftige Schlange entwischt aus Wohnung

In nordrhein-westfälischen Herne geht die Suche nach einer entwischten Kobra weiter. "Sie ist immer noch flüchtig", sagte ein Sprecher der Polizei am Montagmorgen. Bisher wisse man noch nicht, "wo sie hingeschlängelt ist". In Unterfranken rief ein Mann die Polizei, weil eine Schlange auf seinem Balkon war. Sie soll sich aggressiv verhalten haben.

Herne: Vier Reihenhäuser wegen entflohener Kobra evakuiert

Die Polizei unterstütze die Stadt bei der Suche nach dem giftigen Tier, das am Sonntag einem Schlangenhalter in Herne entwischt war. Es wurde im Hausflur gesichtet. Vier Reihenhäuser wurden daraufhin evakuiert. Die 30 Bewohner der geräumten Häuser kamen bei Freunden und Verwandten sowie in einer städtischen Notunterkunft unter. Menschen sollten in einem Radius von 500 Metern um das Haus besonders vorsichtig sein.

Geflohene Kobra: Mehl und Klebeband

In den betroffenen Zimmern wurde Mehl ausgestreut. Angaben der Stadt zufolge sollte damit bezweckt werden, dass die Schlange dort Spuren hinterlässt und so gefunden wird. Aus demselben Grund wurde auch doppelseitiges Klebeband auf dem Boden angebracht.

chw /dpa