Göttingen
Tödliche Attacke

Frau auf offener Straße umgebracht: Zweites Opfer stirbt in Klinik, Details zum Täter bekannt

In Göttingen kam es am Donnerstag zu einer tödlichen Attacke auf eine 44-jährige Frau. Die Polizei fahndete mit Hochdruck nach dem Tatverdächtigen, am Freitagabend kam es zur Festnahme. Jetzt wurden Details zum Tathergang bekannt.
Artikel drucken Artikel einbetten

Nach dem tödlichen Angriff auf eine Frau auf offener Straße in Göttingen wurden nach der Festnahme erste Details bekannt.Alle Informationen im Überblick:

Update 28.09. 2019, 17.16 Uhr: Zweites Opfer tot, Details zu Ablauf und zu Täter bekannt

Der gefasste Tatverdächtige von Göttingen hat zwei Frauen auf dem Gewissen: Eine 57-jährige schwer verletzte Frau sei im Krankenhaus gestorben, sagte der Göttinger Polizeichef Thomas Rath am Samstag. Die Frau hatte bei der Tat am Donnerstag versucht, dem Opfer - ihrer Kollegin - in höchster Not beizustehen.

Ein Haftrichter in Göttingen erließ am Samstagmorgen Haftbefehl. "Der Beschuldigte hat keine Angaben zur Tat gemacht", sagte Staatsanwalt Frank-Michael Laue. Er teilte mit, der Verdächtige sei in den 1990er Jahren wegen mehrerer Vergewaltigungen verurteilt worden.

Zum Ablauf der Tat vom Donnerstagmittag sagten die Ermittler, der Verdächtige habe seiner 44 Jahre alten Bekannten am Arbeitsplatz aufgelauert, sie mit Brandbeschleuniger überschüttet und angezündet. Als die Frau wegzulaufen versuchte, habe er mit einem Messer auf sie eingestochen. Dann attackierte er die 57-Jährige Frau, die ihrer Kollegin helfen wollte. Ein weiterer Zeuge sei mit einem Feuerlöscher zu Hilfe geeilt - diesen habe der mutmaßliche Täter entrissen und damit auf den Kopf des Opfers eingeschlagen.

Der 52-Jährige habe sich zum Tatmotiv zwar noch nicht geäußert, sagte der Göttinger Kripo-Chef Thomas Breyer der Deutschen Presse-Agentur. "Wir gehen aber davon aus, dass es damit zu tun hat, dass er von ihr wiederholt abgewiesen wurde. Der Gelegenheitsarbeiter habe sich über längere Zeit um die Frau bemüht. "Er konnte bei ihr aber nicht landen," sagte Breyer.

Während seiner anderthalbtägigen Flucht habe der Mann mehrmals bei der Polizei angerufen, um sich nach dem Zustand der Opfer zu erkundigen, sagte Rath vor der Presse. "Das ist eine Reaktion, die überhaupt nicht nachvollziehbar ist". Die Handys habe sich er bei Passanten geborgt - "völlig locker, völlig nett, völlig empathisch".

Dass der Tatverdächtige gemeingefährlich sein könnte, hatte die Staatsanwaltschaft aber schon vor mehr als zwei Jahrzehnten gesehen. Im dritten Prozess wegen Vergewaltigung 1994 hatte sie für ihn neben einer Freiheitsstrafe auch Sicherungsverwahrung gefordert. Nach der Entlassung 2001 habe der Mann aber unauffällig gelebt, sagten die Ermittler am Samstag.

Der gelernte Tischler war auch nicht zum ersten Mal auf der Flucht vor der Polizei. 1995 war er als Häftling bei einem Zeugentermin im Amtsgericht Göttingen entkommen. Als die Polizei ihn dreieinhalb Wochen später festnehmen wollte, leistete er massiven Widerstand und flüchtete. Weil er nach mehreren Warnschüssen nicht stehenblieb, stoppte ein Beamter ihn durch einen Schuss in den Rücken.

Update 28.09.2019, 06.30 Uhr: Polizei hat den Täter gefasst

Einen Tag nach dem Tötungsdelikt konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter festnehmen. Der 52-jährige Mann sei laut einer Polizeisprecherin am Freitagabend vor einem Schnellrestaurant in der norddeutschen Stadt gefasst worden. Ein Zeuge habe den Tatverdächtigen gegen 22.50 Uhr erkannt und die Polizeibeamten alarmiert. Kurz darauf konnten diese den 52-Jährigen überwältigen und festnehmen, hieß es.

Update 27.09.2019, 13.18 Uhr: Täter kann aus Zug fliehen

Auf der Suche nach dem mutmaßlichen Mörder von Göttingen ist in Elze bei Hildesheim ein Zug gestoppt worden. Nach einem Hinweis des Personals sei der Zug des Bahnbetreibers Metronom am Freitagmorgen angehalten worden, sagte eine Polizeisprecherin. Es habe einen Hinweis vom Personal auf den Gesuchten gegeben. "Daraufhin wurde der Zug gestoppt und die Polizei verständigt", sagte sie. "Als die Beamten eintrafen, flüchtete die Person aus dem Zug." Dann sei eine umfangreiche Suchaktion gestartet worden. "Die Suche dauert an", sagte sie am Mittag. Auch eine Drohne, ein Hubschrauber und Spürhunde waren laut Meldung der Deutschen Presse-Agentur im Einsatz.

Der Gesuchte konnte aus dem Zug entkommen, nachdem ihn Personal in einem Waggon eingeschlossen hatte, wie die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung" berichtete. Der Mann habe daraufhin eine Scheibe mit dem Nothammer eingeschlagen und sei am Bahnhof Elze aus dem Fenster gesprungen, hieß es in dem Bericht. Wegen der durch die Suche verursachten Sperrung der Strecke kam es im Bahnverkehr zu großen Verzögerungen. Auch der Fernverkehr war betroffen. "In Göttingen hielten die Züge am Vormittag wegen des Polizeieinsatzes nicht", sagte sie. Auch im Göttinger Stadtgebiet wurde am Freitagmorgen weiter gefahndet.

Update 27.09.2019, 9.53 Uhr: Heiße Spur führt zu Sperrung des Zugverkehrs

Bei der Fahndung nach einem mutmaßlichen Mörder aus Göttingen konzentriert sich die Polizei derzeit auf den Ort Elze bei Hildesheim. Das teilten die Ermittler in Göttingen am Freitagmorgen mit, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. "Der Mann ist noch auf der Flucht. Aktuell verfolgen wir eine Spur, die in den Bereich Elze führt", berichtete eine Beamtin. Der Bahnhof des Ortes westlich von Hildesheim in Niedersachsen sei gesperrt. Nähere Angaben wollte die Polizei zunächst nicht machen.

Übergriff auf offener Straße: Mann flieht nach Mord auf Fahrrad

Die Beamten gehen davon aus, dass er noch immer bewaffnet ist. Das Verbrechen ereignete sich gegen 13 Uhr am Donnerstag. Laut Polizeiangaben floh der Deutsche nach der Bluttat auf einem Fahrrad mit Packtaschen. Noch immer fahnden zahlreiche Beamte mit Hochdruck. Wer den Gesuchten sieht, wird dringend gebeten, sofort über den Polizeinotruf 110 die Polizei Göttingen zu informieren.

Der Gesuchte ist laut Beschreibung der Polizei etwa 1,80 m groß, schlank und hat kurzes, dunkles Haar mit Geheimratsecken. Er trägt eine markante Brille und ist bekleidet mit einer dunklen Jacke und einer dunklen Hose. Bei dem von ihm bei der Flucht vom Tatort genutzten Rad soll es sich um ein "normales" Fahrrad gehandelt haben, an dem sich Packtaschen befunden hätten.

Bluttat in Göttingen: Was war passiert?

Die 44 Jahre alte Frau und der 52-jährige Deutsche seien den bisherigen Ermittlungen zufolge am Mittag im Stadtteil Grone auf der Straße in Streit geraten, hieß es. Dabei habe der Mann die Frau massiv angegriffen und sie so schwer verletzt, dass sie noch am Tatort starb. Zeugen, die ihr helfen wollten, wurden laut Polizei ebenfalls von dem mutmaßlichen Täter attackiert. Dabei erlitt eine Frau so schwere Verletzungen, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung stach der Mann das Opfer zunächst nieder, schlug dann mit einem Feuerlöscher auf die Frau ein, übergoss sie mit Benzin und zündete sie an - die Polizei wollte zu diesen Details zunächst nichts sagen. "Wir kommentieren das nicht", sagte eine Sprecherin am Donnerstagabend auf Anfrage. Das Motiv war zunächst unklar.

Hubschrauber zur Fahndung im Einsatz

Die Polizei suchte zeitweise mit einem Hubschrauber nach dem Flüchtigen. Der Bereich rund um den Tatort im Stadtteil Grone wurde weiträumig abgesperrt. Informationen, dass es sich bei der Tatwaffe um ein Messer handelte, bestätigte die Polizei zunächst nicht.

Während der Großfahndung sperrte die Deutsche Bahn vorsorglich den Göttinger Bahnhof und die Strecke zwischen Hannover beziehungsweise Hildesheim und Kassel. Mehrere Züge im Fernverkehr wurden umgeleitet. Die Sperrung wurde am Nachmittag nach rund zwei Stunden aufgehoben. red/dpa