Poppenhausen (Wasserkuppe)
Unfall

Flugzeugunglück auf Wasserkuppe: Cessna reißt drei Menschen in den Tod - Arbeit auf dem Berg beendet

Eine Mutter und ihre beiden Kinder (11 und 12) sind am Sonntag bei einem Flugzeugunglück auf der Wasserkuppe (Rhön) gestorben. Ein Sportflugzeug hatte die Spaziergänger erfasst und tödlich verletzt. Der Pilot überlebte. Die Ermittler haben ihre Arbeiten auf dem Berg abgeschlossen, doch viele Fragen bleiben offen.
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Nach einem Flugunfall steht ein Sportflugzeug umgeben von Scheinwerfern der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) auf dem Flugplatz auf Hessens höchstem Berg, der Wasserkuppe. Ein BFU-Mitarbeiter liegt unter dem Flugzeug und untersucht die Maschine.  Foto: Jörn Perske/dpa
Nach einem Flugunfall steht ein Sportflugzeug umgeben von Scheinwerfern der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) auf dem Flugplatz auf Hessens höchstem Berg, der Wasserkuppe. Ein BFU-Mitarbeiter liegt unter dem Flugzeug und untersucht die Maschine. Foto: Jörn Perske/dpa

Bei einem Flugzeugunfall auf der Wasserkuppe (Rhön) haben am Sonntagnachmittag drei Menschen ihr Leben verloren. Bei den drei Getöteten handelt es sich um eine Mutter (39) und ihre beiden Kinder, einen Sohn im Alter von 11 Jahren und ihre 12-jährige Tochter, berichtete die Polizei am Montagvormittag. Die Mutter und ihre Kinder lebten in einem südöstlich von Fulda gelegenen Landkreis. Sie mussten sterben, weil sie ein Flugzeug auf der Wasserkuppe (Rhön) bei einer missglückten Landung erfasste.

Die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) haben ihre Ermittlungen auf Hessens höchstem Berg inzwischen abgeschlossen, hieß es am Dienstag. Nachdem die Untersuchungen am Unglücksort beendet worden seien, folgten nun weitere Nachforschungen. Mit einer Zwischenbilanz sei jedoch erst in einigen Wochen, mit einem Abschlussbericht zur Unfallursache im kommenden Jahr zu rechnen.

Tragisches Ende eines Familienausflugs

Der Unfall hatte sich am Sonntag gegen 15.45 Uhr ereignet. Die Maschine vom Typ Cessna traf nach Angaben einer Polizeisprecherin die Landebahn nicht richtig und wollte deswegen noch einmal durchstarten. Sie bekam jedoch keinen richtigen Auftrieb mehr, durchbrach einen Schranke und erfasste die Gruppe, die am Rande des Flugplatzes stand. Die viersitzige Maschine stammt aus dem Raum Ludwigshafen/Mannheim und habe einen Ausflug zur Wasserkuppe unternommen.

Wasserkuppe: Fünf Menschen bei Flugunfall verletzt

Fünf Menschen wurden bei dem Flugunfall auf der Wasserkuppe verletzt. Dabei handelt es sich um vier Insassen des Flugzeugs sowie um eine Augenzeugin, erklärte die Polizei. Alle hätten einen schweren Schock erlitten.

Der Pilot (56) aus Ludwigshafen mache zum Unfallgeschehen bislang keine Angaben, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in drei Fällen ermittelt. Der Pilot und die drei Insassen waren bei dem Zwischenfall leicht verletzt worden. Am Sonntagabend wurden sie aus dem Krankenhaus entlassen. Der Flugbetrieb auf der Wasserkuppe wurde am Montag wieder aufgenommen.

Die Untersuchungen der Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen sollen Erkenntnisse für die Schuldfrage bringen. Überprüft werde, ob es einen Pilotenfehler oder einen technischen Defekt gab und wie sich Wetter- und Umgebungsbedingungen ausgewirkt haben.

Flug-Unfall auf Wasserkuppe: Flugplatz-Chef schockiert

Die Piste ist nach Angaben des Flugplatzbetreibers rund 800 Meter lang, etwa 600 Meter davon seien asphaltiert. Unmittelbar hinter der Piste verläuft quer eine Landstraße. Der Flugplatz-Chef und Leiter der Fliegerschule Wasserkuppe, Harald Jörges, zeigte sich schockiert von dem Unfall. Er arbeite seit 1988 auf dem Flugplatz, sagte er. In dieser Zeit habe es keinen tödlichen Unfall gegeben.

"Das muss ein Pilotenfehler gewesen sein"

Er selbst sei zum Zeitpunkt des Unglücks nicht auf dem Flugplatz gewesen, aber der diensthabende Flugleiter im Tower des Flugplatzes habe ihm berichtet, dass die Wetterverhältnisse "perfekt" gewesen seien. "Das muss ein Pilotenfehler gewesen sein", vermutete er. "Wahrscheinlich hat sich (der Pilot) zu spät entschieden durchzustarten." Womöglich sei die Maschine auch zu schwer beladen gewesen. Zwar sei die Cessna für vier Personen zugelassen. Doch müssten auch das Körpergewicht der Insassen, der mitgeführte Sprit und Zusatzgewichte wie Gepäck berücksichtigt werden. "Dies alles wird in unsere Analyse einfließen", erklärte BFU-Sprecher Jens Friedemann. Es handele sich um ein Flugzeug vom Typ Cessna 172, das eine Landegenehmigung für die Wasserkuppe gehabt habe.

Bei der Untersuchung würden alle Fakten und Daten zum Unfallhergang, eine genaue Wetteranalyse, technische Informationen zur Maschine mit Wartungskontrollen und zu den Fähigkeiten und Lizenzen des Piloten berücksichtigt, sagte Friedemann.

Auf den Prüfstand gestellt werde auch der Flugplatz selbst. "Es wird untersucht, ob seitens des Flugplatzbetreibers alle Sicherheitsbestimmungen und Gesetze eingehalten worden sind", sagte Harry Wilke von der Staatsanwaltschaft Fulda. Auch Sicherheitsabstände würden geprüft. Direkt hinter der Landebahn verlaufen eine Landstraße und Fußwege. "Das ist sicherlich eine Besonderheit des Flugplatzes auf der Wasserkuppe", befand BFU-Sprecher Friedemann, ohne bereits eine Bewertung vornehmen zu wollen.

Die Unfallmaschine bleibt bis auf Weiteres in einem Hangar auf der Wasserkuppe. Das Flugzeug stammt vom Badisch-Pfälzischen Flugsportverein Mannheim. Der Pilot sei sehr erfahren und gut in Übung gewesen, sagte Vereinspräsident Klaus Peters.

Polizei bittet Zeugen um Bilder und Videos

Die Polizei Fulda bittet Zeugen, die Fotos oder Videos vom Flugunfall erstellt haben, diese zu sichern und den Ermittlern zur Verfügung zu stellen. Die Fotos und Videos können Sie unter folgender E-Mail-Adresse flugunfall-wasserkuppe@polizei-hessen.de an die Ermittler weiterleiten. Ferner können Sie über ein Hinweisformular neben der Übersendung von Fotos und Videos auch schriftliche Angaben zum Unfallhergang angeben. Dieses Formular können Sie im Internet unter www.polizei-hinweise.de/flugunfall-wasserkuppe aufrufen und ausgefüllt an die Polizei versenden.

Die Wasserkuppe im Drei-Länder-Eck Hessen, Bayern und Thüringen ist mit rund 950 Metern Hessen höchster Berg. Der Flugplatz liegt am Nordhang. Der Berg ist beliebt bei Flugsportlern jeder Art. Dort heben Segelflieger ab, kleine Motorflugzeuge und -segler starten zu touristischen Rundflügen. Auch etwa Ultraleichtflugzeuge, Gleitschirm-, Drachen- und Modellflieger gehen dort in die Luft. 20.000 Starts zählt der Flugplatz nach früheren Angaben im Jahr. mit dpa



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