Warschau
Tödliche Falle

Feuer im Escape-Room: Fünf 15-jährige Mädchen sterben bei Geburtstagsfeier - Betreiber festgenommen

Fünf Mädchen feiern einen Geburtstag in einem Escape-Room. Dann bricht ein Feuer aus. Der Raum wird zur tödlichen Falle. Die Türklinke des Raumes war abmontiert und versteckt - als Teil des Spiels.
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Koszalin: Feuerwehrfahrzeuge und -männer stehen auf einer Straße in der nordpolnischen Hafenstadt. Ein Feuer war in einem sogenannten Escape Room ausgebrochen und hatte fünf Mädchen das Leben gekostet. Ein Mann wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Jetzt wurde der Betreiber verhaftet. Foto: Polskie Radio Koszalin/dpa
Koszalin: Feuerwehrfahrzeuge und -männer stehen auf einer Straße in der nordpolnischen Hafenstadt. Ein Feuer war in einem sogenannten Escape Room ausgebrochen und hatte fünf Mädchen das Leben gekostet. Ein Mann wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Jetzt wurde der Betreiber verhaftet. Foto: Polskie Radio Koszalin/dpa

Ein Gericht hat nach der tödlichen Brandtragödie in einem "Escape-Room" in Polen Untersuchungshaft für den Besitzer des Unglücksbetriebs angeordnet. Der Mann bleibe vorerst drei Monate in Arrest, sagte Staatsanwalt Ryszard Gasiorowski am Montag nach der nichtöffentlichen Sitzung am Amtsgericht der nordpolnischen Stadt Koszalin. Der Escape-Room-Besitzer muss sich nach dem Tod von fünf 15-jährigen Mädchen unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Ihm drohen bis zu acht Jahre Haft.

Die Todesopfer der Brandkatastrophe in einem "Escape-Room" in Polen hatten nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft keine Chance, den Flammen zu entkommen. Die Türklinke an der Innenseite des Raums sei abmontiert und versteckt worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Koszalin, Ryszard Gasiorowski, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Sie zu finden, war demnach Teil des "Escape-Spiels", bei dem Teilnehmer unter Zeitdruck Aufgaben lösen müssen, um sich aus einem geschlossenen Raum zu befreien.

Fünf jugendliche Mädchen starben in Feuerhölle

Für fünf 15-jährige Mädchen im nordpolnischen Koszalin wurde das Spiel zur tödlichen Falle, als am vergangenen Freitag ein Feuer ausbrach. Die Jugendlichen, die einen Geburtstag feierten, hatten keine Chance, sich aus dem geschlossenen Raum selbst zu befreien, sagte Gasiorowski. Auch von außen verhinderten die Flammen ihre Rettung. Der Brand schnitt einem Mitarbeiter des "Escape-Rooms" den Weg zu den Mädchen ab.

Der 25-jährige Pole, der selbst Verbrennungen erlitt, rannte auf die Straße, um Hilfe zu holen. Für die Mädchen, die nach vorläufigen Erkenntnissen an einer Rauchgasvergiftung starben, kam sie zu spät. Sie werden am Donnerstag beerdigt.

"Einen anderen Fluchtweg als die Tür gab es nicht", sagte Gasiorowski. Die Fenster waren den Angaben nach mit Rigips versperrt. Der 28-jährige Besitzer des "Escape-Raums" ist in U-Haft, ihm drohen wegen Sicherheitsverstößen und fahrlässiger Tötung bis zu acht Jahre Haft.

Betreiber war nicht vorbestraft - weitere Spielstätten geschlossen

Nach dem verheerenden Brand ist der Besitzer des Unglücksbetriebs vorläufig festgenommen worden. Es handele sich um einen 28 Jahre alten Mann aus der Woiwodschaft Großpolen, sagte Polizeipräsident Jaroslaw Szymczyk am Sonntag auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. Dieser sei nicht vorbestraft. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme telefonisch nicht zu erreichen.

Zudem ziehen die polnischen Behörden weitere Konsequenzen: 13 ähnliche Spielstätten wurden geschlossen, nachdem landesweit 1100 Escape Rooms auf ihre Brandschutzmaßnahmen hin kontrolliert worden waren. Bei 13 Einrichtungen waren Sicherheitsmängel festgestellt worden. Nutzer von Escape-Rooms wurden dazu aufgerufen, den Behörden Unregelmäßigkeiten zu melden.

Tod im Escape Room: Die Mädchen feierten Geburtstag

Am Freitagnachmittag hatten die fünf 15-jährige Mädchen den Geburtstag eines der Teenager im Escape Room gefeiert. Alle fünf starben bei dem Feuer. Ein 25-jähriger Mann wurde zudem mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht.

In einem "Escape-Room" muss eine Gruppe unter Zeitdruck bestimmte Rätsel und Aufgaben lösen, um aus dem Raum "entkommen" zu können. Das Spiel erfreut sich in den letzten Jahren in vielen Ländern immer größerer Beliebtheit. Die Betreiber von "Escape-Rooms" müssen in Polen bislang keine besonderen Genehmigungen der Feuerwehr einholen. 

Flammen haben Fluchtweg abgeschnitten

Die Behörden wollten am Freitag noch keine näheren Angaben zu dem Vorfall machen. Nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr brach der Brand in einem Nebenraum aus. Einer der Feuerwehrmänner vor Ort sagte der Zeitung "Gazeta Wyborcza", dass das Feuer schon in allen Räumen des Erdgeschosses gewütet habe, als die Feuerwehr angekommen sei. Das Feuer habe also allem Anschein nach den Opfern den Fluchtweg abgeschnitten. 

Ausgelöst wurde das Feuer nach Angaben der Zeitung wahrscheinlich durch die Explosion einer Gasflasche. Die Pressesprecherin der Koszaliner Polizei betonte jedoch, dass man noch nichts zu den Ursachen des Brandes sagen könne. 

"Verheerende Tragödie": Trauer in Polen

Polens Präsident Andrzej Duda drückte auf Twitter den Familien der Opfer sein Beileid aus: "Eine verheerende Tragödie in Koszalin. Fünf fröhliche Mädchen wurden aus dem Leben gerissen", schrieb er. Den Familien der Opfer sagte Innenminister Brudzinski von der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) unbürokratische Hilfe zu.

Koszalin liegt rund 160 Kilometer westlich von Danzig (Gdansk) in der Woiwodschaft Westpommern. Der Bürgermeister der Stadt, Piotr Jedlinski, erklärte den Sonntag zu einem Trauertag.

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