Frankfurt am Main
Kriminalität

Enkel-Trick, Handwerker-Trick, Polizisten-Trick: Die fiesen Maschen der Telefon-Betrüger

Enkel-Trick, Handwerker-Trick und neuerdings auch Polizisten-Trick - immer wieder versuchen Telefon-Betrüger ihr Glück. Ihre Opfer suchen sie gezielt aus.
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Enkel-Trick, Handwerker-Trick und neuerdings auch Polizisten-Trick - immer wieder versuchen Telefon-Betrüger ihr Glück. Ihre Opfer suchen sie gezielt aus. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Enkel-Trick, Handwerker-Trick und neuerdings auch Polizisten-Trick - immer wieder versuchen Telefon-Betrüger ihr Glück. Ihre Opfer suchen sie gezielt aus. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Polizei warnt vor Telefonbetrügern: Manuela Lang holt tief Luft, während sie den Blick über die Gruppe von Senioren schweifen lässt, die mit Kaffeetassen und Kuchentellern vor ihr sitzen. "Bitte merken Sie sich das Allerwichtigste", sagt die Frau mit den langen dunklen Locken: "Die Polizei würde niemals Geld von ihnen holen."

Polizeioberkommissarin Lang arbeitet in der Polizeilichen Beratungsstelle des Frankfurter Polizeipräsidiums und will ältere Menschen davor bewahren, Opfer von Telefonbetrügern und anderen Kriminellen zu werden. Der Polizisten-Trick ist nur eines der jüngeren Beispiele einer Masche, mit der die Kriminellen ihr Glück bei ihren Opfern versuchen.


Telefon-Betrug: Schaden kann enorm sein

Der Schaden kann enorm sein. "Die Opfer können noch von Glück sagen, wenn sie 'nur' um 1000 Euro betrogen werden", betont Klaus-Dieter Strittmatter, Geschäftsführer des Präventionsrats der Stadt. "Manche verlieren einen fünfstelligen Betrag oder noch mehr." Die Ersparnisse eines ganzen Lebens könnten von einer auf die andere Stunde weg sein - gerade weil die Täter mit der Hilfsbereitschaft der überrumpelten Senioren rechnen.

"Ich bin auch schon mal von einem Mann angerufen worden, der sich als mein Enkel ausgegeben hat", meldet sich aus den hinteren Reihen eine Frau mit silbergrauer Dauerwelle aufgeregt zu Wort. "Ich habe aber ganz schnell aufgelegt." Klar - der sogenannte Enkel-Trick gilt mittlerweile als uralt.


Betrugsopfer werden überrumpelt

In einem aufgezeichneten Anruf, den Oberkommissarin Lang den Teilnehmern des Treffens vorspielt, wird aber deutlich, wie schnell die Betrugsopfer überrumpelt werden. "Rate mal, wer dran ist", lauten etwa die ersten Worte des Anrufers, der dann nur noch auf Stichworte seiner angeblichen Oma reagieren muss. Er rufe vom Handy aus an, deswegen klinge seine Stimme so anders, wird etwa noch verbliebenes Misstrauen zerstreut.

Allein in Frankfurt wurden 2013 rund 800.000 Euro ergaunert, erzählt Lang. Dabei seien das nur die 29 angezeigten Fälle. Die Dunkelziffer könnte noch höher liegen, vermuten die Ermittler. Manches Betrugsopfer schäme sich, fürchte, für "vertrottelt" gehalten zu werden - und schweige deshalb.


Betrüger suchen gezielt nach älteren Menschen als Opfer

In der Regel suchen sich die Betrüger gezielt ältere Menschen als Opfer. Vorbeugen können diese, wenn sie sich gar nicht erst mit Vornamen im Telefonbuch eintragen lassen. Denn wenn dort etwa "Walter" oder "Elfriede" stehe, handele es sich ziemlich sicher um Menschen der 60-plus-Generation, sagt Lang.

Mit dem sogenannten Polizei-Trick gehen die Betrüger auch technologisch neue Wege. Da werden etwa die auf dem Display des Angerufenen erscheinenden Nummern so manipuliert, dass dort die 110 zu sehen ist - also die allseits bekannte Polizeinotnummer. Da hilft dann auch nicht mehr das Verhalten jenes älteren Mannes, der versichert: "Ich gehe nicht ans Telefon, wenn ich die Nummer nicht kenne oder wenn es heißt, Anruf von Unbekannt."
Zudem erzählen die angeblichen Polizisten den erschrockenen Senioren etwa, sie sollten Opfer des Enkeltricks werden. Nun brauche die Polizei ihre Hilfe - und ihr Geld -, um den Gaunern eine Falle zu stellen. Oder: Man habe eine Einbrecherbande festgenommen, die offenbar nach einer Liste vorgehe, auf der auch die Senioren aufgeführt seien. Einige der Täter seien noch auf freiem Fuß, könnten jederzeit zuschlagen. Und wo könnten die Wertsachen schon sicherer sein als bei der Polizei, die Geld und Schmuck auch gerne in der Wohnung abhole?

Kopfschüttelnd wiederholt Lang: "Nie, niemals holt die Polizei ihr Geld! Legen sie in so einem Fall auf und rufen Sie die 110 an!" Denn selbst misstrauische Menschen werden an der Nase herumgeführt. Die Betrüger geben sich mit den Namen der echten, im Stadtteil bekannten Kontaktbeamten aus, haben skeptischen Senioren sogar schon ein Gespräch mit der "echten" Polizei angeboten, bei dem sie in einer Telefonkonferenz jedes Wort verfolgen. "Das wäre nie aufgefallen, wenn der Täter nicht einmal laut gelacht hätte", berichtet Lang. Um so wichtiger sei es daher, das Gespräch zu beenden und vom eigenen Telefon oder Handy aus bei der Polizei anzurufen.

Dies gilt nach Angaben der Ermittler umso mehr bei jenen Betrügern, die immer aggressiver werden und, wenn sie die Betrugsmasche scheitern sehen, auch schon mal drohen: "Ich komme vorbei und schlitze dich auf." Lang warnt Amateurdetektive deshalb davor, Gespräche in die Länge zu ziehen, weil die angerufenen Senioren der Polizei bei ihren Ermittlungen helfen wollen. Viele seien angesichts der Drohungen von ertappten Betrügern verängstigt und fürchteten, diese könnten eines Tages doch vor ihrer Tür stehen. Deshalb appelliert die Polizeioberkommissarin: "Legen sie auf - und schlafen Sie ruhig weiter. Die kommen nicht vorbei."