Issum
Feuerwehr

Dorfbewohner verpflegen Einsatzkräfte: Feuerwehr beklagt "Katastrophentourismus"

Feuerwehrleute werden bei Einsätzen bepöbelt, bespuckt und begafft - doch nicht in diesem Fall: Aufmerksame Dorfbewohner verpflegten die Einsatzkräfte. Ein Feuerwehrmann verrät, wie schlimm "Katastrophentourismus" und Sensationsgeilheit an Unfallstellen heutzutage ist.
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Dorfgemeinde versorgt Feuerwehrleute bei Einsatz: Am Mittwochvormittag (31. Juli 2019) ist es zu einem Großeinsatz der Feuerwehr gekommen. Im niederrheinischen Issum (Kreis Kleve) loderten die Flammen in einem landwirtschaftlichen Betrieb: Die Scheune des Anwesend brannte. Drei Kühe verendeten im Feuer, dichter Rauch stieg empor. 49 Einsatzkräfte kämpften in der Mittagshitze gegen den Großbrand: Nach mehreren Stunden war die Situation unter Kontrolle.

 

 

Löscharbeiten wie dieser Einsatz sind für die Feuerwehr Alltag. Am Rande des Großbrandes ereignete sich allerdings auch etwas nicht Alltägliches. Zahlreiche Dorfbewohner verpflegten die Feuerwehrleute mit Getränken und Snacks. Kurzerhand wurden Fleischküchla, Brötla und Wörschtla gereicht sowie Kaffee und Tee ausgeschenkt. Die Einsatzkräfte zeigten sich via Facebook überwältigt vom positiven Zuspruch: "Allen Beteiligten danken wir an dieser Stelle ganz herzlich für die Unterstützung."

 

"Katastrophentourismus": Feuerwehr äußert sich zu Gaffern

Grundsätzlich erhalte die Feuerwehr "positive Resonanz" auf ihre Einsatz, wie Bernd Manders von der örtlichen Feuerwehr im Gespräch mit inFranken.de betont. Dabei spricht er allerdings von ländlichen Regionen: "In den Städten sieht das anders aus." Der "Katastrophentourismus" nehme zu, jeder wolle Informationen aus erster Hand erfahren und live dabei sein, so Manders. Auch am Rande des Einsatzes am Mittwoch war das der Fall. "Natürlich hatten wir auch viele Gaffer beim Großeinsatz. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun", so der stellvertretende Löschzugführer. Allerdings habe keiner der Schaulustigen die Arbeit der Einsatzkräfte behindert - ganz im Gegenteil: Die Dorfbewohner kümmerten sich um die Feuerwehrleute.

Das ist jedoch nicht immer so: Die Meldungen, in denen Gaffer zum Problem an Unfallstellen werden, häufen sich. Ein Polizist reagierte zuletzt ungewöhnlich auf die Schaulustigen: Stefan Pfeiffer konfrontierte Gaffer auf der Autobahn bei Nürnberg mit ihrem Verhalten. "Willst du eine Leiche sehen?" fragte er mehrere Autofahrer.

Auch in Hessen ertappte die Polizei mehrere Gaffer. Die Schaulustigen drehten an der Unfallstelle Videos. Einer der Polizisten schritt deshalb rigoros ein: Er stellte einen Transporterfahrer zur Rede. Der fing daraufhin an zu weinen.Im Interview erklärt ein Experte, was Schaulustige an einem Unfall reizt.