Augsburg
Blaulicht

Den Toten das Zahngold gestohlen: Bestatter ergaunert 1 Million Euro im Krematorium

Ein Bestatter und sein Betriebswirt haben in einem Krematorium in Kempten den Toten das Zahngold nach der Einäscherung entfernt und verkauft. Sie ergaunerten mit dieser Masche eine enorme Summe - und zahlten keine Steuern.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Betreiber des Krematoriums bereicherten sich an den Überresten der Menschen. Symbolfoto: Arne Dedert dpa/lhe
Die Betreiber des Krematoriums bereicherten sich an den Überresten der Menschen. Symbolfoto: Arne Dedert dpa/lhe

Weil sie sich nach der Einäscherung von Toten am Verkauf von Zahngold und weiteren Edelmetallen bereichert haben, hat das Amtsgericht Augsburg zwei Verantwortliche eines Krematoriums verurteilt. Der Betreiber der Kemptener Anlage erhielt am Mittwoch eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Der Betriebswart wurde zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt. Der 54 Jahre alte Leiter des Krematoriums muss zudem 15.000 Euro an wohltätige Vereine zahlen, der Betriebswart 6000 Euro. Der Betreiber des Krematoriums sei einer Gefängnisstrafe nur knapp entkommen, sagte der Richter am Mittwoch.

Zahngold: Von den Toten genommen

Beide gestanden, Zahngold und andere Edelmetalle aus der Asche von Toten an eine Verwertungsfirma verkauft und nicht ordnungsgemäß versteuert zu haben. Dem Fiskus entstand laut Anklage zwischen 2014 und 2016 ein Schaden von knapp 340.000 Euro. Die Steuerschulden hatte das Duo bereits vorab beglichen.

Im Urteil berücksichtigt wurden allerdings nur die Fälle ab Juli 2015. Grund ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von 2015, nach dem alle Überreste eines Toten, darunter auch Metalle, als Teil der Totenasche gewertet werden. Demzufolge ist die unbefugte Entnahme von Überresten wie Zahngold strafbar.

 

Wahnwitzige Summe entstanden: 1 Million Euro ergaunert

Die knappe Millionen an Euro, die der Geschäftsführer und der Betriebswart durch den Verkauf der Überreste illegal eingenommen haben, werden laut Urteil von der Krematoriums GmbH als Wertersatz eingezogen.

 

Verwandte Artikel