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Hanau
Rechtsextremer Terror

11 Tote in Hanau - Politikwissenschaftler: "Keine Entschuldigung mehr für AfD-Wähler"

Nach dem Anschlag von Hanau ist steht für Innenminister Horst Seehofer fest: Dieser Anschlag ist als Rechtsterrorismus zu sehen. Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie fordert eine "klare Kante" gegen Rechtsextremismus. Die Ermittler erkennen das Bild eines psychisch kranken Täters.
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Rechter Terror in Hanau - elf Menschen erschossen: Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie erwartet nach dem Anschlag von Hanau eine "entschiedene Reaktion des Staates". Leggewie sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), die Sicherheitsorgane müssten "klare Kante zeigen und das Gewaltmonopol durchsetzen". Es reiche nicht, die Zivilgesellschaft aufzufordern, für den Zusammenhalt im Land einzustehen.

Höcke: "Sumpf, den es auszutrocknen gilt" - für Politologe Gewaltandrohung

Ein Politiker wie Björn Höcke von der AfD beschimpfe diese Zivilgesellschaft als "Sumpf", den es auszutrocknen gelte. "Das ist eine Gewaltandrohung, nichts anderes", sagte Leggewie. Besser geschützt werden müssten besonders bedrohte Bevölkerungs- und Berufsgruppen sowie Personen, die bei den Rechten auf Listen vermerkt sind. "Auch darf man die dezentralen, wenig organisierten Wehrsportgruppen und Kameradschaften nicht länger gewähren lassen", forderte der Politologe.

Zwar sei die Sprache der Spitzenpolitiker deutlicher geworden, nachdem man in Sachen Rechtsextremismus lange laviert und verharmlost habe. Zur wehrhaften Demokratie gehöre aber "eine glaubhafte Demonstration staatlicher Entschlossenheit", erklärte Leggewie.

Zum Umgang mit der AfD, die nach dem Anschlag von allen anderen Parteien mitverantwortlich gemacht worden war für die Vergiftung des Klimas im Land, empfahl Leggewie eine konsequente Abgrenzung und Benennung ihrer Ziele: "Es geht um die politisch-moralische Ächtung einer Partei, die die repräsentative Demokratie sturmreif schießen will, Andersdenkende und Andersaussehende verfolgt und rechtsextremen Terror als Notwehr verharmlost." Wer heute noch AfD wähle, habe keine Entschuldigung mehr, sagte Leggewie. Deren Anhänger verdienten es nicht, als sogenannte besorgte Bürger ernstgenommen zu werden: "Ihnen muss man energisch widersprechen und Widerstand leisten."

Im hessischen Hanau hatte ein Mann am Mittwochabend nach Polizeiangaben in einer Shisha-Bar und einem Kiosk neun Menschen erschossen. Die Polizei fand den mutmaßlichen Täter und seine Mutter danach tot in deren Wohnung. Der Generalbundesanwalt, der die Ermittlungen führt, sprach von einer "zutiefst rassistischen Gesinnung" des Schützen.

Update 22.02.2020: Grüne legen Aktionsplan gegen Rechtsextreme vor

Nach der Bluttat von Hanau überlegen Regierung und Parteien, wie Anschlagspläne besser entdeckt werden können. Dazu gehört auch eine Prüfung der Regeln für den Waffenbesitz. Hanau/Berlin (dpa) - Nach dem Anschlag in Hanau mit elf Toten dringen die Grünen im Bundestag auf einen schnellen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus in Deutschland. Zu den Sofortmaßnahmen sollen ein Krisenstab, ein Rassismus-Beauftragter und schärfere Waffengesetze gehören. Die FDP forderte, kleinere Verfassungsschutzämter zusammenzulegen. Grünen-Chef Robert Habeck sagte der "Passauer Neuen Presse" (Samstag), die AfD solle als Verdachtsfall durch den Verfassungsschutz beobachtet werden. Zuvor hatte das schon SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil gefordert.

Der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Edgar Franke, sagte zu, dass die engsten Angehörigen der Opfer der Gewalttat in einigen Tagen eine Soforthilfe von 30 000 Euro erhalten werden. In mehreren deutschen Städten wandten sich auch am Freitagabend wieder Demonstranten gegen rechte Gewalt und Intoleranz. Weitere Kundgebungen sind am Wochenende geplant.

Ein 43 Jahre alter Deutscher hatte am Mittwochabend im hessischen Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Der Sportschütze tötete auch seine 72 Jahre alte Mutter und dann sich selbst. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Täter eine rassistische Gesinnung und war psychisch krank.

AfD schüre Rassismus und bereite Rechtsextremisten den Weg

Habeck sagte zur Begründung einer Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz, die Partei schüre Rassismus und leiste Rechtsextremismus Vorschub. Die Relativierungen und Verharmlosungen der Morde von Hanau durch AfD-Politiker seien unerträglich.

Angehörige der Opfer können aus dem Fonds für Härteleistungen innerhalb von zwei Wochen Soforthilfen erhalten, wie Franke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte. "Für Ehepartner, Kinder und Eltern von Getöteten sind das 30 000 Euro, für Geschwister 15 000 Euro." Das könne das schreckliche Leid des Verlusts der eigenen Eltern oder Kinder nicht lindern. "Aber zumindest ist es eine Hilfe für die nötigsten Dinge, die in diesem Moment wichtig sind."

"Sofortmaßnahmen" notwendig

Die Fraktion der Grünen schlägt "Sofortmaßnahmen für eine sichere Gesellschaft" vor. "Der Rechtsextremismus in Deutschland ist völlig enthemmt", schreiben die Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter sowie die Innen- und Integrationsexperten in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Besonderer Schutz von Synagogen und Moscheen

Darin fordern sie die Bundesregierung auf, einen Krisenstab mit allen relevanten Akteuren aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft einzurichten. Notwendig sind aus Sicht der Grünen zudem ein Beauftragter gegen Rassismus, eine "verlässliche und dauerhafte Demokratieförderung" und finanzielle Unterstützung für den Schutz besonders gefährdeter Einrichtungen wie Moscheen und Synagogen.

Bisherige Regelung für Munition der Sportschützen überdenken

Die Grünen wollen, dass Munition nur noch gelagert werden darf, wo auch geschossen werden darf - bisher sei es Sportschützen möglich, sowohl Waffen als auch Munition zu Hause zu lagern. Zudem reichten die bisherigen Zuverlässigkeitsprüfungen nicht aus.

Zuvor hatte bereits Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) eine Überprüfung des Waffenrechts angekündigt. Der "Bild"-Zeitung (Samstag) sagte er: "Wenn die Ermittlungen hier einen Anhaltspunkt ergeben, dass wir früher hätten eingreifen müssen, was den Waffenschein betrifft, dann müssen wir das ändern." Möglicherweise könne es sinnvoll sein, ein medizinisches Gutachten oder eine ärztliche Bestätigung einzufordern, "dass da alles in Ordnung ist und die Verwirrung oder die Krankheit einer Person nicht zur Gefahr für die Allgemeinheit werden", wenn jemand auffällig geworden sei.

Waffengesetze weiter verschärfen?

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) will prüfen, ob die gerade erst verschärften Regelungen im Waffenrecht auch konsequent umgesetzt werden. Demnach müssen die Behörden immer beim Verfassungsschutz nachfragen, bevor sie eine Waffenerlaubnis erteilen. Es müsse geprüft werden, ob die Behörden, die über die Zuverlässigkeit entscheiden, die nötigen Informationen bekommen. FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg forderte, die Sicherheitsstrukturen in Deutschland den neuen Bedrohungen anzupassen. "Dazu gehört eine Neuordnung der Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. So müssten zum Beispiel kleinere Landesämter für Verfassungsschutz zusammengelegt werden.

Tausende Befürworter bei Demonstration gegen rechten Terror

Die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) regte an, in den Sicherheitsbehörden Spezialabteilungen und Arbeitsgruppen zur Überwachung von Rechtsextremisten einzurichten. Die Meldestellen für antiislamische und antisemitische Vorfälle müssten ausgebaut werden, verlangte die nordrhein-westfälische Antisemitismusbeauftragte.

In Hannover versammelten sich am Freitagabend rund 3000 Menschen zu einer Kundgebung, darunter waren Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne). Die Veranstaltung stand unter dem Titel "Hannover gegen Rassismus - Hannover für Vielfalt". In Köln kamen mehr als 2000 Teilnehmer zu einer Demonstration gegen rechten Terror auf dem Roncalliplatz zusammen.

In Hanau gedachten Menschen erneut der Opfer des Anschlags. Etwa 200 Teilnehmer versammelten sich nach Veranstalter-Angaben auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, fassten sich an den Händen und bildeten eine kreisrunde Menschenkette. Am Samstag will ein Bündnis gegen Hetze und Menschenverachtung in Hanau demonstrieren. Am Nachmittag ist auf dem Marktplatz eine weitere Kundgebung geplant.

Originalmeldung

Am späten Mittwochabend (19. Februar 2020) hat ein rechtsextremistischer Täter im hessischen Hanau nahe Frankfurt am Main an zwei Tatorten um sich geschossen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot und Spezialkräften im Einsatz. Auch Beamte aus Unterfranken unterstützen die Ermittler in Südosthessen.

Bei der Bluttat in zwei Shisha-Bars in der Innenstadt kamen neun Menschen ums Leben. Fünf weitere wurden verletzt. Am Donnerstagmorgen wurden in einer Wohnung der mutmaßliche Schütze und eine weitere Person tot aufgefunden. Dabei handelt es sich um die 72-jährige Mutter des Täters, wie Hessens Innenminister Peter Beuth am Donnerstag (20. Februar 2020) mitteilte. Somit steigt die Zahl der Toten auf insgesamt elf.

Offenbar liegt der Tat eine rechtsextreme Motivation zugrunde, der Täter äußerste in einem Bekennerschreiben und einem Video Hass auf Migranten. Der Todesschütze von Hanau hatte nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank eine "zutiefst rassistische Gesinnung". Parteiübergreifend äußerten Politiker ihr Entsetzen über die Tat. Auch eine Verbindung nach Oberfranken wird mittlerweile deutlich.

Update 21.02.2020; 16.20 Uhr: Zwei Opfer aus Auto erschossen

Der mutmaßliche Attentäter Tobias R. soll während seiner Fahrt durch Hanau zwei der Todesopfer in ihren Autos erschossen haben. Das sagten Behördenvertreter am Freitag (21. Februar 2020) in einer Telefonkonferenz Mitgliedern des Innenausschusses des Bundestages, wie Teilnehmer berichteten.

Wie die Abgeordneten laut Teilnehmern der Besprechung erfuhren, hatte der Attentäter bis 2018 in München zur Untermiete gewohnt. Den Abgeordneten wurde den Angaben zufolge weiter mitgeteilt, Tobias R. sei zuletzt arbeitslos gewesen, habe wenig soziale Kontakte gehabt und bei seinen Eltern gewohnt. Dort sollen zwei Schusswaffen gefunden worden sein, eine Sig Sauer und eine Walther-Kleinkaliberwaffe. Sein Vater habe bislang nicht vernommen werden können. Wann genau die Mutter erschossen wurde, sei noch nicht geklärt. Tobias R. hatte im Internet wirre Gedanken und Verschwörungstheorien sowie rassistische Ansichten geäußert.

Rund 200 Menschen versammelten sich am Freitag in Hanau, um der Opfer der Bluttat zu gedenken.

Update 21.02.2020; 12.30 Uhr: Seehofer spricht von rechtsextremem Anschlag

Am Freitag hat auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Gewalttat von Hanau als rechtsterroristischen Anschlag bezeichnet. Gleichzeitig kündigte Seehofer höhere Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland an.

Bei einer Pressekonferenz in Berlin sagte Seehofer am Freitag: "Die Tat in Hanau ist eindeutig ein rassistisch motivierter Terroranschlag". Es sei der "dritte rechtsterroristische Anschlag" in wenigen Monaten. Generalbundesanwalt Peter Frank und der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, gaben zudem weitere Details zum mutmaßlichen Täter bekannt. Demnach wird davon ausgegangen, dass er psychisch krank war.

"Die Gefährdungslage durch Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus ist in Deutschland sehr hoch", sagte Seehofer. Wegen möglicher Nachahmungstäter, Wut und Emotionalisierung habe er mit den Innenministern der Länder ein konkretes Vorgehen zum Schutz der Bevölkerung abgestimmt. "Wir werden die Polizeipräsenz in ganz Deutschland erhöhen. Wir werden sensible Einrichtungen verstärkt überwachen, insbesondere auch Moscheen." Seehofer kündigte an, dass die Bundespolizei die Länder mit Personal und Sachausstattung unterstützt werde. "Und wir werden eine hohe Präsenz der Bundespolizei an Bahnhöfen, Flughäfen und im grenznahen Raum gewährleisten."

Update 21.02., 05.30 Uhr: Kanervalsvereine und die Bundesliga reagieren

Nach dieser Tat ist der Straßenkarneval in diesem Jahr nicht: In den Tagen nach dem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischem Anschlag im hessischen Hanau soll in zahlreichen Faschingsumzügen darauf reagiert werden. Darüber berichtet die Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Demnach hat der Hanauer Carnevalszug Verein (HCV) den für Samstag geplanten Faschingsumzug abgesagt. In vielen anderen Städten wollen die Narren dennoch feiern. In den Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf soll das Attentat bei den Rosenmontagszügen auf den Wagen eine Rolle spielen.

Die Sprecherin des Festkomitees Kölner Karneval, Tanja Holthaus, ein Wagen werde angepasst. Der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly plant einen eigenen Wagen zu Hanau. "Es wird kein Wagen, über den man lachen kann, aber es wird ein Statement der Narren sein", sagte er der dpa. "Wir sind nicht nur für Friede, Freude, Eierkuchen zuständig, wir haben ja einen politischen Karneval."

In Mainz soll es weder Schweigeminuten geben, noch fallen Veranstaltungen aus, wie der Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins, Michael Bonewitz, sagte. Aus polizeilicher Sicht ändere sich in puncto Sicherheitsvorkehrungen zunächst nichts, sagte ein Polizeisprecher in Mainz.

Auch auf die bayerischen Faschings-Veranstaltungen hat der Vorfall Auswirkungen: In München war zunächst unklar, ob die Veranstaltungen am Faschingsdienstag stattfinden werden. Der Weiberfasching auf dem Viktualienmarkt war am Donnerstag kurzfristig abgesagt worden.

Auch am Sport geht diese grausame Tat in Hanau nicht spurlos vorüber: Der deutsche Fußball trauert laut dpa ebenfalls um die Opfer. Die Mannschaften in den ersten drei Ligen der Männer werden wie auch die Teams der Frauen-Bundesligen am Wochenende mit Trauerflor spielen. Zudem wird es vor den Partien eine Schweigeminute geben, teilten die Deutsche Fußball Liga und der Deutsche Fußball-Bund mit.

Update 20.02., 17.20 Uhr: Gauland wirft Parteien Instrumentalisierung vor

AfD-Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland hat Vorwürfe mehrerer Parteien nach einer indirekten Mitverantwortung seiner Partei AfD mit Blick auf den Anschlag in Hanau zurückgewiesen. "Ich halte es für schäbig, in der Phase so etwas zu instrumentalisieren", sagte Gauland am Donnerstag in Potsdam. "Man kann nicht etwas instrumentalisieren, was so furchtbar ist und wo wir nicht wissen im Moment, was diesen offensichtlich völlig geistig verwirrten Täter bewogen hat, so zu handeln."

Auf die Frage, ob es einen Zusammenhang etwa von Äußerungen aus der AfD-Bundestagsfraktion mit der Tat in Hanau gebe, sagte Gauland vor Journalisten: "Das hat bestimmt nichts mit Bundestagsreden zu tun."

Der AfD-Fraktionschef zeigte sich skeptisch, ob es sich um einen Terrorakt handle. "Terror ist es ja meistens erst, wenn sozusagen irgendein politisches Ziel erreicht werden soll", sagte Gauland. "Bei einem völlig geistig Verwirrten sehe ich kein politisches Ziel, insofern bin ich vorsichtig bei dem Begriff Terror. Und von Links und Rechts wollen wir hier gar nicht reden. Das ist ein Verbrechen."

Update 20.02., 15.40 Uhr: Generalbundesanwalt: Täter hatte "zutiefst rassistische Gesinnung"

Der Todesschütze von Hanau hatte nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank eine "zutiefst rassistische Gesinnung". Das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest auf dessen Internetseite ergeben, sagte Frank am Donnerstag in Karlsruhe.

Update 20.02., 15.30 Uhr: Ex-Fußballer Völler entsetzt über Terror-Akt in seiner Heimatstadt

Rudi Völler ist vom mutmaßlich rechtsradikal motivierten Terroranschlag in Hanau geschockt. "Mit Entsetzen und Bestürzung habe ich die Nachrichten von der abscheulichen Tat in meiner Heimatstadt aufgenommen. Die Betroffenheit ist groß. Mein Mitgefühl gilt den Familien und den Angehörigen der Opfer", sagte der Sportchef des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen am Donnerstag in einer Mitteilung bei Twitter. Völler wurde vor 59 Jahren in der hessischen Stadt geboren.

Der ehemalige DFB-Teamchef verurteilte auch die wahrscheinliche Hintergründe der Tat: "Alles deutet darauf hin, dass es eine rassistische Tat war. Meiner Meinung nach ist es immer wichtig, bei diesem Thema Flagge zu zeigen. Hass, Gewalt und Rassismus haben in unserer Mitte keinen Platz."

Update 20.02., 13.55 Uhr: Höcke: Abscheuliche Tat macht fassungslos

Der thüringische AfD-Landeschef Björn Höcke hat die mutmaßlich rechtsradikale und rassistische Gewalttat von Hanau verurteilt. "Was sind das für Menschen, die so etwas tun? Die abscheuliche Mordtat von Hanau, bei der zehn Menschen unvermittelt aus dem Leben gerissen wurden, macht uns fassungslos", sagte Höcke am Donnerstag einer Mitteilung der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag zufolge. "Wir trauern mit den Hinterbliebenen. Der Wahnsinn scheint sich in diesem Land immer mehr auszubreiten", so Höcke weiter.

Die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss schrieb: "Alle reden über den Täter, seinen Namen, sein Video, sein Bekennerschreiben. Könnt ihr mal kurz aufhören? Eine Minute nicht Geschichte des Täters in Vordergrund stellen? An die Opfer, Familien, ihre Geschichten denken? Angst wahrnehmen, die viele haben? Das thematisieren?"

Bei der Gewalttat im hessischen Hanau hatte ein Mann am Mittwoch und in der Nacht zu Donnerstag neun Menschen getötet, später fand die Polizei die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen und die seiner Mutter in seiner Wohnung. Noch in der Nacht übernahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls. Er ermittelt nach Angaben des hessischen Innenministers wegen Terrorverdachts, es gebe Hinweise auf ein "fremdenfeindliches Motiv".

Update 20.02., 13.45 Uhr: Ministerpräsident Bouffier: "Dieser Tag ist ein tiefer Einschnitt"

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat sich nach der Gewalttat von Hanau erschüttert gezeigt. "Dieser Tag ist ein tiefer Einschnitt", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in Hanau. Die Gewalttat verändere alles, nicht nur für diese Stadt, sondern auch für dieses Land. Was heute hier passiert sei, habe für internationale Aufmerksamkeit, aber auch für internationale Solidarität gesorgt.

"Ich möchte allen Menschen sagen, auch und gerade denen, die vielleicht anders aussehen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind, Menschen die hier eine neue Heimat gefunden haben, ich weiß, dass Sie jetzt Angst haben", sagte Bouffier. "Ich möchte Ihnen sagen, ich verstehe das. Aber umso mehr gilt, dass wir alles tun, alles was wir können, um gegen Rassismus, Hetze und Hass anzukämpfen."

Update 20.02., 13.40 Uhr: SPD ruft zu Mahnwache vor Brandenburger Tor auf

Die SPD hat nach der Gewalttat von Hanau zu einer Mahnwache vor dem Brandenburger Tor in Berlin aufgerufen. "Wir müssen ein Zeichen setzen. Gegen den rechten Terror, gegen den rechten Hass, gegen Faschismus", schrieb Generalsekretär Lars Klingbeil am Donnerstag auf Twitter. Bei einer Solidaritätsbekundung am Donnerstagabend um 18.00 Uhr solle deutlich werden, "dass wir den Hetzern und rechten Terroristen nicht unser Land überlassen".

FDP-Chef Christian Lindner kündigte auf Twitter an, er werde an der Mahnwache teilnehmen. "Alle Demokraten müssen jetzt zusammen stehen, um ein Zeichen gegen Hass, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt zu setzen", betonte er. "Deswegen bin ich heute um 18 Uhr am Brandenburger Tor."

Die Tat hat nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann einen rechtsradikalen Hintergrund. Klingbeil wertete die Tat als "Angriff auf uns alle, auf die Freiheit in unserem Land". "Mitten in Deutschland werden Menschen aus rechtem Hass und Rassismus getötet. Das macht mich wütend", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Update 20.02., 13.25 Uhr: Grünen-Chef Habeck fordert konsequente Verfolgung von Rechtsextremismus

Grünen-Chef Robert Habeck hat nach dem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag von Hanau ein härteres Durchgreifen gegen Rechtsextremismus und Rassismus gefordert.

"Wir dürfen uns nicht an solche Taten gewöhnen", sagte Habeck am Donnerstag in Berlin. "Und dann muss die konsequente Verfolgung und die Prävention aller solcher Taten des Rechtsextremismus, des Rassismus unbedingte Priorität allen politischen Handelns sein."

Dies sei auch ein Tag des Zorns über den Hass und die Gewalt, die sich schon über Jahre in die Gesellschaft hineinfresse und sich im Netz ausbreite, so Habeck weiter.

Update 20.02., 13.20 Uhr: Fünf türkische Staatsbürger unter den Toten in Hanau

Unter den Todesopfern in Hanau sind nach Angaben der türkischen Botschaft in Berlin auch fünf türkische Staatsbürger. Ein Sprecher der Botschaft bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu, die sich auf den türkischen Botschafter in Berlin Ali Kemal Aydin berufen hatte.

Das türkische Außenministerium in Ankara verurteilte unterdessen den "niederträchtigen Anschlag" in Hanau. Er sei eine "neue und schwere Auswirkung von wachsendem Rassismus und Islamfeindlichkeit". Es sei an der Zeit, solche Angriffe zu stoppen.

Update 20.02., 13.15 Uhr: Polizeigewerkschaften warnen vor voreiligen Schlüssen

Die Polizeigewerkschaften DPolG und GdP haben nach der mutmaßlich rechtsextremen und rassistischen Gewalttat von Hanau vor voreiligen Schlussfolgerungen gewarnt. "Bevor mögliche politische Forderungen erhoben werden können, müssen erst einmal die Ermittlungen abgewartet werden", mahnte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, am Donnerstag. "Weil der mutmaßliche Täter wohl Sportschütze war, darf das nicht dazu führen, nun alle Sportschützen unter Generalverdacht zu stellen."

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, äußerte sich ähnlich: "Den Ermittlern muss jetzt die nötige Zeit und Ruhe zugestanden werden, die Hintergründe der schrecklichen Tat aufzuklären. Erst dann ist der Punkt gekommen, über mögliche zielführende Konsequenzen zu debattieren." In einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft seien solche menschenverachtenden Straftaten nicht auszuschließen.

Wendt betonte, der Gesetzgeber habe auf rechtsextreme Straftaten reagiert. "Sowohl die Polizeien von Bund und Ländern als auch die Verfassungsschutzbehörden wurden personell und strukturell besser ausgestattet." Er forderte aber mehr Cyberspezialisten für die Polizei. Die GdP betonte, undurchdachte Rufe nach Gesetzesverschärfungen seien nicht angebracht. Die deutsche Gesellschaft lehne einen Polizei- und Überwachungsstaat zu Recht ab, so Radek. Vielmehr müssten die Sicherheitsbehörden effektiv vernetzt sein und genug erfahrenes Personal haben.

Update 20.02., 12.50 Uhr: Auschwitz-Komitee: "Rechtsextremer Hass wird alltäglicher"

Das Internationale Auschwitz Komitee hat sein Entsetzen über die Gewalttat im hessischen Hanau ausgedrückt. Auschwitz-Überlebende in aller Welt würden in den mutmaßlichen Morden eine neue Demonstration der Macht rechtsextremen Hasses sehen, "der immer alltäglicher wird und überall auftreten kann", sagte Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, am Donnerstag in Berlin. "Jeder kann Auschwitz heute in seine eigenen Hände nehmen."

Terroristische Einzeltäter seien in der "virtuellen Welt des rechten Hasses bestens vernetzt" und sähen sich von Parteien wie der AfD "getragen". Sie würden zeigen, "wie einfach es mittlerweile geworden ist, Andersdenke und Anderslebende hinzurichten". Der Staat scheine hierfür nicht gewappnet zu sein. Heubner plädierte für einen "Gipfel der demokratischen Parteien", bei dem über die veränderte Gefahrenlage gesprochen werde.

Update 20.02., 12.28 Uhr: Bundeskanzlerin Merkel nimmt Stellung - "Hass ist ein Gift"

Bundeskanzlerin Angela Merkel gab im Kanzleramt eine Stellungnahme zu dem Gewaltverbrechen in Hanau ab. "Heute ist ein überaus trauriger Tag für unser Land", so Merkel. "Der tiefe Schmerz über den gewaltsamen Tod so vieler Mitbürger, den die Menschen heute in Hanau empfinden, empfinde ich und die Menschen in ganz Deutschland", sagte Merkel am Donnerstag in Berlin.

Sie hoffe, dass die große Anteilnahme in der Bevölkerung den Angehörigen ein wenig Kraft geben könne. Und sie hoffe auch, dass die Betroffenen nicht nur die körperlichen, sondern auch die seelischen Folgen überwinden könnten. Merkel sagte, seit dem frühen Morgen habe sie sich über den Stand der Ermittlungen unterrichten lassen. Und sie werde auch beim EU-Gipfel in Brüssel weiter fortlaufend informiert.

Es werde alles unternommen, um die Hintergründe der entsetzlichen Morde "bis ins Letzte" aufzuklären, versicherte die Kanzlerin. "Für eine abschließende Bewertung ist es noch zu früh." Doch weise derzeit vieles darauf hin, "dass der Täter aus rechtsextremistischen, rassistischen Motiven gehandelt hat. Aus Hass gegen Menschen mit anderer Herkunft, anderem Glauben oder anderem Aussehen."

Sie fügte hinzu: "Rassismus ist ein Gift, der Hass ist ein Gift. Und dieses Gift existiert in unserer Gesellschaft. Und es ist Schuld an schon viel zu vielen Verbrechen. Von den Untaten des NSU über den Mord an (dem Kasseler Regierungspräsidenten) Walter Lübcke bis zu den Morden von Halle."

Die Bundesregierung und alle staatlichen Institutionen stünden für die "Rechte und Würde eines jeden Menschen in unserem Land. Wir unterscheiden Bürger nicht nach Herkunft oder Religion. Wir stellen uns denen, die versuchen, in Deutschland zu spalten, mit aller Kraft und Entschlossenheit entgegen."

Update 20.02, 12.14 Uhr: Evangelische Kirche fassungslos über die Anschläge

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat sich fassungslos angesichts des Gewaltverbrechens von Hanau gezeigt. Wenn sich bewahrheite, was sich jetzt abzeichne, sei diese "Gewalttat ein trauriger Beleg für die brutalen Konsequenzen des Gifts, das rechtspopulistische und rechtsextreme Kreise zu streuen versuchen", schrieb Bedford-Strohm am Donnerstag bei Facebook. "Wer Rassismus und Ausländerfeindlichkeit sät, muss auch damit rechnen, dass daraus brutale Gewalt erwächst."

Update 20.02., 12 Uhr: Polizei richtet Hinweisportal für Zeugen ein

Die Polizei Südosthessen teilte auf Twitter mit, dass ein eigener Server für Hinweise eingerichtet wurde. Zeugen sollen Bilder und Videoaufnahmen hochladen und sonstige Beobachtungen melden.

Update 20.02., 11.50 Uhr: Bayerns Innenminister Herrmann stuft Tat als rechtsradikal ein

Die Gewalttat von Hanau mit insgesamt elf Toten hat nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann einen rechtsradikalen Hintergrund. Der 43-jährige Deutsche habe "eine Reihe überwiegend aus dem Ausland stammender Menschen erschossen", sagte der CSU-Politiker am Donnerstag in München nach einer Telefonschalte der Innenminister von Bund und Ländern. Man müsse aufgrund aufgefundener Materialien davon ausgehen, "dass es sich um einen rechtsradikalen, ausländerfeindlichen Hintergrund handelt".

Außerdem soll geprüft werden, ob die anstehenden Faschingsumzüge in Deutschland und Treffpunkte von Migranten verstärkt geschützt werden sollen, sagte Herrmann. Da seien sich die Innenminister von Bund und Ländern einig gewesen. "Denn wir wissen aus der Vergangenheit, dass grundsätzlich solche Taten auch Nachahmertaten haben können."

Update 20.02., 11.34 Uhr: Tat parteiübergreifend als "rechter Terror" verurteilt

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hat nach der Gewalttat von Hanau Konsequenzen in Politik und Gesellschaft gefordert. "Unsere politischen Debatten dürfen sich nicht davor herumdrücken, dass es 75 Jahre nach Ende der NS-Diktatur wieder rechten Terror in Deutschland gibt", sagte der Finanzminister am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Sicherheitsbehörden müssten mit aller Konsequenz den Kampf gegen rechten Terror führen. Doch auch die Gesellschaft müsse "unsere liberale, weltoffene Demokratie gegen ihre Feinde verteidigen".

Scholz sprach den Angehörigen der Opfer von Hanau sein Mitgefühl aus. "Wir sollten es aber nicht dabei belassen, unsere Bestürzung und Erschütterung über diese unfassbare Tat auszudrücken", sagte er. Zum dritten Mal innerhalb von nicht einmal neun Monaten seien Menschen in Deutschland von "Rechtsterroristen" ermordet worden. "Deshalb dürfen wir nicht zur Tagesordnung übergehen", forderte Scholz in Erinnerung an das tödliche Attentat auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und den Anschlag von Halle.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier entsetzt

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sein Entsetzen über die "terroristische Gewalttat in Hanau" zum Ausdruck gebracht. Der Bundespräsident erklärte am Donnerstag in Berlin: "Meine tiefe Trauer und Anteilnahme gelten den Opfern und ihren Angehörigen. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung. Ich stehe an der Seite aller Menschen, die durch rassistischen Hass bedroht werden. Sie sind nicht allein."

Steinmeier zeigte sich aber "überzeugt: Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland verurteilt diese Tat und jede Form von Rassismus, Hass und Gewalt. Wir werden nicht nachlassen, für das friedliche Miteinander in unserem Land einzustehen."

Von der Leyen "zutiefst erschüttert"

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat "zutiefst erschüttert" auf die tödlichen Schüsse von Hanau reagiert. "Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer, denen ich mein aufrichtiges Beileid aussprechen möchte", erklärte die frühere Bundesministerin am Donnerstagmorgen auf Twitter. "Wir trauern heute mit Ihnen", fügte sie hinzu.

Außenminister Maas ruft zu verstärktem Kampf gegen rechten Terror auf

Nach der Gewalttat in Hanau hat Außenminister Heiko Maas (SPD) zu verstärktem Kampf gegen rechten Terror aufgerufen. "Rechtsterrorismus ist wieder zu einer Gefahr für unser Land geworden", betonte Maas am Donnerstag auf Twitter. Es sei längst Zeit zu erkennen: "Demokratie muss sich wehren gegen die Feinde der Freiheit." Das gelte für den Rechtsstaat. "Das gilt aber auch für uns alle."

Wenn sich der Verdacht erhärte, sei die grauenhafte Tat in Hanau der dritte rechtsextreme Mordanschlag in Deutschland in einem Jahr, so Maas mit Blick auf die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) und den Anschlag in Halle.

Türkei verurteilt Gewalttat in Hanau als "rassistischen Angriff"

Die Türkei hat die Gewalttaten mit mehreren Toten in Hanau als "rassistischen Angriff" verurteilt und eine schnelle Aufklärung gefordert. "Wir erwarten von den deutschen Behörden maximale Anstrengungen, um den Vorfall aufzuklären", schrieb der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, am Donnerstag auf Twitter.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drückt Anteilnahme aus

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat nach der Gewalttat von Hanau seine Anteilnahme ausgedrückt. Die Gedanken seien bei den Opfern und trauernden Familien, schrieb Macron am Donnerstag auf Twitter. "Ich stehe in diesem Kampf für unsere Werte und den Schutz unserer Demokratien an der Seite von Bundeskanzlerin (Angela) Merkel." Der französische Präsident sagte Deutschland "angesichts dieses tragischen Angriffs" seine volle Unterstützung zu.

Zentralrat der Juden wirft Behörden Versagen vor

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat den Behörden nach der mutmaßlich rassistisch motivierten Gewalttat in Halle Vorwürfe gemacht. "Zu lange ist die Gefahr durch den wachsenden Rechtsextremismus verharmlost und vernachlässigt worden", erklärte Schuster am Donnerstag in Berlin. "Polizei und Justiz scheinen zudem häufig auf dem rechten Auge eine Sehschwäche zu haben", sagte er und ergänzte: "Das rächt sich jetzt."

Es stelle sich die besorgniserregende Frage, wie sicher Minderheiten und Menschen, die sich für sie engagieren, noch in Deutschland leben könnten, erklärte Schuster weiter. Er forderte alle demokratischen Kräfte auf, zusammenzustehen, um extremistische Bedrohungen einzudämmen. "Politik, Strafverfolgungsbehörden, Justiz und Zivilgesellschaft stehen dafür in der Verantwortung", sagte er. Den Angehörigen der Opfer der Gewalttat in Hanau sprach Schuster sein Mitgefühl aus.

Update 20.02., 11 Uhr: Markus Söder verurteilt Bluttat von Hanau

"Die brutalen und menschenverachtenden Taten in Hanau lassen uns alle fassungslos zurück", sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Donnerstag in München. "In Gedanken sind wir bei den Angehörigen der Opfer und wünschen ihnen viel Kraft in diesen schweren Stunden." Söder wünschte den Verletzen schnelle und vollständige Genesung. "Der Rechtsstaat wird sich solchen Gewalttaten mit aller Härte und Entschiedenheit entgegenstellen."

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler haben viele der Opfer von Hanau einen Migrationshintergrund.

Update 20.02., 10.12 Uhr: Ermittlungen wegen Terrorverdachts - öffentliches Gedenken heute Abend

Nach der Gewalttat in Hanau ermittele die Generalbundesanwaltschaft wegen Terrorverdachts, so der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU). Ein fremdenfeindliches Motiv sei nach jetzigem Kenntnisstand durchaus gegeben, so Beuth am Donnerstag.

Am Donnerstag um 18 Uhr werde ein öffentliches Gedenken auf dem Marktplatz abgehalten, so der Oberbürgermeister von Hanau, Claus Kaminsky. Im Rathaus werde ein Kondolenzbuch ausliegen. Er selbst werde Kränze niederlegen und Kontakt zu den Angehörigen aufnehmen, so Kaminsky gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Tat von Hanau löst europaweit Entsetzen aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Horst Seehofer haben wegen der Bluttat Termine abgesagt. Die Bundeskanzlerin lasse sich fortlaufend über den Stand der Ermittlungen unterrichten, so Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter.

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier zeigte sich erschüttert über Tat, die "im Grunde sprachlos" mache. "Das ist furchtbar", so Bouffier.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) forderte am Donnerstag in Berlin, dass die Hintergründe der Tat gründlich aufgeklärt werden müssten. "Es ist erschütternd, wie viele Menschen dort sinnlos getötet wurden", sagte Lambrecht.

Der Präsident des Europaparlaments, David Sassoli, erklärte bei Twitter: "Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und Freunden." Der Präsident des Europäischen Rates der Staats- und Regierungschefs, Charles Michel, nannte den sinnlosen Verlust von Menschenleben "eine Tragödie".

Der Zentralrat der Juden erklärte bei Twitter, die "offenbar rechtsextrem motivierten Morde" seien erschütternd.

Der Koordinationsrat der Muslime erklärte, die Orte des Angriffs wie auch das bekanntgewordene Bekennerschreiben zeigten, dass Migranten, insbesondere Muslime das Ziel gewesen seien. Es sei jetzt die Zeit, zusammenzurücken und zusammenzustehen, erklärte Koordinationsratssprecher Zekeriya Altug.

Die evangelischen Kirchen in Hanau öffneten am Donnerstag ihre Türen für Menschen, die Trost suchen, wie der Dekan des Kirchenkreises, Martin Lückhoff, mitteilte.

Update 20.02., 10.05 Uhr: Täter hat in Bayreuth studiert

Unter dem Bekennervideo verlinkte der Täter auf seine Homepage, die zahlreiche persönliche Informationen enthält. Tobias R. ist demnach 43 Jahre alt und stammt aus Hanau, wo er auch die Schule besucht haben soll. Auf Abitur und Zivildienst folgte offenbar eine Lehre zum Bankkaufmann. Im oberfränkischen Bayreuth soll er BWL studiert haben. Tobias R. war als Sportschütze aktiv und besaß legal Waffen. Vor der Tat war er den Sicherheitsbehörden nicht bekannt.

Update 20.02., 9.20 Uhr: Bekennervideo das Täters - Hass auf Migranten

Der mutmaßliche Täter von Hanau hat vor dem Gewaltverbrechen eine umfangreiche Sammlung von Erklärungen und Weltanschauungs-Theorien im Internet verbreitet. In einem knapp einstündigen Video behauptet er unter anderem, Deutschland werde von einem Geheimdienst mit weitreichenden Fähigkeiten gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei. Bestimmte Völker müssten "vernichtet werden", sagt der Täter im Video. Der Hass auf Migranten könnte der Grund für die Wahl der Tatorte - zwei Shisha-Bars - sein. Die ersten Schüsse fielen laut "Bild" gegen 22 Uhr in der Shisha-Bar "Midnight" am Heumarkt in Hanau, anschließend setzte der Täter seine Bluttat an einem zweiten Tatort am Kurt-Schumacher-Platz fort, der "Arena Bar & Café".

Update 20.02., 8.33 Uhr: Täter von Hanau veröffentlichte Video kurz vor Tat - Botschaft an Amerikaner

Der mutmaßliche Täter von Hanau hat nach Informationen aus Sicherheitskreisen wenige Tage vor der Tat ein Video bei Youtube veröffentlicht. In diesem Video spricht der Mann in fließendem Englisch von einer "persönlichen Botschaft an alle Amerikaner". Der Clip, der am Donnerstagmorgen weiter im Internet zu sehen war, wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen, ins Netz gestellt wurde er vor wenigen Tagen.

Darin sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände "jetzt kämpfen". Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten. Das Motiv des Verbrechens mit insgesamt elf Toten blieb zunächst unklar.

Unterdessen hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Das sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Donnerstag. Nach dpa-Informationen sind die neuen Hinweise auf eine ausländerfeindliche Motivation des mutmaßlichen Täters der Grund. Zuvor hatte der "Spiegel" berichtet.

Update 20.02., 7.40 Uhr: Bekennerschreiben und Video gefunden: Neues zum Motiv der Bluttat von Hanau?

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen sind nach dem Blutbad in Hanau mit elf Toten ein Bekennerschreiben und ein Video gefunden worden. Beides werde nun ausgewertet, das Motiv sei noch unklar, hieß es am Donnerstag. Über den Inhalt ist noch nichts bekannt.

Update 20.02., 7.00 Uhr: Bundesregierung erschüttert von Gewaltverbrechen in Hanau

Die Bundesregierung hat bestürzt auf das schwere Gewaltverbrechen in Hanau mit bislang elf Toten reagiert. "Die Gedanken sind heute morgen bei den Menschen in #Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstagmorgen auf Twitter. "Tiefe Anteilnahme gilt den betroffenen Familien, die um ihre Toten trauern", fügte er hinzu. Seibert äußerte die Hoffnung, dass die Verletzten bald wieder gesund werden.

Im hessischen Hanau wurden neun Menschen an zwei verschiedenen Orten erschossen. Stunden nach dem Verbrechen entdeckte die Polizei in der Nacht zum Donnerstag die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen in seiner Wohnung. Dort fanden Spezialkräfte auch noch eine weitere tote Person. Die genauen Hintergründe für die außergewöhnliche Gewalttat sind bislang unklar.

Update 20.02., 6.25 Uhr: Unterfränkische Polizei unterstützt Kollegen in Hanau - SPD-Generalsekretär fassungslos

Nach dem Gewaltverbrechen mit insgesamt elf Toten in Hanau unterstützt die bayerische Polizei ihre hessischen Kollegen. Polizisten aus Unterfranken seien in Hessen vor Ort, hieß es am Donnerstagmorgen aus der Leitstelle des Polizeipräsidiums in Würzburg. Wie viele Kräfte im Einsatz sind, sagte der Sprecher nicht.

SEK-Beamte sind in der Nähe eines Tatorts im Einsatz. Foto: Boris Roessler/dpa

Unterdessen hat sich Hessens SPD-Generalsekretär Christoph Degen bestürzt gezeigt. "Die Bluttat der vergangenen Nacht in Hanau macht mich fassungslos. Meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei den Angehörigen", schrieb der Politiker am Donnerstagmorgen auf Twitter. Degen hat sein Wahlkreisbüro in Hanau.

Update vom 20.02. 5.27 Uhr: Polizei findet zwei Leichen in Wohnung: Täter von Hanau ist offenbar tot

In Hanau haben Polizisten am frühen Donnerstagmorgen den mutmaßlichen Todesschützen tot aufgefunden. Spezialkräfte hätten in einer Wohnung außerdem eine weitere Leiche entdeckt, sagte ein Polizeisprecher. Es gebe keinen Hinweis auf weitere Täter. Die Zahl der Toten habe sich auf insgesamt elf erhöht. Die Zahl der Menschen, die zuvor durch Schüsse an zwei Orten in Hanau starben, erhöhte sich indes von acht auf neun.

Nach Zeugenaussagen zu einem Fluchtfahrzeug seien Spezialkräfte der Polizei in eine Wohnung im Stadtteil Kesselstadt eingedrungen, sagte der Sprecher. Dort seien die beiden Toten entdeckt wurden. Die Ermittlungen zu ihrer Identität seien noch nicht abgeschlossen. Angaben zu ihrer Nationalität wie zur Nationalität der neun zuvor erschossenen Menschen könnten noch nicht gemacht werden.

Ursprüngliche Meldung vom 20.02.2020, 5.05 Uhr: Schüsse in Hanau - mindestens acht Tote

Die Zahl der Verletzen könnte sich laut einem Polizeisprecher noch ändern. "Die Fahndung nach den Tätern läuft auf Hochtouren", teilte die Polizei in Offenbach mit. Zu den Hintergründen gebe es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Ein Sprecher sagte, es könne sich um "eine Beziehungstat oder eine wahllos begangene Tat" handeln. Die Beamten machten keine Angaben zur Identität und Nationalität der Opfer.

Die ersten Schüsse fielen Angaben der Polizei zufolge gegen 22.00 Uhr. Am Heumarkt in der Hanauer Innenstadt blicken Passanten später in der Nacht immer wieder fassungslos auf die Szenerie am abgesperrten Tatort. Nicht weit entfernt in einer Seitenstraße liegen Patronenhülsen auf dem Fußweg, auch hier ist noch unklar, was genau passiert ist.

Ein Auto ist mit Thermofolie abgedeckt, neben dem Wagen liegen Glassplitter, der Tatort ist mir Polizei-Band abgesperrt. Foto: Boris Rössler/dpa

Nur rund zwei Kilometer davon entfernt im Stadtteil Kesselstadt befindet sich ein weiterer Tatort. Dort wurden ebenfalls Schüsse abgefeuert. Eine mögliche dritte Schießerei im Stadtteil Lamboy bestätigte sich nicht. Die Polizei war aber auch dort mit einem Großaufgebot vor Ort.

Polizeihubschrauber kreisen über Hanau - so ein Verbrechen hat die Stadt noch nicht erlebt

Später in der Nacht kreist ein Polizeihubschrauber über Hanau. Die Informationen fließen nur spärlich. Von der Polizei heißt es nur, vom Tatort Heumarkt sei ein dunkles Fahrzeug davongefahren.

Es ist ein Verbrechen, das die beschauliche und nur wenige Kilometer östlich von Frankfurt gelegene Stadt in ihrer jüngeren Geschichte noch nicht erlebt hat. Einer der Tatorte ist eine Shisha-Bar am Heumarkt, einer Straße, die etwas am Rande der Innenstadt von Hanau mit seinen rund 100.000 Einwohnern liegt. Es ist keine schmucke Gegend, Spielhallen, Wettlokale und Döner-Imbissbuden prägen das Straßenbild - und am späten Mittwochabend auch Polizeisirenen, Blaulicht und Absperrband.

Die Polizei fordert Passanten und Schaulustige auf, den Bereich zu verlassen. Beamte mit Maschinenpistolen sichern die Umgebung ab. Menschen stehen in der Nähe der mit Flatterband abgesperrten Bereiche und weinen. In der Gegend kurven wuchtige Sportkarossen umher.

Männer versammeln sich in mehreren Grüppchen nahe der Absperrungen. Die Stimmung pendelt zwischen Entsetzen, Sprachlosigkeit und Wut. Eine laut wehklagende Frau wird von Sanitätern in ein nahe gelegenes Hotel gebracht. Dort sitzen später im Frühstücksraum noch weitere Frauen versammelt, mit Tränen in den Augen.

Die Nachricht von den Schüssen hat sich wie ein Lauffeuer über die Sozialen Medien verbreitet. Anwohner posten mutmaßliche Videos vom Tatort, offenbar kurz nach der Tat aufgenommen.

Der zweite Tatort ist fast in Laufnähe, mit dem Auto sind es bis dahin nur etwa fünf Minuten. Der Kurt-Schumacher-Platz liegt in einem Wohnviertel. Dort befindet sich im Erdgeschoss eines Wohnblocks eine Art Kiosk, mit der Aufschrift "24/7 Kiosk" auf der großen Glasscheibe, auf einem Reklame-Leuchtschild steht "Arena Bar & Café". Der Blick ins Innere ist versperrt, die Scheiben sind teils halbhoch mit orangefarbener Folie beklebt.

Auf dem Platz vor dem Café steht eine beschädigte Limousine, die Frontscheiben sind zum großen Teil mit Rettungsdecken abgedeckt. Später, die Spurensicherung läuft schon längst, wird ein Feuerwehrzelt, das auch als Sichtschutz dient, um das Auto herum aufgebaut.

Auch hier hat die Polizei die Gegend weiträumig gesichert, ein schwer bewaffneter Beamter steht dabei. Immer wieder fahren Einsatzwagen der Polizei zum Tatort, auch Krankenwagen fahren durch. Während tief in der Nacht unten auf dem Parkplatz die Spurensicherung läuft, sind manche Fenster in dem neunstöckigen Gebäude noch erleuchtet. Hier und da flimmert ein Fernseher. Nur wenige Menschen sind hier in der Nacht noch unterwegs, einige kommen aber bis an das Absperrband der Polizei. Sie seien Freunde oder Angehörige von den Opfern, berichten sie.

Wer verübt ein solches Verbrechen? Fassungslosigkeit nach Schüssen in Hanau

Unter ihnen ist auch ein 24-Jähriger, der nach eigenen Angaben der Sohn des Kioskbesitzers ist. Er sei bei der Tat nicht vor Ort gewesen, sein Vater auch nicht, wie er erst später erfahren habe. Als er von den Schüssen gehört habe, sei er sofort hergekommen. "Ich habe erstmal einen Schock bekommen." Die Opfer seien Leute, "die wir jahrelang kennen". Es seien zwei Mitarbeiter und eine Person, die er schon von klein auf kenne. Wer verübt solch ein Verbrechen? Der 24-Jährige ist ratlos: "Wir kennen sowas nicht, wir sind auch nicht mit Leuten zerstritten. Wir können es uns gar nicht vorstellen. Es war ein Schock für alle."

Auch der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) zeigt sich in einer Sondersendung von "Bild live" erschüttert über die Gewalttaten. "Das war ein furchtbarer Abend, der wird uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben."

Die Hanauer Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich bin erschüttert darüber, was passiert ist." Auf Twitter schrieb sie: "In dieser fürchterlichen Nacht in Hanau wünsche ich den Angehörigen der Getöteten viel Kraft und herzliches Beileid." Und: "Den Verletzten eine hoffentlich schnelle Genesung. Es ist ein echtes Horrorszenario für uns alle. Danke an alle Einsatzkräfte!!"

Die von Google zur Verfügung gestellte undatierte Satellitenaufnahme zeigt den Tatort Hanau-Kesselstadt (l) und den Tatort Hanau-Heumarkt. Foto: Google/dpa

dpa/epd/ak/ry