Hildesheim
Brutale Attacke

Aus Rache für getöteten Chihuahua: Frau muss fünf Jahre in Haft

Urteil in einem Racheprozess: Eine junge Frau hat einer früheren Freundin ein kochendes Öl-Wasser-Gemisch über den Kopf gegossen, weil diese ihren Hund aufgeschlitzt hat. Jetzt wurde sie zu fünf Jahren Haft verurteilt.
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Weil eine 29-Jährige den Chihuahua ihrer Freundin brutal getötet haben soll, hat sich das Frauchen gerächt. Sie übergoss ihre ehemalige Freundin mit kochendem Wasser. Symbolfoto: pixabay.com/josefschiller
Weil eine 29-Jährige den Chihuahua ihrer Freundin brutal getötet haben soll, hat sich das Frauchen gerächt. Sie übergoss ihre ehemalige Freundin mit kochendem Wasser. Symbolfoto: pixabay.com/josefschiller

Update 15.11.2019: Urteil gefallen - fünf Jahe Haft für Frauchen

Weil sie einer früheren Freundin ein kochendes Wasser-Öl-Gemisch über den Kopf geschüttet hat, ist eine 29-Jährige am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, sprach das Landgericht Hildesheim die junge Frau, die im neunten Monat schwanger ist, der wissentlich schweren Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig. Mehrfach brach die 29-Jährige im Gerichtssaal in Tränen aus.

Die Tat war demnach ein Racheakt: Die Angeklagte hatte ausgesagt, dass ihre Bekannte ihren geliebten Mini-Chihuahua Mila brutal getötet habe. Der Hund sei für sie und ihren Ehemann Kindersatz gewesen. Das Tier war blutüberströmt, ausgeweidet und mit abgeschnittener Zunge in der Wohnung der heute 26 Jahre alten ehemaligen Freundin entdeckt worden.

"Hätte es die Geschichte mit dem Hund, der auf übelste Art und Weise getötet wurde, nicht gegeben, hätte es auch nicht die Tat gegeben", sagte die Vorsitzende Richterin Bernadette Pape in ihrer Urteilsbegründung. Die Angeklagte habe sich in einer verzweifelten Situation befunden, zumal die Bekannte für diese böse Tat nicht bestraft worden sei. Die 26-Jährige hatte stets bestritten, den Hund getötet zu haben. Ein entsprechendes Verfahren wurde eingestellt.

Die Angeklagte hatte ihre frühere Freundin zu einer vermeintlichen Aussprache über den getöteten Hund in ihre Hildesheimer Wohnung eingeladen. Beide saßen in der Küche und tranken Alkohol. Als das spätere Opfer sinngemäß sagte: "Sei nicht mehr sauer wegen dem Scheißhund!", hatte die 29-Jährige zum Kochtopf gegriffen. Allerdings habe die Angeklagte die Tat geplant, den Topf mit dem Wasser-Öl-Gemisch hingestellt und alles vorbereitet, betonte die Vorsitzende Richterin. 

Die Kammer sei jedoch überzeugt, dass die Angeklagte ihrer früheren Freundin einen Denkzettel verpassen wollte und nicht dieses Ausmaß der Verletzungen vorhergesehen habe. Die 29-Jährige hatte ausgesagt, sie sei nach der Tat über sich selbst erschrocken gewesen. Sie habe einen zweiten Topf mit kaltem Wasser über die 26-Jährige geschüttet, die sich auf die Treppe im Flur gesetzt hatte. Die Frau erlitt schwerste Verbrühungen an 15 Prozent der Haut. Ihre Lunge versagte zunächst, sie schwebte in Lebensgefahr, lag lange im Koma und muss noch weitere Operationen über sich ergehen lassen. 

Die Kammer folgte mit dem Strafmaß dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf drei Jahre und sechs Monate plädiert, die Nebenklagevertretung sechs Jahre gefordert.

Racheakt wegen eines aufgeschlitzten Chihuahua

Im Landgericht Hildesheim hat eine 29-Jährige gestanden, eine frühere Freundin aus Rache verbrüht zu haben.

An dem Abend Anfang 2018 sei ihr klar geworden, dass die Frau ihren geliebten Mini-Chihuahua "Mila" brutal getötet habe, sagte die Angeklagte. Der Hund sei für sie und ihren Ehemann Kind-Ersatz gewesen. Das Tier war ein halbes Jahr zuvor blutüberströmt, ausgeweidet und mit abgeschnittener Zunge in der Wohnung der heute 26 Jahre alten Bekannten entdeckt worden.

Verfahren um getöteten Hund wurde eingestellt

Die 26-Jährige hatte stets bestritten, das Tier getötet zu haben. Ein entsprechendes Verfahren wurde eingestellt, die Frau wurde aber aufgrund von anderen Diebstahls-Delikten angeklagt und verurteilt. Als Zeugin wollte sie sich dazu am Dienstag nicht äußern.

Die in Herne geborene 29-Jährige ist wegen schwerer und lebensgefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sie soll die ehemalige Freundin zu einer vermeintlichen Aussprache über den getöteten Hund in ihre Hildesheimer Wohnung eingeladen haben. Beide hatten Alkohol getrunken, sie verband eine schwere Kindheit. Laut Anklage übergoss die Deutsche die 26-Jährige mit einem siedenden Öl-Wasser-Gemisch.

29-Jährige nach Attacke mit kochendem Wasser in Lebensgefahr

Die Frau erlitt schwerste Verbrühungen an 15 Prozent der Haut, ihre Lunge versagte zunächst, sie schwebte in Lebensgefahr, lag lange im Koma und muss noch weitere Operationen über sich ergehen lassen. 

An die Tat könne sie sich kaum erinnern, sagte die 26-Jährige, deren rechte Gesichtshälfte teilweise gelähmt ist: "Ich weiß nur, dass mein Mund tierisch gebrannt hat wie Feuer. Ich habe geschrien, bin in der Gegend rumgelaufen, tierische Schmerzen." Ihre eigene Verbrennung habe sie gerochen. Die Angeklagte wollte sich im Gerichtssaal entschuldigen und ihrer ehemaligen Freundin 500 Euro übergeben, doch diese nahm das schluchzende Opfer nicht an. 

"Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute", sagte die 29-Jährige vergleichsweise gefasst. Sie ist im neunten Monat schwanger, bei einer Verurteilung erwartet sie eine Strafe zwischen 3 und 15 Jahren. Die Mutter eines etwa einjährigen Kindes sitzt seit Ende Mai in Untersuchungshaft.

Vor dem Prozess floh die Angeklagte ins Ausland

Vor dem ersten Prozesstermin war sie nach Serbien geflohen und dort wenig später festgenommen worden. Ihr Ehemann verweigerte die Aussage. Er soll während des Angriffs im Wohnzimmer geschlafen haben.

Die Angeklagte sagte, sie sei nach der Tat über sich selbst erschrocken gewesen und habe einen zweiten Topf mit kaltem Wasser über die 26-Jährige geschüttet, die sich auf die Treppe im Flur gesetzt habe. Sie habe nicht gewusst, dass dies falsch war. Sie habe nicht über die Folgen nachgedacht. "Ich wollte ihr schaden, aber nicht, dass sie bewusstlos wird oder stirbt." Für den Prozess sind zwei Verhandlungstage angesetzt, demnach könnte am 14. November das Urteil gefällt werden.  red/dpa