Frankfurt am Main
Bombenfund

500-Kilo-Bombe in Frankfurt wird entschärft: Tausende Menschen werden evakuiert

Am Sonntag wurde in Frankfurt eine Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg entschärft. Tausende Menschen waren von der Evakuierung betroffen. Um 13:45 Uhr konnte endlich mit der Entschärfung begonnen werden, dann wurde sie zügig beendet. Alle Informationen im Überblick.
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Bei Bauarbeiten wurde in Frankfurt am Main (Hessen) eine US-Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden. Foto: Boris Roessler/dpa
Bei Bauarbeiten wurde in Frankfurt am Main (Hessen) eine US-Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden. Foto: Boris Roessler/dpa
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  • Fliegerbombe wird in Frankfurt entschärft
  • Evakuierung am Sonntag
  • Polizei veröffentlicht Details im Vorfeld

 

Update vom 07.07.209, 18 Uhr: Fliegerbombe in Frankfurt entschärft

Tausende Menschen mussten wegen einer Fliegerbombe in Frankfurt ihre Häuser verlassen. Die Entschärfung begann später als geplant. Am Ende ging trotzdem alles ganz schnell. "Geschafft! Die Weltkriegsbombe im Frankfurter Ostend wurde durch den Kampfmittelräumdienst erfolgreich entschärft", erklärte die Feuerwehr bereits zwei Stunden nach Beginn der Arbeiten.

Menschen kehren in Wohnungen zurück

Unmittelbar danach durften Tausende Menschen wieder zurück in ihre Wohnungen. Die Polizei hob die Straßensperren rund um den Fundort auf, der in der Nähe der Europäischen Zentralbank liegt. Lediglich der Bereich um ein Pflegeheim blieb vorerst gesperrt, damit Hilfsdienste dessen Bewohner, darunter auch Wachkomapatienten, ungestört zurückfahren konnten.

"Alles lief reibungslos"

Der Kampfmittelräumdienst war schneller als zunächst erwartet. Eigentlich waren vier Stunden für die Entschärfung vorgesehen. "Alles lief reibungslos", sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt.

Die Experten hatten am Sonntag erst später loslegen können, weil die Polizei noch Nachzügler aus der Sperrzone hinausbegleitete. Größere Probleme gab es zwar nicht, aber der Transport von Menschen, die nur eingeschränkt mobil waren, dauerte länger. Danach suchte die Polizei die Sperrzone rund um den Fundort nahe der Europäischen Zentralbank noch einmal ab.

Rund 16.500 Menschen hatten am Sonntagvormittag ihre Wohnungen verlassen müssen. Einige nutzen eine von der Stadt bereitgestellte Notunterkunft. Zur Kontrolle des geräumten Gebiets überprüfte die Polizei rund 1000 Hausnummern. Vor der Freigabe überflog auch ein mit einer Wärmebildkamera ausgestatteter Helikopter das Gebiet.

Umleitungen und Ausfälle im Straßen- und Zugverkehr

Es kam zu Umleitungen und Teilausfällen im Fern-, Regional- und S-Bahnverkehr. Bereits ab dem Morgen fuhr die Bahnen Haltestellen im Evakuierungsgebiet nicht mehr an. Der außerhalb des Sperrgebiets liegende Hauptbahnhof blieb in Betrieb, das Aufkommen von Fahrgästen sei dort erhöht gewesen, so die Bahn. Sie hatte einen Fahrplan entwickelt, um die Auswirkungen möglichst gering zu halten. "Das ist uns gelungen", sagte ein Bahn-Sprecher.

Auch die Schifffahrt auf dem Main wurde zeitweise gebremst. Während der Entschärfung ließ die Deutsche Flugsicherung (DFS) die nördlichste Landebahn des Frankfurter Flughafens sperren. Diese Bahn sei dem Fundort der Bombe am nächsten. Am Frankfurt Airport werde geflogen, "aber mit reduzierter Kapazität", wie ein DFS-Sprecher sagte. Nach der Entschärfung sollte die Landebahn wieder freigegeben werden. Der Blindgänger war vor zehn Tagen bei Bauarbeiten entdeckt worden.

Update vom 07.07.2019, 15 Uhr: Banges Warten - Entschärfung hat begonnen

Immer wieder scheint der Hubschrauber in der Luft zu verharren, dreht dann doch wieder seine Kreise über dem Gebiet rund um die Europäische Zentralbank (EZB) im Frankfurter Ostend oder am gegenüberliegenden Sachsenhäusener Mainufer. Eigentlich sollten zu dieser Zeit am Sonntagmittag die Arbeiten für die Entschärfung einer amerikanischen Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg bereits begonnen haben.

Entschärfung: Das "Go" kam erst um 13:45 Uhr

Pech für René Bennert und seinen Kollegen vom Kampfmittelräumdienst, die in einer Baugrube unweit EZB ihren Job erledigen wollen. Doch erst einmal muss sichergestellt sein, dass sich wirklich niemand mehr in der Sperrzone aufhält. Erst um 13.45 Uhr kommt das "Go" - eigentlich sollte es um 12 Uhr losgehen.

Dabei hat alles eigentlich gut angefangen. "Die meisten Leute waren kooperativ", sagt Polizeisprecherin Chantal Emch. Um acht Uhr morgens hatten zwar noch ein paar vereinzelte Jogger ihre Runden unweit des Mainufers gedreht. Und auch, als das Flatterband der Polizei bereits abgesperrte Straßen markierte, setzten sich ein paar verspätete Anwohner in Bewegung. Doch viele der 16 500 Frankfurter, die für die Zeit der Bombenentschärfung ihre Wohnungen verlassen sollten, waren zu diesem Zeitpunkt schon unterwegs, einige nur mit einem kleinen Tagesrucksack, andere mit einem Koffer. "Man weiß ja nie", so eine Frau, die alle wichtigen Dokumente der Familie eingepackt hat. "Aber ich gehe natürlich davon aus, dass alles gut geht."

Der Zünder ist stark verformt

Davon geht auch Bennert aus, der mit einem Kollegen auch schon vor knapp zwei Jahren die knapp eine Tonne schwere Bombe im Frankfurter Westend entschärft hatte. Angst habe er bei seiner gefährlichen Arbeit nicht, versichert er. "Aber man darf nicht in Routine verfallen", betont der kräftige Mann mit den grauen Schläfen und dem dunklen Vollbart.

Die besondere Herausforderung bei der amerikanischen Bombe, die vor rund zehn Tagen bei Bauarbeiten in der Nähe der EZB gefunden wurde: Einer der beiden Zünder ist stark verformt. Der zweite könnte möglicherweise mithilfe der sogenannten Raketenklemme herausgeschraubt werden. Möglicherweise aber müssten beide ferngesteuert mit einer Wasserstrahlschneideanlage herausgeschnitten werden. "Wir konnten die Bombe bisher nur einmal näher in Augenschein nehmen - und dann mussten wir sie gleich abdecken, weil ein Unwetter im Anmarsch war", sagt Bennert.

Doch erst einmal muss die Sperrzone leer sein. In den Vormittagsstunden gab es noch einmal 300 Krankentransporte. Allmählich füllt sich auch die Betreuungsstelle, die im Zoogesellschafthaus eingerichtet wurde. Es gebe Unterbringungsmöglichkeiten für bis zu 400 Menschen, sagt Alexander Würzberger vom Deutschen Roten Kreuz. So viele seien bisher nicht an den langen Tischen zusammengekommen. Würzberger ist ganz froh darüber. "Es gibt hier nicht so viele Möglichkeiten, die Leute zu beschäftigen", räumt er ein.

Ein Zoobesuch kommt schon einmal nicht in Frage: eine seiner Mauern grenzt an die Sperrzone an und wurde an Sonntag geschlossen. Die Tiere in den Anlagen sollen sicherheitshalber in ihren Häusern bleiben, und auch die Tierpfleger halten sich während der eigentlichen Entschärfung in anderen Zoobereichen auf. Für viele Familien, die am frühen Nachmittag vor dem Zoo stehen, kommt das trotz vorangegangener Ankündigung überraschend. Ein schwer enttäuschter kleiner Junge kämpft mit den Tränen: "Ich wollte doch zum Tiger!"

 

 

Bombenentschärfung in Frankfurt: Was Sie wissen müssen

Fliegerbombe in Frankfurt: Am Sonntagmittag (7. Juli 2019) wird im hessischen Frankfurt eine Bombe entschärft. Die 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg befindet sich im Bereich Eytelweinstraße/Mayfahrtstraße am Main-Ostend. Der US-Sprengkörper wurde vor rund zehn Tagen bei Bauarbeiten gefunden. Die Maßnahmen rund um die Entschärfung beschäftigen das Evakuierungsgebiet den kompletten Sonntag. Informationen der Stadt Frankfurt zufolge beginnen die Behörden gegen 8 Uhr am Morgen damit, eine Sperrzone einzurichten. Den Planungen nach wird diese Zone einen Radius von bis zu einem Kilometer haben.

 

Die Behörden gehen davon aus, dass sich die Lage am Sonntagabend wieder entspannt.

 

Entschärfung: Das ist die Frankfurter Bombe

Informationen der Deutschen Presse-Agentur zu folge hat die Fliegerbombe zwei mechanische Zünder an Kopf und Heck. Der Sprengstoffanteil der Bombe beträgt 145 Kilogramm. Laut Kampfmittelräumdienst ist dieser Anteil niedriger als bei anderen Fliegerbomben: Jedoch enthält der Sprengkörper einen vergleichsweise hohen Anteil an gefährlichen Splittern im Inneren. Experten wollen eine sogenannte Wasserstrahl-Schneideanlage verwenden, um die Bombe unschädlich zu machen.

Massenevakuierung in Frankfurt: Diese Gebiete sind betroffen

Wie die Frankfurter Polizei frühzeitig mitteilte, betrifft die Sperrzone rund um die Bombenentschärfung am Sonntag, zahlreiche Gebäude: Neben der Europäischen Zentralbank (EZB) sind auch die Osthafenbrücke, ein Polizeirevier, der Ostbahnhof, Bahntrassen der nord- sowie südmainischen Eisenbahn, die S-Bahnhöfe Ostend und Mühlberg als auch die U-Bahnstation Ostbahnhof und der Frankfurter Zoo betroffen.

Insgesamt werden 16.500 Menschen evakuiert. Darunter befinden sich zum Teil "höchstpflegebedürftige" Personen aus einem Frankfurter Pflegeheim. Rettungswagen bringen sie in Krankenhäuser beziehungsweise in gleichwertige Einrichtungen, wo medizinisches Personal bereitsteht. Am Samstag vermeldete die Deutsche Presse-Agentur, dass die ersten Patienten aus der Sperrzone gebracht wurde. Helfer brachten demnach 25 Wachkomapatienten in andere Heime und Krankenhäuser. Ein Feuerwehrsprecher sagte zur dpa: "Die Verlegung ist problemlos angelaufen. Die Branddirektion Frankfurt am Main informiert auf einer Karte über das Evakuierungsgebiet.

Die rund 16.500 Menschen, die evakuiert werden, müssen gegen 8 Uhr am Morgen ihre Wohnung verlassen. Mitarbeiter der örtlichen Polizei sowie das Ordnungsamt kontrollieren das. Aktuell sind Polizisten im Evakuierungsgebiet unterwegs und überprüfen, ob die Wohnungen leer sind.

Die Evakuierungsmaßnahmen sind weitestgehend abgeschlossen, wie die Frankfurter Feuerwehr via Twitter mitteilt.

 

 

 

Zoo hat geschlossen: "Zoo Frankfurt" liegt am Rande des Gebiets

Der "Zoo Frankfurt", nahe des Ostbahnhofs gelegen, hat am Sonntag geschlossen. Diese Maßnahme wird darin begründet, dass weder Menschen noch Tiere durch einen potenziellen Knall, ausgelöst durch eine Explosion, in Mitleidenschaft gezogen werden soll.

 

inFranken.de aktualisiert den Artikel, zur Bombenentschärfung in Frankfurt, sobald es Neuigkeiten gibt.

 

Anfang Mai wurde an der Autobahn bei Nürnberg ebenfalls eine Bombe entdeckt. Diese befand sich an einer Gasleitung. Es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Die Fliegerbombe wurde schließlich gesprengt.