Lübeck
Unfall auf A1

Dreiste Autofahrer wenden in Stau und fahren durch Rettungsgasse

Unfassbar dreist: Nach einem schweren Unfall auf der Autobahn 1 bei Lübeck in Schleswig-Holstein haben Autofahrer im Stau gewendet und sind in der Rettungsgasse zurückgefahren. Dass sie dabei Rettungskräfte behinderten, kümmerte die Autofahrer nicht.
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Ein Feuerwehrfahrzeug fährt durch eine Rettungsgasse im Stau hinter einer Unfallstelle auf der Autobahn. Auf der A1 bei Lübeck hätte das so nicht geklappt - denn einige Autofahrer wendeten und fuhren durch die Rettungsgasse zurück.  Symbolfoto: Jan Woitas/dpa
Ein Feuerwehrfahrzeug fährt durch eine Rettungsgasse im Stau hinter einer Unfallstelle auf der Autobahn. Auf der A1 bei Lübeck hätte das so nicht geklappt - denn einige Autofahrer wendeten und fuhren durch die Rettungsgasse zurück. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa

Autofahrer wenden in Rettungsgasse auf der A1: Nach einem schweren Verkehrsunfall, der sich bereits am Dienstagvormittag (14.05.2019) auf der Autobahn 1 bei Lübeck ereignet hatte, sorgten zahlreiche Autofahrer für Kopfschütteln bei der Polizei. Wie erst jetzt bekannt wurde, wendeten einige Autofahrer in der gebildeten Rettungsgasse und fuhren zurück zum Kreuz Lübeck, um den Stau zu umgehen. Dabei nahmen die Autofahrer eine Behinderung der Rettungskräfte billigend in Kauf.

 

Unfall auf der A1: Was war passiert?

Aufgrund einer Staubildung kurz vor der Abfahrt Moisling musste ein unbeladener Lkw mit Anhänger bis zum Stillstand abbremsen, berichtet die Polizei. Ein folgender VW-Caddy konnte ebenfalls noch abbremsen. Der dann folgende Sattelzug, welcher mit Airbagmodulen beladen war - dabei handelt es sich um Gefahrstoffe - erkannte die Situation offenbar zu spät und fuhr nach ersten Erkenntnissen ungebremst zuerst auf den vor ihm fahrenden VW-Caddy auf. Dieser wurde durch den Aufprall zunächst gegen den vorausstehenden Anhänger geschoben, wobei er jedoch zeitgleich ins Schleudern kam und nach links über die Fahrstreifen gegen die Mittelschutzplanke geschleudert wurde. Hier kam der Caddy zum Stehen. Der Fahrzeugführer wurde leicht verletzt und ins Krankenhaus gefahren.

Fahrer im Führerhaus eingeklemmt und schwer verletzt

Der Stattelzug prallte nun gegen den stehenden Anhänger. Hierdurch wurde die Zugmaschine so stark eingedrückt, dass der 49-jährige Fahrzeugführer im Führerhaus eingeklemmt wurde. Nach einer Stunde konnte er aus dem Fahrzeug befreit werden und kam mit schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen, ins Krankenhaus. Auch der Fahrer des Lkw wurde leicht verletzt, konnte aber eigenständig sein Fahrzeug verlassen und kam ins Krankenhaus.

Eine nachfolgende Fahrzeugführerin fuhr mit ihrem VW-Golf im Anschluss noch leicht auf den Stattelzug auf. An allen Fahrzeugen entstanden erhebliche Sachschäden, die Schadenshöhe wird über 80.000 Euro betragen.

Die Straßenmeisterei richtete umfangreiche Umleitungen ein. Auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz. Feuerwehr und Rettungsdienst Lübeck waren ebenfalls mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort.

Erst gegen 13.30 konnte der linke Fahrstreifen in Richtung Norden für den Verkehr freigegeben werden. Weil das vielen Verkehrsteilnehmern offenbar zu lange dauerte, wendeten einige Autofahrer - ohne Weisung von Polizeibeamten - im Stau und fuhren durch die vorbildlich gebildete Rettungsgasse zum Kreuz Lübeck zurück und dort von der Autobahn ab.

Bei der Polizei gingen zahlreiche Hinweise zu den Rettungsgassen-Fahrern ein. Dort werden die Hinweise und Videosequenzen nun gesichtet, um die Verursacher zu ermitteln. Die Polizei bittet um weitere Hinweise beziehungsweise Videos von Zeugen. Diese können auf dem Hinweisportal der Landespolizei Schleswig-Holstein unter dem Stichwort "Rettungsgasse" hochgeladen werden.

Immer wieder Ärger in der Rettungsgasse

Der Lübecker Fall ist leider nicht der erste, bei dem es Ärger mit der Rettungsgasse gab. Erst vor wenigen Tagen fuhr ein ungeduldiger Autofahrer auf der A8 in Bayern durch eine Rettungsgasse und rammte dabei mehrere Autos. Etwa vor einem Monat sorgte ein Rettungsgassen-Blockierer in Nürnberg für Ärger. Der 76-Jährige behinderte nicht nur die Einsatzkräfte, sondern beleidigte auch noch einen Feuerwehrmann.