Passau
Gewaltausbruch

In Passau: Tödliche Schlägerei - Junge (15) erstickt am eigenen Blut, was war passiert?

Das Drama in Passau hat Entsetzen ausgelöst. Nach einer Schlägerei unter jungen Leuten ist ein 15-Jähriger gestorben - tatsächlich an den Folgen von Gewalt?
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In Passau wurde ein 15-Jähriger bei einer Schlägerei unter Jugendlichen getötet. Die Todesursache ist noch nicht geklärt. Foto: Sebastian Daiminger/Passauer Woche/dpa
In Passau wurde ein 15-Jähriger bei einer Schlägerei unter Jugendlichen getötet. Die Todesursache ist noch nicht geklärt. Foto: Sebastian Daiminger/Passauer Woche/dpa
15-Jähriger stirbt nach Schlägerei: Nach dem Tod eines 15-Jährigen bei einer Schlägerei in Passau wird mit Spannung das Obduktionsergebnis erwartet. Die Rechtsmedizin in München hat den Leichnam untersucht, an diesem Mittwoch (18. April 2018) will die Polizei über das Ergebnis informieren. Bislang ist völlig unklar, ob der Jugendliche an den Folgen von Gewalt starb oder ob er möglicherweise unerwartet einer Krankheit erlag.


Passau: Sechs junge Leute festgenommen

Der Tod des 15-Jährigen hatte in der niederbayerischen Stadt für Erschütterung und Entsetzen gesorgt. Er war bei der Schlägerei am Montagabend zu Boden gegangen und wenig später in einer Passauer Klinik gestorben. Nach der Auseinandersetzung wurden nach Polizeiangaben sechs junge Leute im Alter zwischen 14 und 25 Jahren festgenommen.

Laut Polizei eskalierte ein zunächst verbaler Streit. Insgesamt waren rund 20 Personen bei der Schlägerei anwesend. Eine Passantin rief die Polizei. Als die Beamten eintrafen, verschwanden die Beteiligten. Mit einem größeren Aufgebot an Landes- und Bundespolizisten wurden die sechs Verdächtigen gefasst. Das Opfer stammt aus dem Landkreis Passau, bei den Tatverdächtigen handelt es sich um deutsche, polnische und tunesische Staatsangehörige.


Passau: Tat in Einkaufspassage

Die Tat ereignete sich in der Passauer Innenstadt bei einer Einkaufspassage. Laut einem Streetworker des Jugendamtes handelt es sich dabei um einen bei jungen Leuten beliebten Treffpunkt. Die Ermittler suchen nun dringend nach Zeugen, die das Geschehen beobachtet haben. Insbesondere bat die Polizei eine Dame mit Hund - vermutlich einem Mops - sich zu melden, sie soll das Geschehen beobachtet haben.


Innenminister Herrmann: Schlägerei hatte Vorgeschichte

Erschüttert äußerte sich am Dienstag Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zu dem Vorfall in Passau: Seines Wissens nach handele es sich mutmaßlich um Auseinandersetzungen von zwei verschiedenen Jugendgruppen, die schon länger im Clinch miteinander gelegen hätten, sagte er dem Radiosender "antenne Bayern". Er sprach von einer "besonders brutalen Schlägerei".

Solch ein Vorfall sei ein absoluter Ausnahmefall, sagte der Kriminologe Christian Pfeiffer der Deutschen Presse-Agentur. Bei jungen Leuten, die in Deutschland auch schon 2014 gewohnt haben, sei die Jugendgewalt insgesamt um etwa die Hälfte zurückgegangen in den vergangenen zehn Jahren. "Und bei den Tötungsdelikten speziell fängt es schon früher an." Von 2000 bis 2016 sei die Zahl der Fälle deutlich um mehr als ein Drittel gesunken.

Auch an den Schulen gebe es in den vergangenen 20 Jahren einen Rückgang der bei Schlägereien schwer verletzten Schüler um fast zwei Drittel. "Also von daher ist diese Geschichte ganz gegen den Trend", sagte der ehemalige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. "Das, was sich da ereignet hat, ist traurig und fürchterlich für die Betroffenen. Aber es ist nicht die Bestätigung für die wachsende Gewalt Jugendlicher."

In jüngster Vergangenheit hatten mehrere Fälle von tödlicher Gewalt unter Jugendlichen für Aufsehen gesorgt. Dabei handelte es sich um Messerattacken. So starb im März in Flensburg eine 17-Jährige, als sie in ihrer Wohnung von ihrem 18-jährigen Freund angegriffen wurde. In Berlin erstach ein 15-Jähriger eine ein Jahr jüngere Mitschülerin. Im Februar verletzte ein 16-Jähriger in Dortmund eine 15-Jährige mit einem Messer so schwer, dass sie wenig später starb. Ebenfalls durch Messerstiche starb im Januar in einer Schule in Lünen ein 14-Jähriger - mutmaßlicher Täter war ein 15-Jähriger.