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Wissenschaft

Riesenstern droht zu explodieren: So hell wie der Mond - und gefährlich für die Menschheit?

Eine "Supernova" ist eine der größten Gefahren überhaupt. In einer Entfernung von bis zu zehn Lichtjahren würde eine solche Explosion einen Großteil der Menschheit töten. Droht eine solche Gefahr nun auch von dem Riesenstern "Beteigeuze" im Sternbild Orion?
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  • Der Riesenstern "Beteigeuze" könnte bald explodieren
  • Er könnte zur Supernova werden, was dramtische Auswirkungen für die Erde hätte.
  • Erste Anzeichen verdichten sich, weil die Helligkeit des Sterns abgenommen hat.

Update vom 25.1.2020: Beteigeuze - weitere Forscher berichten über Helligkeitsverlust

Der Riesenstern Beteigeuze könnte vor einer Supernova stehen. Vor allem der Verlust der Helligkeit ist ein starkes Indiz dafür. Nun berichten weitere Forscher über ihre Beobachtungen. Im "Astronomers Telegram" schreiben Edward F. Guinan und Richard J. Wasatonic darüber, dass die Helligkeit des Sterns seit September 2019 abgenommen hat. Das Magazin "Spektrum der Wissenschaft" verdeutlicht, dass Beteigeuze normalerweise stets zu den zehn hellsten Sternen am Himmel gehöre. Im letzten Quartal des Jahre 2019 sei er jedoch auf Platz 21 abgerutscht.

Guinan und Wasatonic zufolge, die beide an der Villanova University in Pennsylvania (USA) forschen, könne dies einerseits mit Gas-Ausstößen zu tun haben, die den Stern verdecken, aber auch mit dem natürliche Helligkeitszyklus des Sterns. Der Tiefpunkt der Helligkeit wird im Januar oder im Februar erwartet. Sollte die Leuchtkraft von Beteigeuze danach nicht mehr zunehmen, wäre das ein weiteres starkes Indiz für eine bevorstehende Explosion des Sterns.

Update, 21.01.2020: Detektoren messen Gravitationswellen - Beteigeuze im Sternbild Orion ausgebrochen?

Der Riesenstern "Beteigeuze", der seit Anfang Januar 2020 in den Fokus von Wissenschaftlern gerückt ist, verliert massiv an Helligkeit. Der Verdacht von Astronomen, dass der Stern demnächst sterben könnte, wurde kürzlich durch gemessene Gravitationswellen unterstrichen. Wie c.net.com unter Berufung auf Expertenkreise berichtet, haben die Detektoren "Ligo" und "Virgo" Gravitationswellen gemessen, die auf einen unerwarteten Ausbruch hinwiesen.

Die Daten wurden am 14. Januar 2020 aufgezeichnet. Den Forschern war zunächst nicht klar, mit was genau sie es zu tun hatten. Derartige Gravitationswellen waren noch nie gemessen worden. Sie konnten auf eine Supernova oder einen Gammastrahlenausbruch hinweisen.

Dem Ausbruch wurde der Titel "S200114f" zugeordnet. Nachforschungen der beteiligten Wissenschaftler verfolgten das Phänomen im Weltall. Ergebnis war, dass es grob aus der Region des Sterns "Beteigeuze" stammte.

Allerdings wurde festgestellt, dass "Beteigeuze" nicht explodiert sei. Mehrere beteiligte Forscher äußerten sich dazu via Twitter. Andy Howell, einer der Wissenschaftler, betonte, dass "Beteigeuze" nicht aus der exakten Region des Ausbruchs komme. Allerdings ist weiterhin unklar, was die Gravitationswellen verursacht hat. Eine Möglichkeit ist, dass es sich um einen falschen Alarm gehandelt hat.

Erstmeldung, 11.01.2020: Explosion im Weltall? "Beteigeuze" im Fokus

Supernova-Gefahr des Sterns Beteigeuze im Sternbild Orion? Beteigeuze ist einer der hellsten Sterne am Nachthimmel. Bis vor kurzem war er sogar unter den Top 10 der hellsten Sterne - nun liegt er jedoch nur noch auf Platz 21.

Was im ersten Moment widersprüchlich klingt: Dieser Abfall der Helligkeit seit Oktober 2019 könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Riesenstern bald explodieren könnte. Die Helligkeit der Riesensonne hat sich seit Oktober mehr als halbiert.

In der Fachpresse herrscht Uneinigkeit, was "bald" in diesem Zusammenhang heißt - und welche Gefahren mit einer solchen Explosion einhergehen würden. Wir haben Fragen und Antworten zu Beteigeuze, Supernovae und Gefahren aus dem All gesammelt.

Was ist Beteigeuze?

Beteigeuze bildet die Schulter des Himmelsjägers Orion und ist der zweithellste Stern dieser Konstellation. Er ist mit bloßem Auge als heller roter Punkt erkennbar. Der Riesenstern besitzt etwa die zwanzigfache Masse und rund den tausendfachen Durchmesser unserer Sonne. Damit gilt er als roter Riese - der eine wesentlich kürzere Lebensdauer als unsere Sonne hat und nur wenige Millionen Jahre lebt.

Die Helligkeit des Roten Riesen schwankt in zwei unregelmäßigen Zyklen, die jeweils knapp sechs Jahre und etwa 425 Tagen dauern. "Wir wissen nicht genau, was die Variabilität von Beteigeuze ausmacht", erläuterte der Sternforscher Thomas Janka vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München. Möglicherweise schluckten unter anderem vom Stern ins All geblasene Materiewolken vorübergehend das Licht der Riesensonne.

Beteigeuze hat unter anderem zahlreiche Autoren inspiriert. So ist der Stern in der Romanreihe "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams das Heimatsystem der Protagonisten Ford Prefect und Zaphod Beeblebrox. Auf einem fiktiven Planeten um Beteigeuze spielt zudem Pierre Boulles mehrfach verfilmtes Buch "Der Planet der Affen". Und der deutsche Schriftsteller Arno Schmidt bezieht sich in den physikalischen Abhandlungen seiner Erzählung "Leviathan" auf Beteigeuze.

Was passiert mit Beteigeuze?

Astronomen rätseln über eine außergewöhnliche Schwächeperiode des Roten Riesen Beteigeuze im Sternbild Orion. Die Helligkeit der Riesensonne hat sich seit Oktober mehr als halbiert. Die genaue Ursache für den starken Helligkeitsabfall sei nicht bekannt, erläuterte Janka. Dies heizte Spekulationen an, ob eine Explosion unmittelbar bevorstehe.

Da Beteigeuze seinen Vorrat extrem schnell verbrennt, hat der Rote Riese eine vergleichsweise geringe Lebenserwartung: Obwohl er erst etwa acht Millionen Jahre alt ist, wird er bald als Supernova explodieren. Bald bedeutet in astronomischen Maßstäben allerdings irgendwann in den kommenden 100 000 Jahren. "Es kann in ein paar Jahren, in ein paar Jahrhunderten oder in ein paar Jahrtausenden soweit sein", sagte Sternforscher Thomas Janka vom Max-Planck-Institut gegenüber der dpa.

Was ist eine Supernova und welche Gefahren drohen durch sie?

Sterbende Sterne ab einer bestimmten Größe enden in einer riesigen Explosion - Supernova genannt. Eine Supernova ist sozusagen der "Todesschrei" eines sterbenden Sterns: Die Kernfusion im Inneren geht in seine letzte Phase, der letzte Kernbrennstoff wird verbraucht. Dann kollabieren die Sternhüllen unter der Masse des Sterns und in einer darauf folgenden Explosion werden Abermilliarden Tonnen Material und hochfrequente Strahlung ins Weltall geschleudert. Als "Sternleiche" bleibt dann, je nach Masse, ein Schwarzes Loch oder ein Neutronenstern zurück.

Je nach der Entfernung einer Supernova von der Erde, können die Folgen für uns Menschen fatal sein. Die entstehende Gammastrahlung könnte Abermillionen Menschen augenblicklich töten. Allerdings müsste die Explosion dafür in eine Entfernung von maximal 10 Lichtjahren stattfinden, wie der Physiker und Astronaut Professor Ulrich Walter von der Technischen Universität München gegenüber der "Welt" verriet.

Da Beteigeuze etwa 600 Lichtjahre entfernt ist, droht diese Gefahr nicht. Allerdings könnten durchaus tödliche Gefahren lauern: Die Strahlung könnte die Ozonschicht der Erde stark beeinträchtigen. Die dann ungefiltert einfallende UV-Strahlung würde die Krebsrate in die Höhe treiben. Außerdem würden elektromagnetische Signale beeinträchtigt - die Telekommunikation könnte zusammenbrechen.

Sicher ist: Wenn Beteigeuze explodiert, wird die Explosion mindestens so hell sein, wie unser Mond: Auch am Tag wird man dann ein helle Kugel am Himmel sehen können. Ob dies noch zu unseren Lebzeiten passiert, ist aber weiterhin unklar.

Tipp für Interessierte: Weitere Informationen über Supernovae und andere spannende Himmelsphänomene bereiten auch Harald Lesch und Kollegen auf ihrem Internet-Auftritt "Weltall, Urknall und das Leben" auf.

Steht eine Explosion Beteigeuzes unmittelbar bevor?

Während verschiedene Medien die Entwicklung Beteigeuzes als Hinweis auf eine nahende Explosion interpretieren, ist die Forschergemeinde zurückhaltender: Als Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Supernova-Explosion des Stern sieht beispielsweise Wissenschaftler Janka das Phänomen nicht. Die auffällige Schwächeperiode scheine daher zu rühren, dass beide beobachteten Aktivitätszyklen des Sterns gleichzeitig ein teils ungewöhnlich tiefes Minimum erreicht hätten, schrieben Forscher im "Astronomer's Telegram".

Spekulationen hatten den jetzt beobachteten außergewöhnlichen Helligkeitsverlust als möglichen Vorboten einer solchen Supernova gedeutet. Das ist nach Jankas Worten jedoch nicht plausibel. Der Grund sei eine Entkopplung der Sternhülle von seinem Kern. "Die Helligkeit der Hülle ist unabhängig vom Kern", erläuterte der Astrophysiker. Wenn sich überhaupt eine Veränderung bemerkbar mache, sei eher zu erwarten, dass der Rote Riese vor einer Supernova-Explosion heller werde. "Beteigeuze ist ein Supernova-Kandidat, aber wann es soweit ist, lässt sich momentan nicht vorhersehen", so Janka.

Doch selbst wenn eine Explosion nicht unmittelbar bevorstehen sollte, in kosmologischen Begriffen wird eine Explosion sehr wohl innerhalb kürzester Zeit erfolgen.

rowa/mit dpa