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Tierisches

Berlin: Eisbärmädchen wird nach Fußballclub benannt - Sie heißt Hertha

Ohne Namen keine Tier-Stars: Wenn Zoobewohner mit großem Rummel getauft werden, steht dahinter immer auch ein Werbegedanke. Die Entscheidung, die der Berliner Tierpark für sein Eisbärenmädchen getroffen hat, polarisiert aber nicht nur deshalb.
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Der Name für die kleine Eisbärin ist gerade verkündet, Leckerli und ein blau-weißer Ball mit Aufschrift "Hertha" liegen bereit. Doch als das rund vier Monate alte Eisbärchen auf die Außenanlage tapst, interessiert es sich erst einmal nicht dafür. Planschen geht vor, erst später kickt sie drauf los. Der Kleinen ist es sichtlich egal, dass der Tierpark, in dem sie lebt, sie nun mit dem gleichnamigen Sportverein auf den Namen Hertha getauft hat.

Diskussionen über Namen

In der Hauptstadt hat die Entscheidung derweil heftige Diskussionen ausgelöst - mit Hertha und Tierpark komme etwas zusammen, das nicht zusammenpasst, so der Tenor bei manchen. Das hat noch mit der Geschichte als geteilte Stadt zu tun. Hertha BSC, die "Alte Dame", ist im Westen der Metropole verwurzelt. Der Tierpark hingegen ist das etwas abseits im Osten gelegene Pendant zum bekannten Berliner Zoo, der einst mit Eisbär Knut die Massen lockte. Im Osten sympathisieren viele eher mit dem Zweitligisten 1. FC Union Berlin.

In den sozialen Medien spiegelt sich die Debatte wider: Neben Ost und West geht es oft um die Frage, wie viel Kommerz ein Eisbär verträgt. Ein Kommentator bei Facebook fragt ironisch, warum nicht gleich ein Vereinslogo auf dem Fell platziert worden sei: "Auf so einem Eisbären ist viel freie Werbefläche". Andere witzelten, der Name sei ein schlechtes Omen, wenn man an so manche Leistung der Fußballer denke. An der Eisbärenanlage sind bei Familien und Senioren hingegen keine kritischen Töne zum Namen zu hören. Schließlich ist er kurz, knackig und aussprechbar - Panda Jiao Qing aus dem Zoo lässt grüßen.

Eisbärpate mit vielen Fans

Der Name Hertha sei eng mit der Stadt Berlin verbunden, begründete Tierpark-Direktor Andreas Knieriem die Wahl des Eisbärenpaten. Der Verein mit Millionen Fans könne großes Publikum anziehen. Das ist besonders wichtig für den Tierpark: Im Vorjahr hatte er weniger als halb so viele Besucher wie der Zoo, obwohl er über die weitläufigere Anlage mit altem Baumbestand und Schloss verfügt.

Die Patenschaft ist auf zwei Jahre angelegt, danach kommt Hertha im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms womöglich in einen anderen Zoo. Ziel sei es, einen Teil der Versorgungskosten zu finanzieren. Dazu gehören Futter, die Anschaffung von Beschäftigungsmaterial und der Arbeitsaufwand der Tierpfleger.

Außerdem solle die breite Öffentlichkeit auf die gefährdete Lage von Eisbären in der Natur aufmerksam gemacht werden. Um welche Summe es geht, ist geheim, aber eine Zoo-Sprecherin betonte, die Patenschaft sei nicht meistbietend vergeben worden. Und die kleine Eisbärin? Für sie ist der neue Ball kurz interessant, eine ganze Zeit lang treibt er dann unbeachtet im hintersten Winkel des Wassergrabens.

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