Mit bunten Keramiksteinen sollen Spieler den Palast des portugiesischen Königs Manuel I. fliesen: Handwerker konkurrieren darum, die besten Keramikfliesen (Azulejos) aus den Manufakturen zu ergattern. "Azul" heißt das Legespiel, das am Montag, 23. Juli, in Berlin als Jahrgangsbestes 2018 gekürt wurde. Das "Spiel des Jahres" wurde nun schon zum 40. Mal gewählt. Erstmals wurde der Preis 1979 vergeben. Damals gewann "Hase und Igel".

Die ehrenamtliche Kritikerjury vom Verein "Spiel des Jahres" sondiert jährlich den Spielemarkt und wählt jeweils aus allen Neuerscheinungen das nach ihrer Ansicht beste Spiel aus. Die Fachjournalisten bewerten Idee, Regelgestaltung, Layout und Design. Nach Angaben des Vereins kommen hierzulande bis zu 1000 Brettspiele jährlich neu heraus.


100 ästhetische Fliesen und hoher Wiederspielreiz


Bei "Azul" vom kanadischen Verlag Plan B Games (Vertrieb in Deutschland: Pegasus Spiele) lobt die Jury vermeintliche Gegensätze: ein nüchternes Spielbrett und ästhetische Mosaiksteine. "Allein das Material ist ein Genuss." 100 bunte Azulejos können aus einem Beutel herausgenommen werden, ein "nahezu endloser Wiederspielreiz" werde ausgelöst. Das Taktik-Spiel kostet etwa 40 Euro und ist für Spieler ab acht Jahren geeignet.

Erfinder Michael Kiesling lacht übers ganze Gesicht, als er die Urkunde und eine überdimensionierte, hölzerne Halmafigur entgegennimmt. "Es freut mich sehr", so der 60-Jährige. Er gewinnt den Preis schon zum dritten Mal. Zunächst habe er ein rein abstraktes Spiel mit Holzsteinen geplant, sagt Kiesling. Dann habe der Verlag aber "das wunderbare Material" vorgeschlagen.


Brettspiele als Gegentrend zur digitalen Unterhaltung


Zu Hause oder bei Freunden zusammensitzen und sich zusammen über ein Spiel beugen - funktioniert das noch im digitalen Zeitalter? "Ganz klar Ja, als Gegentrend zur digitalen Unterhaltung", sagt der Geschäftsführer von "Spiel des Jahres", Guido Heinecke. Wer tagsüber vor einem Computer sitze, suche oft den Ausgleich einer Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Gerade junge Erwachsene würden zunehmend Brettspiele für sich entdecken.

Deutschland sei weltweit der größte Brettspielmarkt mit einem Umsatz von rund 400 Millionen Euro, betont Heinecke. Die Verkaufszahlen gingen langsam, aber stetig nach oben. Auch der Logo-Aufdruck von "Spiel des Jahres" mit einer Lorbeer umkränzten Halmafigur kurbele den Verkauf an, heißt es bei Spieleentwicklern. Und für die Verwendung des Logos bekommt der Verein Lizenzgebühren von der Verlagen. Damit werden Geschäftsstelle, Internetseite und die Auftritte bei Messen finanziert. Es werde sich strikt am Verbraucher orientiert, nicht an Verlagen oder Autoren, heißt es in der Selbstdarstellung des Vereins.


Nominierte und weitere Preisträger


Nominiert als "Spiel des Jahres" waren neben "Azul" auch "Luxor" vom Verlag Queen Games (Troisdorf) und "The Mind" vom Nürnberger-Spielkarten-Verlag (Fürth). Mit einen Sonderpreis ausgezeichnet wurde "Pandemic Legacy - Season 2" vom Verlag Z-Man Games (Roseville/USA), in Deutschland vertrieben von Asmodee (Essen). Bei dem komplexen kooperativen Spiel müssen die Teilnehmer mit den Folgen einer weltweiten Seuche umgehen.

Der Preis in der Kategorie "Kennerspiel des Jahres", die sich an erfahrene Spieler richtet, geht an "Die Quacksalber von Quedlinburg" des Autoren Wolfgang Warsch und Grafikers Dennis Lohausen. Das "Kinderspiel des Jahres" wurde bereits im Juni in Hamburg gekürt und heißt "Funkelschatz" (Haba).

Azul (Spiel des Jahres)
Luxor (nominiert als Spiel des Jahres)
The Mind (nominiert als Spiel des Jahres)
Pandemic Legacy - Season 2 (Sonderpreis Spiel des Jahres)
Die Quacksalber von Quedlinburg (Kennerspiel des Jahres)
Funkelschatz (Kinderspiel des Jahres)
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