Gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt gab die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), am Montag in Berlin die Zahl der Drogentoten 2016 bekannt. Seit einigen Jahren steigt die Opferzahl wieder. Gründe dafür sind Experten zufolge eine steigende Stoffqualität und sinkende Preise.

321 Menschen sind im vergangenen Jahr in Bayern an den Folgen von Drogen gestorben. Das sind sieben mehr als im Vorjahr und im Vergleich der Bundesländer die meisten Menschen, wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung hervorgeht. In bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt die Zahl mit 204 deutlich darunter.

Auf die Bevölkerungsanzahl umgerechnet ist Bayern aber nicht das Land mit den meisten Drogentoten. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl gab es in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen mehr Menschen, die an Drogen starben.


Huml: "Anstieg ist besorgniserregend"

"Der Anstieg der Zahl der Drogentoten in Bayern und in ganz Deutschland ist besorgniserregend", sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Montag der Deutschen Presse-Agentur. "Der Freistaat Bayern investiert zwar bereits rund sieben Millionen Euro im Jahr für Maßnahmen zur Suchtprävention und Suchthilfe. Aber der Kampf gegen Drogen muss weiter verstärkt werden."

Das gelte vor allem für den deutlichen Anstieg der Todesfälle im Zusammenhang mit "Neuen psychoaktiven Stoffen (NPS)", so die Ministerin. Bei diesen als "Legal Highs" bezeichneten Stoffen handelt es sich etwa um Kräutermischungen, Badesalze oder Reinigungsmittel, die berauschende Wirkung haben können. "Das bayerische Gesundheitsministerium prüft deshalb, mit welchen zusätzlichen Schritten wir diesem Trend entgegenwirken können", sagte Huml.

Bayern setze auf verschiedene Maßnahmen, um gegen Drogensucht anzukämpfen. Zum einen unterstütze der Freistaat rund 180 ambulante Beratungs- und Behandlungsstellen für Suchtkranke. In den meisten Drogenschwerpunkten könnten Abhängige außerdem Kontaktläden und Notschlafstellen aufsuchen, so die Ministerin. Zusätzlich finanziere Bayern zahlreiche Aufklärungsprojekte für junge Leute.


Kritik von SPD und Grünen: Drogenpolitik gescheitert

Kathrin Sonnenholzner, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, reagierte mit Kritik. "Die strikte Anti-Drogen-Politik Bayerns ist grandios gescheitert", sagte sie am Montag. Ihrer Auffassung nach wäre es unter anderem nötig, Drogenkonsumräume einzurichten, in denen Süchtige kontrolliert Drogen einnehmen könnten.

Ulrich Leiner, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, bekräftigte diese Forderung. Die Drogenpolitik der Staatsregierung sei gescheitert - auch, weil es Ärzten wegen zahlreicher Auflagen erschwert werde, Abhängigen Ersatzmittel für harte Drogen zu verabreichen. "Damit treiben wir eine ganze Menge von Leuten wieder zum illegalen Drogenkonsum", sagte er.


Neun Prozent mehr Drogentote in Deutschland

Deutschlandweit stieg die Zahl der Drogentoten um 107 auf 1333. Das entspricht einem Anstieg von neun Prozent. Haupttodesursache war den Angaben zufolge eine Überdosis. Darüber hinaus führten entweder Langzeitfolgen zum Tod oder Unfälle und Suizide im Rausch. Unverändert ist Heroin die Ursache der meisten Todesfälle.

2015 gingen die meisten Drogentoten auf den Konsum von Heroin zurück, hieß es bei der Vorstellung des Jahresberichts zur Rauschgiftkriminalität im vergangenen Jahr. Auch sogenannte Legal Highs hätten zum Anstieg der Todeszahlen beigetragen.

Die Zahl der Drogentoten war 2015 um 18,8 Prozent auf 1226 gestiegen. Ein Jahr zuvor waren es 1032 - 2013 noch 1002 Drogentote. Bis 2012 ging die Opferzahl zurück.


Umdenken gefordert

Der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann forderte ein Umdenken in der Drogenpolitik. "Dass die Substanzen immer reiner und preiswerter werden, zeigt, dass wir mit der Verbotspolitik an diesem Ende nicht weiter kommen", sagte Gaßmann der Deutschen Presse-Agentur. Für Bundes- und Länderregierungen bestehe längst dringender Handlungsbedarf, ein "Weiter so" könne es nicht geben. "Wir brauchen fachpolitische Lösungen", sagte der Suchtexperte.

Seit Jahren steige die Zahl der Drogentoten wieder, seit Jahren klagten Politiker darüber. "Aber es ändert sich nichts", sagte Gaßmann mit Blick auf die Vorstellung des Berichts. Die gesundheitliche Versorgung von Suchtkranken etwa in Gefängnissen müsse besser werden. Viele der Drogentoten seien abhängige Häftlinge gewesen. Einige würden schon kurz nach ihrer Entlassung an einer Überdosierung sterben, weil sie im Gefängnis nicht oder nur unzureichend mit beispielsweise dem Heroin-Ersatzstoff Methadon versorgt würden.