Der "Wetterochs" ist sich sicher: Mit "Xaver" und Nikolaus ist der Winter nach Franken gekommen, und er beißt sich erst mal fest. Es bleibt kalt, und zumindest am Samstag fällt auch noch Schnee vom Himmel, sagt der Diplomphysiker Stefan Ochs in Herzogenaurach, der eine private Wetterseite betreibt (www.wetterochs.de).
Die weiße Decke, die sich am Freitag auch in weiten Teilen des fränkischen Flachlandes ausgebreitet und die höheren Berge dick eingepackt hat, ist eine bleibende Erinnerung an "Xaver". Davon abgesehen hat sich das Orkantief an der Nordseeküste offenbar so weit verausgabt, dass in Franken kaum mehr als ein (weißer) Hauch ankam.

Orkanböen im Fichtelgebirge

Auf den Gipfeln der fränkischen Mittelgebirge zeigte "Xaver" allerdings seine Zähne: In der
Rhön, im Spessart und im Fichtelgebirge registrierten die Wetterstationen Böen mit Spitzengeschwindigkeiten um 100 Stundenkilometer - Orkan!

Je tiefer, desto schwächer blies der Wind. Eine Abfrage bei den Polizeidienststellen in Ober-, Unter- und Mittelfranken ergab weitgehend Fehlanzeige. Unmittelbare Sturmfolgen waren zwei umgekippte Lastzüge auf der A7 bei Würzburg/Estenfeld und im Stadtgebiet von Lichtenfels. In Schnackenwerth (Landkreis Schweinfurt) stürzte am Donnerstagabend die Giebelwand einer Scheune auf mehrere geparkte Autos. In allen Fällen blieb es bei Sachschaden.Eine Handvoll Fluggäste in Franken musste wegen "Xaver" am Boden bleiben. Der Airport in Nürnberg konnte zwar alle Starts und Landungen planmäßig abwickeln, die Flüge nach Hamburg wurden allerdings am Donnerstag und Freitag wegen der Schließung des Flughafens in der Hansestadt annulliert.

Der Rest des Freistaats kam ebenfalls recht glimpflich davon: Die Einsatzkräfte waren zwar in weiten Teilen des Landes gefordert, es entstanden aber keine größeren Schäden. Am Münchner Flughafen fielen gestern 37 Starts und Landungen aus. Dabei war "Xaver" in München selbst gar nicht so schlimm - die Annullierungen waren wie in Nürnberg Folge der Wetterlage in Norddeutschland.

Relativ problemlos haben auch die Stromversorger den Durchzug von "Xaver" überstanden. Sowohl die Stromspitzen durch die Höchstleistung der Windparks in der Nordsee als auch die plötzlichen Ausfälle durch die Notabschaltung vieler Windräder, konnten kompensiert werden, heißt es beim Netzbetreiber Tennet in Bayreuth. Aus einigen Dörfern in Franken, unter anderem Winkelhaid im Nürnberger Land, wurden kurzzeitige Stromausfälle gemeldet. Ob die unmittelbar mit "Xaver" zusammenhingen, war bei Redaktionsschluss am Freitag allerdings unklar.

Winterfeste Autofahrer

In den Einsatzzentralen von Polizei und Rettungsdiensten zeigt man sich froh, dass "Xaver" Franken verschont hat. Und es fällt ein Lob für die "allerallermeisten Autofahrer" ab, die sich nach den Worten eines Polizeisprechers vernünftig verhalten und rechtzeitig auf den Winter umgerüstet haben.

Rechtzeitig und nachhaltig: Denn wenn der "Wetterochs" recht behält, stellt sich in den nächsten Tagen eine Inversionswetterlage ein: ein See aus kalter Luft am Boden, darüber warme Luft und Hochdruck. "Xaver" lässt die Franken zittern.