Wer in Würzburg den Notruf 112 wählt, muss Verzögerungen aufgrund von Computerpannen befürchten. Feuerwehrchef Harald Rehmann sagte am Mittwoch: "Wir haben zeitliche Verzögerungen, es wird die falsche Feuerwehr gerufen, und es gibt Probleme bei der Funkalarmierung." Ähnliche Schwierigkeiten gebe es auch in anderen Leitstellen. Das bayerische Innenministerium bestätigte ein Softwareproblem.
"Mit dem Update eines Softwareprogrammes gibt es ein paar kleinere Probleme. Das wird abgestellt", sagte Ministeriumssprecher Rainer Hutka in München. "Aber die Alarmierung funktioniert bayernweit." Der Geschäftsführer des Bayerischen Landkreistages, Johannes Reile, sagte: "Dass flächendeckend solche Probleme auftreten würden, ist mir noch nicht zu Ohren gekommen." Der Landkreistag würde sich der Sache aber annehmen, wenn mehrere Landkreise betroffen wären.
Der Leiter der Würzburger Berufsfeuerwehr erklärte, die für alle 112-Notrufe der Region zuständige Leitstelle habe wegen einer fehlerhaften Software massive Probleme bei der Notfall-Alarmierung. Bislang sei aber noch niemand deswegen zu Schaden gekommen, die Verzögerungen seien noch gering: "Wir sprechen von Sekunden, nicht von Minuten oder Stunden. In 85 Prozent aller Fälle sind wir innerhalb der zehnminütigen Hilfsfrist am Einsatzort."
In Bayern gibt es 26 Integrierte Leitstellen, die alle mit dem gleichen Computerprogramm arbeiten. Die Software-Probleme gebe es schon seit zwei Jahren, als die Integrierte Leitstelle ihren Dienst aufgenommen habe, sagte Feuerwehrchef Rehmann. Der Würzburger Landrat Eberhard Nuß (CSU) sagte: "Wir wissen, dass diese Probleme nicht nur in Würzburg auftreten, sondern landesweit zu Störungen der Alarmierungssicherheit führen." Es sei höchste Zeit, dass sich das Innenministerium federführend direkt mit diesem Problem befasse.
Auch Hubert Pauly von der Regensburger Leitstelle sprach von zeitraubenden Behinderungen: "Manchmal fällt die automatische Alarmierung der Einsatzkräfte aus, dann müssen wir das auf dem alten Weg machen." Ein Plan B existiere in der Leitstelle immer. "Die Alarmierung muss ja auch klappen, wenn die Technik ausfällt", sagte Pauly.
Als Beispiel für die Probleme in Würzburg nannte Rehmann die Geo-Referenzierung, die den genauen Einsatzort erfasst. "Die funktioniert nicht ganz korrekt. So kann es passieren, dass in Grenzgebieten nicht die tatsachlich zuständige Feuerwehr alarmiert wird, sondern die der Nachbargemeinde", sagte Rehmann weiter. Schwierigkeiten gibt es auch bei der Funkalarmierung. "Wir sehen nicht, wann der Empfänger noch piepst und wann wir sprechen können. So verstehen die Helfer oft nur die Hälfte des Funkspruchs." Natürlich könne man alles wiederholen, aber das sei unbefriedigend für die Kollegen. "Das sind alles Kleinigkeiten, die sich aber aufaddieren." Das Programm laufe einfach noch nicht rund, das frustriere die Einsatzkräfte. dpa