Unterfranken ist der schwärzeste der drei fränkischen Regierungsbezirke: Bei der Landtagswahl am Sonntag ergatterte die CSU am Main bei den Zweitstimmen 50,1 Prozent. Für einen rot-grünen Wahlsieg hätte es dagegen in einigen wenigen mittelfränkischen Wahlkreisen gereicht.

Während der Blick bundesweit nach dem Wahl-Sonntag in Bayern bereits nach Berlin und zum nächsten Wahl-Sonntag schwenkt, hat sich diese Zeitung ein wenig intensiver damit beschäftigt, die fränkischen Besonderheiten der Bayern-Wahl zu suchen. Fündig wird man dabei kaum, die als chronisch rebellisch und abtrünnig betrachteten Franken haben sich als vorbildliche Bayern erwiesen. Zum allergrößten Teil jedenfalls.



"Fränkischer" Achtungserfolg

Als Hauch von fränkischem Unabhängigkeitsstreben könnte man allenfalls die Tatsache bewerten, dass die Partei "Die Franken" in Franken durchweg besser abschnitt als die Bayernpartei. Ein Achtungserfolg, aber zu mehr als einem Ehrenplatz unter den "Sonstigen" reichte es mit 1,6 (Unterfranken) bis 2,9 Prozent (Oberfranken) diesmal nicht. Noch nicht?

Unter "Sonstige" rangiert in Franken mittlerweile auch die FDP, die es in keinem der Stimmkreise über die Fünf-Prozent-Hürde schaffte und zum Teil sogar schlechter abschnitt als die Piraten oder die Linken.


Schwarzes Unterfranken

Bei den Freudenfesten der CSU dürfte es zumindest mit Genugtuung aufgenommen worden sein, dass man sich im Jahr 2013 auf die Franken verlassen kann: Mit 50,1 Prozent fuhren die Christsozialen in Unterfranken sogar ein besseres Ergebnis ein als bayernweit. Auch in Oberfranken mit 45,9 und in Mittelfranken mit 43,1 Prozent rüttelten die Wähler nicht am Machtanspruch von Seehofer und Co.

Ein fast schon "bayrisch" anmutendes Ergebnis holte die CSU mit ihrem Direktkandidaten Heinrich Rudrof im Landkreis Bamberg: 57,7 Prozent bei den Gesamtstimmen (Erst- und Zweitstimmen), vier Prozent mehr als vor fünf Jahren, sind für die CSU in Franken ein konkurrenzloser Spitzenplatz.


Rote Flecken

Bei so viel Schwarz (die CSU holte sich auch in Franken wenig überraschend alle Direktmandate über die Erststimme) bleibt in Franken für Rot-Weiß, erstrecht für Rot-Grün nicht allzu viel Platz. Der Blick auf die fränkischen Wahlergebnisse offenbart immerhin zwei rote Flecken auf der schwarzen Landkarte: Nord-Ost-Oberfranken und Nürnberg. In den Stimmkreisen Hof und Wunsiedel/Kulmbach holte die SPD mehr als 28 Prozent der Stimmen, im Stimmkreis Nürnberg-Süd knackte sie sogar die 30-Prozent-Marke.

Nürnberg mit seinem roten Oberbürgermeister war umgekehrt für die CSU ein undankbares Pflaster, denn hier fuhr sie mit 35,4 Prozent (Nürnberg-Nord) eines der bayernweit schlechtesten Ergebnisse ein.


Amtsbonus?

Dass der Amtsbonus nicht immer wirkt, mussten zwei fränkische Kabinettsmitglieder erfahren. Finanzminister Markus Söder gewann zwar seinen Stimmkreis Nürnberg-West klar, das Gesamtstimmen-Ergebnis für die CSU war aber hier mit 41,6 Prozent alles andere als berauschend. Noch schlechter schnitt die CSU im Stimmkreis von Innenminister Joachim Herrmann ab: In Erlangen-Stadt holte der strahlende Sieger der Bayern-Wahl nur magere 39 Prozent, sogar noch ein Prozent weniger als bei der Landtagswahl 2008.

In einigen der Nürnberger Stimmbezirke schnitten die Grünen so gut ab, dass es zu einer rot-grünen Mehrheit gereicht hätte. Vielleicht sollte Peer Steinbrück auf diesen Fingerzeig hören und sich flugs auf Bildungsreise ins Mittelfränkische begeben. Am Ende kann ihm ja der Nürnberger OB Ulrich Maly ein paar Tipps geben, wie man Schwarz-Gelb bundesweit auf der Zielgeraden doch noch abfangen kann...


Grüne Welle

In Erlangen-Stadt und Nürnberg-Nord schnitten die Grünen mit jeweils mehr als 14 Prozent und zum Teil deutlichen Zuwächsen im Vergleich zur letzten Landtagswahl überdurchschnittlich gut ab. Hier punkteten wohl in erster Linie die Kandidaten, sprich die Persönlichkeitswahl, weniger regionale Besonderheiten, wie der Blick auf ein außergewöhnliches Resultat aus der direkten Nachbarschaft nahe legt: Im Landkreis Forchheim überflügelten die Freien Wähler wie schon 2008 die SPD: 21,6 Prozent der Gesamtstimmen für die Freien, 15,3 Prozent für die Roten.

Ähnlich wie "Die Franken" konnten auch die Piraten zwar nicht den Einzug ins Maximilianeum, aber einen Achtungserfolg feiern. In Franken überflügelten sie in manchem Wahllokal sogar die FDP, was zwar angesichts des liberalen Desasters nicht wirklich ein Kunststück ist, aber immerhin: 2,1 Prozent in Unterfranken, 2,0 Prozent in Ober- und 2,4 Prozent in Mittelfranken sind ein Indiz dafür, dass es neben den etablierten auch neue Parteien in die Wählergunst schaffen können.

Das ist, wenngleich die Rückschlüsse von einer Landtags- auf eine Bundestagswahl mit Vorsicht zu genießen sind, spannend mit Blick auf die Wahl zum Bundestag am kommenden Sonntag und die AfD, Alternative für Deutschland; die euro-kritische Partei trat zwar bei der Landtagswahl in Bayern nicht an, hat aber nach den letzten Prognosen durchaus das Potenzial, nicht nur der CDU Stimmen ab- und einen Schrecken einzujagen.


Keine Spur von Verdruss

Quer durch alle Parteien und Gruppierungen dürften zwei Aspekte der Landtgswahl in Bayern positiv registriert werden: Die hohe Wahlbeteiligung spricht allen Unkenrufen wegen der angeblich zunehmenden Politikverdrossenheit Hohn. Fast zwei Drittel der Wahlberechtigten gingen am Sonntag an die Urnen, durchschnittlich 64 Prozent in den drei fränkischen Regierungsbezirken. Spitzenreiter war der Landkreis Würzburg mit exakt 70 Prozent, dicht gefolgt von Forchheim und vom Landkreis Erlangen-Höchstadt mit 69,7 und 69,6 Prozent.

Mit Genugtuung aufgenommen wurde auch das Abschneiden der rechten Parteien: Republikaner und NPD kamen zusammen in Franken auf nur rund zwei Prozent Stimmenanteil bei teils deutlichen Verlusten im Vergleich zu 2008.

Die Ergebnisse der Landtagswahlen finden Sie im Detail auch hier: wahlen.infranken.de