• Habeck auf Länder-Windrad-Tour durch die Republik
  • 10-H-Regelung größtes Hemmnis für Ausbau der Windkraft in Bayern
  • So viele Windräder gibt es in Franken

Die Bundesregierung will es, die Umweltschützer wollen es, die Wirtschaft will es, sogar die Freien Wähler wollen es. Und irgendwie will auch Markus Söder den Ausbau der Windkraft in Bayern vorantreiben. Das größte Flächenland liegt bei der Windkraft derzeit nur auf Platz 8.  Dennoch ist die Wende hin zur Elektromobilität in vollem Gange und grüner Strom wird in Massen gebraucht. Zwar kamen 2021 bundesweit mehr neue Windenergieanlagen dazu - das Tempo reicht aber aus Sicht der Branche bei weitem nicht aus, um Klimaziele zu erreichen. Und, so konstatierte Habeck : In Bayern sei praktisch "alles zusammengebrochen", was den Ausbau der Windenergie angehe. Es gebe nicht einmal Anträge auf Neubauten. Der Bundesklimaschutzminister ist gegenwärtig auf Länder-Windrad-Tour durch die Republik. Die Station in München dürfte die wohl schwierigste gewesen sein. 

Umstrittene 10-H-Regelung ist größtes Hemmnis für mehr Windräder

Die in Bayern geltende 10-H-Regelung, noch unter Ministerpräsident Horst Seehofer ersonnen, ist die bundesweit schärfste ihrer Art zum Abstand von Windrädern zu Wohnhäusern. Sie bedeutet, dass Windräder einen Abstand vom mindestens Zehnfachen ihrer Höhe zur Wohnbebauung haben müssen. Davon darf nur in absoluten Ausnahmefällen und mit Zustimmung der betroffenen Kommune abgewichen werden. Habeck sieht die 10-H-Regelung als Haupthindernis für den stotternden Ausbau der Windkraft in Bayern. Im vergangenen Jahr kamen im größten deutschen Flächenland nur magere acht Windenergieanlagen neu dazu. Große Windparks mit Dutzenden Rädern wie im Norden gibt es in Bayern ohnehin praktisch nicht.

Im Freistaat gibt es laut dem Energie-Atlas Bayern derzeit 1.316 Windenergieanlagen. Davon stehen in Franken 845 Anlagen. Wie die Windräder im Gebiet verteilt sind, kann man in der obenstehenden Karte sehen. Die fränkischen Windräder produzierten zusammen im Jahr 2019 insgesamt etwa 3,4 TWh Strom. In Bayern betrug die Stromproduktion durch Windenergieanlagen 2019 insgesamt etwa 4,9 TWh. Der Stromverbrauch in Bayern lag 2019 bei insgesamt etwa 86,6 TWh. Das zeigt der Monitoringbericht zum Umbau der Energieversorgung Bayerns des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Der erzeugte Strom aus Windenergieanlagen kann also nur einen sehr kleinen Teil des Gesamtbedarfs an Strom in Bayern decken.

Die Stromerzeugung setzt sich  aus konventionellen Energieträgern wie der Steinkohle, dem Erdgas und der Kernenergie sowie aus erneuerbaren Energien zusammen. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamtstromerzeugung macht inzwischen 52,3 Prozent aus. Wie sich die Anteile der erneuerbaren Energien wiederum zusammensetzen, kann man in der Grafik erkennen. 

Mit Photovoltaik wurde 2020 insgesamt 13,0 TWh Strom erzeugt. Das entspricht einem Anteil von 32,8 Prozent an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Danach folgt Wasserkraft (28,1 Prozent) und Biomasse (25,6 Prozent). Windkraft macht mit 12,3 Prozent den geringsten Teil aus. Insgesamt wurden 39,6 TWh Strom aus erneuerbaren Energien im Jahr 2020 erzeugt.

Deadline für Bayern: Windkraft Plan soll bis März stehen

Dass Söder - dem beim Thema Windkraft neben seiner skeptischen Landtagsfraktion auch zahlreiche Landräte im Nacken sitzen und der einer Landtagswahl im Herbst kommenden Jahres entgegenblickt - einen rasanten Kurswechsel vollzieht, war ohnehin nicht zu erwarten. Bis spätestens März wird Bayern aber Vorschläge machen, welche Ausnahmen von der 10-H-Regelung gemacht werden können, die zu einem Aufbau von Kapazitäten führen können. Grundsätzlich sei denkbar, die 10-H-Regelung etwa im Staatswald aufzuweichen. Auch beim Ersatz alter Anlagen durch modernere und leistungsfähigere, dem sogenannten Repowering, könne man sich Ausnahmen vorstellen, führte Söder aus. "Ob das dann reicht, müssen wir sehen".  

Auf die Schnelle hält Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) Hunderte neuer Windräder für möglich, wenngleich auch er sagt: "Wir wollen maximalen Anwohnerschutz dort, wo Windkraftanlagen nicht hingehören." Das ist ein Weg, den Habeck unter Umständen mitgehen könnte. Er will nicht einfach per Budesgesetzgebung dem selbstbewussten Freistaat mit seinem selbstbewussten Ministerpräsidenten sagen, was er zu tun habe, sondern setzt erst einmal auf Kooperation. 

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