Ein vor etwa 170 Jahren an ihre Ur-Ur-Großmutter adressierter Brief könnte einer 65-Jährigen Frau aus Bayern demnächst eine beträchtliche Summe Geld einbringen.

Auf dem Brief sind gleich drei wertvolle "Schwarze Einser" und ein "Blauer Dreier", wie die seltenen und begehrten Briefmarken genannt werden. Er werde bei einer Versteigerung mit einem Startgebot von 25.000 Euro angeboten, teilte das Auktionshaus Heinrich Köhler in Wiesbaden am Donnerstag (09. September 2021) mit.

Frau in Wiesbaden findet alten, wertvollen Brief

"Schwarze Einser" im Wert von damals einem Kreuzer und "Blaue Dreier" im Wert von drei Kreuzern wurden am 1. November 1849 vom Königreich Bayern ausgegeben - die ersten Briefmarken Deutschlands. Die Besitzerin hatte mit ihrem Brief, der laut dem Auktionshaus am 24. April 1850 entwertet wurde, besonderes Glück: Er ist laut Auktionshaus "das einzig bekannte Stück in dieser Kombination, eine der ganz großen Seltenheiten in insgesamt sehr attraktiver und ursprünglicher Erhaltung". Die Marken seien aus der allerersten Druckauflage.

"Dass "Schwarze Einser" wertvoll sind, wusste man", sagte die 65-jährige Besitzerin, die anonym bleiben möchte, der Deutschen Presse-Agentur. Die Summe habe sie dann aber doch überrascht. Den Brief habe sie von ihrer Mutter bekommen, die im Frühjahr gestorben sei. Die wertvolle Rarität war auch vorher von Generation zu Generation weitergegeben worden.

Ihr Großvater sei Philatelist gewesen, also Briefmarkenliebhaber. Selbst in der größten Not während des Kriegs und in der Zeit danach habe er wertvolle Stücke nicht hergegeben. Einmal sei er sogar extra zu einem geplanten Verkauf nach Hamburg gefahren, habe sich dann aber doch nicht trennen können und es sich noch einmal anders überlegt. Sie selbst habe keinen Bezug zu Briefmarken. "Und ob es wirklich Wertschätzung ist, wenn der Brief weitere 50 Jahre im Tresor liegt...", sagte die in Bayern lebende Frau.

"Mein Anteil bleibt nicht bei mir", sagt die Finderin

Gemeinsam mit ihren Geschwistern habe sie sich zu der Auktion entschlossen. Das Geld werde aufgeteilt. "Mein Anteil bleibt nicht bei mir", sagte sie. Das Geld gehe an junge Geflüchtete, die sie seit 2015 kenne und begleite. Wie viel der Brief tatsächlich einbringt, ist nicht abzusehen. Eine Sprecherin des Auktionshauses sagte, zuletzt sei bei einer Briefmarke von 20 000 auf 135 000 Euro gesteigert worden. Andere würden dagegen gar nicht abgerufen.

Der Brief wird am 24. September in Wiesbaden versteigert. Unter den Hammer kommt dort unter anderem auch ein Brief, der bei der Explosion des Zeppelins "Hindenburg" im US-amerikanischen Lakehurst 1937 angebrannt wurde.

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