Markus Söder bezeichnete den Vorfall als "menschliche Tragödie": Nach dem überraschenden Rücktritt von CSU-Generalsekretär Stephan Mayer hat der CSU-Chef noch am Freitag (6. Mai 2022) bekannt geben, wer Mayers Nachfolge antreten soll: Martin Huber.

Offiziell begründete Mayer seinen Rücktritt mit gesundheitlichen Problemen. Zuvor hatte ihn jedoch ein Reporter der Bunten beschuldigt, ihn nach einem Interview telefonisch bedroht zu haben.

Update vom 06.05.2022, 12 Uhr: Neuer CSU-Generalsekretär ist Martin Huber

Der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Huber (44) wird neuer Generalsekretär seiner Partei und damit Nachfolger des zurückgetretenen Stephan Mayer. Diese Personalentscheidung gab Parteichef Markus Söder am Freitag in einer Schalte des CSU-Vorstands bekannt, wie die Deutsche Presse-Agentur in München aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

"Wir setzen sehr stark auf die Bayern-Karte", sagte Söder anschließend. Mit Blick auf die Landtagswahl im Herbst 2023 sei es gut, wenn der Generalsekretär nun aus der Landtagsfraktion komme. Dies sei unter dem Strich jetzt die beste Aufstellung für die CSU. Huber selbst sprach von einer großen Ehre und einer großen Aufgabe.

Huber stammt aus Mühldorf und ist wie Mayer Mitglied des CSU-Kreisverbandes Altötting. Von 2008 bis 2013 war der verheiratete Katholik persönlicher Referent des damaligen Parteichefs Horst Seehofer in der CSU-Landesleitung - er kennt die Parteizentrale somit bereits aus eigener Erfahrung. Seit 2013 sitzt Huber für die CSU im Landtag. Ende Februar hatte ihn Söder bereits als einen von zwei Verantwortlichen für die Erarbeitung eines neuen CSU-Grundsatzprogramms auserkoren. Über die CSU hinaus trat Huber bisher nicht groß in Erscheinung.

"Er brennt, er will das", sagte Söder über Huber. Der Generalsekretär brauche Organisationstalent, Basisnähe, er müsse kommunizieren und die Partei repräsentieren können. "Es schadet nichts, wenn er auch kämpfen und manchmal auch beißen kann", betonte Söder und sagte zu Huber: "Ich vertraue dir zu 100 Prozent, ich traue dir das auch zu."

Auch im bayerischen Kabinett hätte es nach Worten Söders geeignete Kandidatinnen und Kandidaten gegeben. Unter anderem Agrarministerin Michaela Kaniber war als mögliche Generalsekretärin gehandelt worden. Er habe aber nun keine Lücke im Kabinett reißen wollen, sagte Söder.

Update vom 06.05.2022, 8.10 Uhr: Söder will am Freitag neuen Generalsekretär vorstellen

CSU-Chef Markus Söder will noch an diesem Freitag (6. Mai 2022) einen neuen CSU-Generalsekretär vorstellen. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen. Für 10.30 Uhr hat Söder den Parteivorstand kurzfristig zu einer Sitzung zusammengerufen - einziger Tagesordnungspunkt sei die Vorstellung des neuen Generalsekretärs, hieß es. Um 11 Uhr soll dann die Öffentlichkeit bei einer Pressekonferenz informiert werden. Am Dienstagabend war der bisherige CSU-Generalsekretär Stephan Mayer überraschend zurückgetreten. Wer die Nachfolge antritt, war zunächst offen.

In der CSU kursierten am Donnerstag wieder zahlreiche Namen von potenziellen Kandidaten für den wichtigen Posten - genannt wurden neben diversen Bundestagsabgeordneten wie Daniela Ludwig und Thomas Silberhorn aus dem Landkreis Bamberg oder auch der von Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Sollte Söder sich für Kaniber entscheiden, würde dies aber wiederum eine Nachbesetzung im Kabinett mit sich bringen. Sollte er am bisherigen Regionalproporz festhalten, müsste der Ministerposten durch einen Oberbayern nachbesetzt werden.

Nach kaum mehr als zwei Monaten Amtszeit hatte der bisherige CSU-Generalsekretär Stephan Mayer seinen Rücktritt erklärt. Der 48-Jährige nannte dafür in einer schriftlichen Erklärung gesundheitliche Gründe. Zugleich räumte er allerdings eine "möglicherweise" im Rückblick nicht angemessene Wortwahl einem Bunte-Journalisten gegenüber ein. Der Journalist hatte Mayer zuvor vorgeworfen, ihn telefonisch bedroht zu haben, im Zusammenhang mit einem Bericht über Mayers Privatleben. Söder hatte am Mittwoch angekündigt, die Nachfolge rasch zu klären.

Update vom 04.05.2022, 10.45 Uhr: Söder nennt Fall Mayer "menschliche Tragödie"

Nach seinem Rücktritt als CSU-Generalsekretär hat der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer ein "sehr emotionales Streitgespräch" mit einem "Bunte"-Journalisten eingeräumt. Gleichzeitig erhob er seinerseits Vorwürfe gegen den Journalisten. Auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur schrieb Mayer: "Ich bestreite die konkreten Vorwürfe mit Nichtwissen. Für den Fall, dass dies zutrifft, erachte ich die Wortwahl rückwirkend als unangemessen."

Mayer schrieb weiter, es habe "ein sehr emotionales Streitgespräch infolge der eklatant rechtswidrigen Berichterstattung" gegeben. "So hat der "Bunte"-Journalist mich beispielsweise als "verrückt" bezeichnet sowie "dass sie schon mit anderen fertig geworden seien"." Gleichzeitig kündigte Mayer nun seinerseits juristische Schritte an: Er beabsichtige, "einen gerichtlichen Schmerzensgeldanspruch gegen den Burda-Verlag aufgrund der schwerwiegenden Persönlichkeitsverletzung durch die Berichterstattung zu erheben".

CSU-Chef Markus Söder hat die Umstände um den Rücktritt von CSU-Generalsekretär Stephan Mayer als "menschliche Tragödie" bezeichnet. Die offenkundige Wortwahl Mayers in einem Gespräch mit einem Journalisten sei nicht zu akzeptieren und auch nicht Stil der CSU, sagte Söder am Mittwoch in München.

"Die dabei wohl gefallenen Worte sind in keinster Weise zu akzeptieren", sagte Söder. Sie seien "völlig unangemessen". Er sprach von einem "indiskutablen Stil". Mayer habe sich dafür am Dienstag schriftlich entschuldigt. Deshalb sei er dem Rücktrittsgesuch aus gesundheitlichen Gründen nachgekommen. "Es geht ihm tatsächlich nicht gut", sagte Söder über den Gesundheitszustand Mayers. Die Entscheidung über Mayers Nachfolge soll nach Worten Söders noch nicht am Mittwoch fallen, wenngleich in einer Präsidiumssitzung Beratungen über die Angelegenheit anstünden. "Aber die Nachfolge wird natürlich zeitnah entschieden werden, denn wir wollen rasch handlungsfähig sein", sagte Söder. 

Vorherige Berichterstattung: Stephan Meyer gibt Posten als CSU-Generalsekretär auf

"Aus gesundheitlichen Gründen habe ich heute den Parteivorsitzenden der CSU gebeten, mich von meiner Aufgabe als Generalsekretär zu entbinden", hieß es in einer von der CSU verbreiteten Erklärung Mayers. Als Erstes hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet.

Zuvor waren aber massive Vorwürfe gegen Mayer öffentlich geworden, auf die der 48-Jährige in seiner Erklärung direkt einging: "In einem aufgrund einer eklatant rechtswidrigen Berichterstattung geführten Gespräch mit einem Journalisten der Bunten habe ich möglicherweise eine Wortwahl verwendet, die ich rückblickend nicht für angemessen betrachten würde", schrieb Mayer. "Dies bedaure ich sehr."

Das People-Magazin Bunte hatte über Mayers Privatleben berichtet. Der CSU-Politiker hatte darüber mit dem Bunte-Journalisten gesprochen. Danach schaltete der Journalist Anwälte ein. Der dpa liegt ein Anwaltsschreiben an Mayer wegen dessen Wortwahl vor. Der Bunte-Journalist will dem Schreiben zufolge gegen Mayer wegen Drohanrufen einen Unterlassungsanspruch geltend machen. Laut Informationen der Bild soll Mayer am Telefon gedroht haben: "Ich werde Sie vernichten. Ich werde Sie ausfindig machen, ich verfolge Sie bis ans Ende Ihres Lebens. Ich verlange 200.000 Euro Schmerzensgeld, die müssen Sie mir noch heute überweisen."

Söder hatte Mayer als Nachfolger vorgeschlagen

Mayer war erst Ende Februar auf Vorschlag Söders zum Generalsekretär gekürt worden, nachdem sein Vorgänger Markus Blume im Zuge einer Kabinettsumbildung neuer Wissenschaftsminister in Bayern geworden war. Nun muss Söder - und das nur eineinhalb Jahre vor der Landtagswahl - den Posten schon wieder neu besetzen.

Unklar war, wann Söder einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin benennen will. Es wurde aber eher nicht damit gerechnet, dass dies schon am Mittwoch passiert.

Auch interessant: "Lebe seit zwei Jahren mit heftigen Drohungen und Hass": Söder wehrt sich gegen wilde Gerüchte um Privatleben