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Basketball

Wer am meisten profitiert: Michael Stoschek erklärt die Metropolpläne

Das Metropolprojekt von Michael Stoschek ist darauf ausgelegt, den Basketball zukunftsfähig zu machen - auch ohne den Hauptsponsor und Unternehmer.
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Setzt sich für die Zukunft des Basketballs in Bamberg ein: Michael Stoschek  Foto: Ronald Rinklef
Setzt sich für die Zukunft des Basketballs in Bamberg ein: Michael Stoschek Foto: Ronald Rinklef
Es ist die Stunde der Klarstellung, der Differenzierung und des Hintergrunds. Im Besprechungsraum des gläsernen Verwaltungszentrums am Berliner Ring in Bamberg informiert Michael Stoschek die Redakteure der FT-Lokalredaktion in einem nterview über das Metropolprojekt der Brose Bamberg.

Viel ist darüber bereits geredet worden, vieles ist geschrieben worden, obwohl die Informationslage sehr dünn war. Manche Befürchtungen sind in den Raum gestellt worden, die sich bei näherem Hinsehen als unbegründet herausstellen.

Der Firmenpatriarch zeigt sich dabei auch als Mensch. Die Kritik einiger Fans am möglichen Namen Brose Metros, die persönlichen Vorwürfe haben ihn nicht unberührt gelassen, weil sie seine guten Absichten in Frage stellen und dem Projekt schaden könnten, bei dem es nicht darum gehe, dass sich Bamberg nach Nürnberg orientiere, sondern umgekehrt: "Wir wollen die Nürnberger nach Bamberg holen." Er sagt auch: "Ich brauche den Basketball nicht für mein Ego. Auch Brose braucht den Basketball für sein Geschäft im Grunde genommen nicht."


Die größte Attraktion in Bamberg

Hört man Michael Stoschek, den 69-jährigen Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung der Brose-Gruppe mit 25 000 Mitarbeitern und sechs Milliarden Euro Umsatz, dann geht es um nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft des Basketballs in Bamberg - der "größten Attraktion der Stadt". Und das ist eine Zukunft, in der der Name Brose oder Stoschek nicht unbedingt mehr und auf alle Zeit im Vordergrund stehen. "Wir wollen den Basketball zukunftsfähig machen, - und das auch, wenn ich eines Tages das Amt als Aufsichtsratsvorsitzender abgebe oder die Firma Brose nicht mehr die Hauptlast der Finanzierung trägt", sagt Stoschek.

Selbstverständlich ist es in der Tat nicht, dass es so weiter geht wie bisher, woran sich manche bereits gewöhnt zu haben scheinen. Dass ein Verein in einer kleinen Stadt den Metropolen dieser Welt die Stirn bieten kann. Ohne Lizenz und neue Halle müsse Bamberg die deutsche Meisterschaft gewinnen, um dann als zweitklassiger Partner in der Euroleague mitspielen zu dürfen, wenn es nicht gelinge, deutlich mehr überregionale Sponsoren aufzubieten. Trotz seines Engagements: Stoschek ist nicht sicher, ob das Projekt verwirklicht werden kann, angesichts der Rivalitäten in Franken und der kritischen Stimmen in Bamberg. Doch er versucht es und zählt auf die Unterstützung von Politik und Bürgern.


Förderung von Söder?

Die Aussichten sind durchaus reizvoll: "Bamberg würde am meisten profitieren", sagt Stoschek und spricht von der größten Multifunktionshalle in ganz Nordbayern. Neben Basketball könnten hier bedeutende überregionale Kulturveranstaltungen stattfinden. Finanzminister Söder habe die Unterstützung des Projekts angeboten und eine öffentliche Förderung in Aussicht gestellt.

Allerdings: Was die Kosten einer solchen Halle für die Stadt angeht, verdüsterte sich das Szenario überraschend. Die Hoffnung, dass ein solches Gebäude ohne kommunale Beteiligung oder Absicherung möglich sei, scheint sich nun wohl doch zu zerschlagen. Wieder verworfen wurde auch der Hallenstandort auf dem früheren Postgelände an der Memmelsdorfer Straße, der in einer Machbarkeitsstudie aufgezeigt worden war. Grund: Die denkmalgeschützten Häuser würden den Blick auf die neue Halle verstellen.

Es muss also ein neuer Standort in Bamberg gefunden werden - mit ausreichender Zahl an Parkplätzen, ohne Konflikte mit Nachbarn. Ideal für eine lukrative Vermarktung wäre ein Standort nahe an einem Autobhankreuz. Das Projekt ist laut Stoschek auf vier Jahre angelegt. Bis 2019 müssten Investoren, Betreiber und Standort feststehen. Es sei vereinbart, dass die Stadt eine Arbeitsgruppe bildet, die die Idee vorantreibt.

Auch die Frage, was mit der alten Arena passiert, muss für die Metropolpläne kein Hemmschuh sein. Offenbar gibt es bereits Überlegungen für eine Umwandlung der 2001 fertiggestellten Immobilie in ein Wohnbaugebiet. Die Anwohner gegenüber am Distelweg würden sich wohl freuen.