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Politik

Bayerisches Polizeiaufgabengesetz tritt in Kraft: Das sind die Folgen

Das bayerische Polizeiaufgabengesetz wird derzeit bundesweit diskutiert. Zuständigkeiten und neue Möglichkeiten der Polizei stehen auf dem Prüfstand. Doch was dürfen Polizisten eigentlich dem PAG nach?
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In Bamberg gingen 1500 Menschen gegen das neue bayerische Polizeiaufgabengesetz auf die Straße.  Foto: Matthias Hoch
In Bamberg gingen 1500 Menschen gegen das neue bayerische Polizeiaufgabengesetz auf die Straße. Foto: Matthias Hoch
Bayerisches Polizeiaufgabengesetz tritt in Kraft:
  • Ab dem 25. Mai 2018 gilt das PAG in Bayern.
  • Das neue Aufgabengesetz der bayerischen Polizei bringt zahlreiche Veränderungen mit sich.
    Eineinhalb Wochen nach der Verabschiedung im Landtag tritt die Verschärfung des bayerischen Polizeirechts an diesem Freitag in Kraft. Dann genügt schon Gefahr oder drohende Gefahr, um Überwachung und andere polizeiliche Maßnahmen wie etwa etwa DNA-Tests und Online-Durchsuchungen einzuleiten. Ein konkreter Verdacht muss nicht mehr vorliegen. Allerdings muss die Polizei die Maßnahmen in der Regel bei einem Richter beantragen, nur in Einzelfällen dürfen höhere Polizeibeamte selbst entscheiden.

    Das noch unter Ex-Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf den Weg gebrachte Gesetz dürfte allerdings schon bald vom Bayerischen Verfassungsgerichtshof überprüft werden und landet womöglich auch vor dem Bundesverfassungsgericht, der höchsten juristischen Instanz in Deutschland. SPD und Grüne im Bayerischen Landtag haben jedenfalls Verfassungsklage angekündigt. Seehofer - inzwischen Bundesinnenminister - sieht das Gesetz indessen als Vorbild für die neuen Polizeiaufgabengesetze aller Bundesländer.


    Söder verteidigt das PAG

    Seehofers Nachfolger im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten, Markus Söder (CSU), hatte das verschärfte Polizeirecht bei der abschließenden Debatte am 15. Mai vehement verteidigt: "Es wird Leben retten, es wird Menschen helfen, nicht zu Opfern zu werden." Über die Umsetzung des Gesetzes soll eine Kommission unter Vorsitz des angesehenen Verfassungsrechtlers Karl Huber wachen, einst Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs.

    SPD und Grüne werfen der CSU vor, das Gesetz unter Missachtung des Bürgerwillens durchgepeitscht zu haben. Auch die zum bürgerlich-konservativen Lager zählenden Freien Wähler sind kritisch: "Erst hängen, dann reden", spottete die Abgeordnete Eva Gottstein über die geplante Kontrollkommission. Bei einer Demonstration gingen in München Zehntausende vor allem junge Menschen gegen das schärfere Polizeirecht auf die Straße.

    In Fachkreisen sind die Meinungen über das Polizeiaufgabengesetz geteilt. Bei einer Landtagsanhörung im Frühjahr hatten einige Polizeirechtsexperten keine grundlegenden Einwände. Auch die Polizeigewerkschaften halten das Gesetz für angemessen. Jedoch äußerte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zuletzt Zweifel an der Akzeptanz des Gesetzes in der Bevölkerung. Die einstige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hält das Gesetz für verfassungswidrig.

    1. DNA-Spuren auf Haut-, Augen- und Haaren und die Herkunft des Trägers dürfen untersucht werden.

    2. Die Polizei darf Einsätze mit Bodycams filmen und zusätzlich auch Drohnen einsetzen, die sowohl Demonstranten filmen als auch Handydaten abgreifen können.

    3. Pakete können beschlagnahmt werden, ohne dass der Adressat davon etwas mitbekommt.

    4. Das Vermögen verdächtiger Personen kann künftig einfacher beschlagnahmt werden.

    5. In einer Cloud gespeicherte Daten dürfen nicht nur sichergestellt werden, sie dürfen in bestimmten Fällen auch gelöscht werden.

    6. Im Bereich des Grenzschutzes hat die Bayerische Polizei künftig die gleichen Befugnisse wie die Bundespolizei. Beispielsweise kann jemand, der illegal einreisen möchte, auch von der bayerischen Polizei an der Grenze zurückgewiesen werden.


    Kommentar: Das PAG geht zu weit

    Wenn sich der Staat um die Sicherheit seiner Bürger kümmert, ist das zunächst einmal völlig in Ordnung. Dafür ist er schließlich da. Die CSU droht nun allerdings mit Blick auf den Terror der jüngsten Vergangenheit und dem damit einhergehenden Zulauf für rechte Gruppen im Land mit dem neuen Polizeiaufgabengesetz über das Ziel hinauszuschießen.
    Bayerns CSU-Innenminister Joachim Herrmann möchte terroristische Attentate, mit denen in erster Linie die Bevölkerung verunsichert werden soll, künftig bereits im Vorfeld verhindern. Ein schwieriges Unterfangen. Und er geht dabei so weit, zum Beispiel mögliche Täter, die sie ja noch gar nicht sind, präventiv in Gewahrsam zu nehmen. Mit unseren freiheitlichen Grundrechten nur schwer vereinbar. Meinen auch Juristen. Wer da eingesperrt wird, muss keine Unschuld beweisen, weil es nicht um irgendeinen Strafvorwurf gehen kann, sondern der Polizei der Hinweis ausreicht: Du bist gefährlich. Da kommt einfach die Sorge auf, dass jemand einfach so weggesperrt werden kann, nur weil die Behauptung im Raum steht, der oder diejenige sei gefährlich. Auch wenn ein Richter alle drei Monate über die Rechtmäßigkeit eines solchen Gewahrsams zu entscheiden hat. Problematisch ist, dass der Betroffene keine Gelegenheit bekommt zu beweisen, dass er ja gar nicht gefährlich ist. Genau das sieht das neue Polizeiaufgabengesetz nicht vor.

    Wir müssen aufpassen, dass wir aus Angst vor einem Erstarken der Rechten nicht damit beginnen, unsere freiheitlichen Grundrechte zu durchlöchern wie einen Schweizer Käse. Politische Extremisten jedweder Couleur und ihr terroristisches Umfeld würden sich nur ins Fäustchen lachen.