Mund halten, setzen, sechs! Müssen Schüler in Bayern künftig mit schlechten Noten rechnen, wenn sie reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist? Der "Bund Bairische Sprache" fürchtet es, denn ihm wurden angeblich mehrere Fälle von "Mundartverbot" zugetragen.

Der Vorsitzende des Vereins, Sepp Obermeier, spricht von "alarmierenden Vorkommnissen"; prompt hat sich die Nachricht aus dem niederbayrischen Konzell wie ein Lauffeuer in den sozialen Netzwerken verbreitet. Neben den üblichen Tiraden aus der rechten Ecke der Gesellschaft gibt es viele kritisch-besorgte Äußerungen, wonach in den Schulen Gleichmacherei betrieben und das Kulturgut Sprache seines Reichtums beraubt werde. Obermeier jedenfalls spricht von "mehreren ganz konkreten Fällen" an Grund- und Mittelschulen in Niederbayern; Lehrer würden Strafarbeiten verteilen, wenn Kinder im Dialekt reden.

Auch bei Praktika in Handwerksbetrieben sei Schülern der Dialekt verboten worden. Der Verein "Bairische Sprache" appelliert an die Lehrerverbände, der Mundart in den Schulen den ihr gebührenden Platz einzuräumen.

Die Vorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, Simone Fleischmann, sieht ihren Verband zu Unrecht an den Pranger gestellt. Es gebe keinerlei Vorgaben für die Lehrer. "Wenn überhaupt, dann handelt es sich wohl um Einzelfälle."


Verfassungsrang

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) fährt ein großes Geschütz auf und sagt, dass die Pflege von Kultur und Brauchtum in Bayern Verfassungsrang habe. Dazu gehöre unbedingt auch die Sprache, und folglich habe der Dialekt gerade in den Schulen seine Berechtigung.

Der oberfränkische Bezirksheimatpfleger Günter Dippold warnt vor Schwarz-Weiß-Malerei: "Man sollte Mundart weder verbieten noch vorschreiben." In den Schulen habe beides seinen Platz, die Mundart und das Hochdeutsch. "Die Kinder sollen das eine ebenso wie das andere beherrschen, und das können sie auch."