Mehr als einen Monat nach Ausbruch der Vogelgrippe in Bayern hat sich der Virus auf einen weiteren Landkreis ausgeweitet. Die Variante H5N8 sei nun auch in Weißenburg-Gunzenhausen bestätigt worden, teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen mit.

Bislang wurde der Subtyp H5N8 an Tieren in mehr als 20 Landkreisen und in den Städten München, Nürnberg und Ingolstadt nachgewiesen. Bayernweit gilt seit Mitte November eine Stallpflicht sowie ein Verbot von Märkten, Ausstellungen und ähnlichen Veranstaltungen, so das LGL. "Nicht zuletzt diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass es bisher in Bayern keine Nachweise in Nutzgeflügelbeständen gibt." Allerdings gebe es keine Entwarnung; die Situation müsse weiterhin beobachtet werden. Daher bleibe auch die Stallpflicht weiter bestehen.


Stallpflicht mindestens bis nach den Feiertagen

Stefanie Schuhmann vom Landratsamt Bamberg erklärte auf Anfrage dieser Zeitung: "Das Friedrich-Löffler-Institut meldet noch keine Entspannung der Lage. Bis nach den Feiertagen werden die aktuellen Maßnahmen wie Stallpflicht, Verbot von Märkten sowie Veranstaltungen und die erhöhten Hygienevorsorgemaßnahmen in allen Geflügelbeständen auf jeden Fall aufrecht erhalten. Das Friedrich-Löffler-Institut nimmt aber laufend Risikobewertungen vor und entscheidet somit auch über weitere Maßnahmen oder Lockerungen."

Obwohl Hühner wegen der Vogelgrippe bayernweit in ihren Ställen bleiben müssen, dürfen deren Eier noch bis Mitte Februar mit dem Prädikat "Freilandhaltung" verkauft werden. Dies ermöglicht eine entsprechende bundesweite Ausnahmeregelung. Sie erlaubt zwölf Wochen lang die Vermarktung von Eiern als Freilandeier - selbst wenn die Hühner keinen Grünauslauf haben. Am 21. November trat in Bayern die amtlich verordnete Stallpflicht in Kraft.

Die deutsche Geflügelwirtschaft appelliert vor dem Hintergrund der grassierenden Vogelgrippe an die Bundesregierung, sich auf europäischer Ebene für eine Lockerung der Kennzeichnungspflichten bei Freiland-Eiern einzusetzen. Im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Verbandspräsident Friedrich-Otto Ripke: "Im Kampf gegen die Geflügelpest müssen nach Tierseuchenrecht auch die Legehennen in den Stall. Das ist richtig, darf aber nicht aufgrund von EU-Vermarktungsnormen zu wirtschaftlichen Einbußen führen, weil gesetzliche Fristen eine Umdeklarierung der Eier von Freiland- auf Bodenhaltung erforderlich machen."


Lockerung der EU-Verordnung

Ripke sprach sich für eine Lockerung der EU-Vermarktungsordnung aus. Nach der dürfen Legehennen maximal zwölf Wochen aufgestallt bleiben, bevor ihre Eier nur noch als Bodenhaltung verkauft werden dürfen. Dies bedeute für Legehennenhalter einen Verlust von vier Cent pro Ei.

Die Mehrkosten für Nutztierhalter durch die Vogelgrippe und damit verbundene Sicherheitsmaßnahmen bezifferte Ripke mit einem "höheren sechsstelligen Betrag pro Monat". Auf dem deutschen Markt sei derzeit keine Kaufzurückhaltung zu erkennen. mit dpa