In der Debatte um mehr Freiheiten für Geimpfte hat der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) erneut für Aufsehen gesorgt. In einem Interview im Deutschlandfunk äußerte er sich erneut skeptisch gegenüber der Corona-Impfung und sorgt dafür für Empörung.

In den sozialen Medien aber auch aus der Politik kam harte Kritik. Der Mediziner und FDP-Politiker Andrew Ullmann forderte nun sogar seinen Rücktritt.

Update vom 29.07.2021: Infektiologe fordert Aiwangers Rücktritt - Verhalten sei "unverantwortlich"

Nachdem Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sich in einem Interview zum wiederholten Male kritisch gegenüber der Corona-Impfung geäußert hat, reißt die Kritik nicht ab. Der Infektiologe und FDP-Vorsitzende im Gesundheitsausschuss des Bundestages Andrew Ullmann hat nun Aiwangers Rücktritt gefordert.

"Sein Verhalten in den letzten Wochen ist unverantwortlich für eine Person, die während einer Pandemie Regierungsverantwortung für Bayern übernimmt", so Ullmann. Dabei richtet er seinen Aufruf vor allem an Ministerpräsidenten Markus Söder. Wenn es keinen freiwilligen Rücktritt gebe, dann müsse Söder eingreifen. 

Ullmann betonte, dass sich niemand impfen lassen müsse. "Aber ein stellvertretender Ministerpräsident darf nicht mit Ängsten und wissenschaftlich falschen Behauptungen die eigene Impfkampagne konterkarieren. Entweder es ist ein PR-Gag für die eigene Bundestagskandidatur oder es ist eine Uninformiertheit in höchster Güte", sagte Ullmann.

Deutschland brauche keinen "Bayern-Bolsonaro", sondern eine Beschleunigung der Impfkampagne. Auch die bayerische Staatsregierung stehe in der Verantwortung die Impfkampagne voranzutreiben. "Am besten ohne Hubert Aiwanger", so Ullmann. Bayern ist derzeit mit einer Quote von 48,7 Prozent an vollständig Geimpften laut Robert-Koch-Institut auf dem vorletzten Platz unter den Bundesländern. Nur Sachsen kommt mit 46,5 Prozent noch langsamer voran.

Ursprüngliche Meldung vom 28.07.2021: Empörung in den sozialen Medien nach Impf-Aussagen von Aiwanger

Der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat sich erneut skeptisch gegenüber der Corona-Impfung geäußert. Seine Aussagen in einem Interview mit dem Deutschlandfunk sorgen für Empörung.

Aiwanger kritisiert im Interview vor allem den vermeintlichen Druck, der auf die Bevölkerung bei der Corona-Impfung ausgeübt werde. Er selbst sei  nicht geimpft und ziehe auch in naher Zukunft keine Corona-Impfung in Erwägung. Man müsse auch kein Geheimnis daraus machen, dass auch er aus seinem privaten Umfeld von Impfnebenwirkungen höre, bei denen einem «die Spucke wegbleibe». Konkrete Beispiele dazu wollte Aiwanger aber keine nennen.

Nach Impf-Aussagen von Aiwanger: Empörung in den sozialen Medien

In den sozialen Medien hagelt es nach dem Interview Kritik an Aiwanger, aber auch an Söder: Der SPD-Politiker Wölken schrieb beispielsweise auf Twitter, es sei "gefährlicher Unsinn", was Aiwanger im Deutschlandfunk gesagt habe. Dass Bayerns Ministerpräsident Söder einen so unprofessionellen Minister in seiner Regierung dulde, sei abenteuerlich.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete, Hilde Mattheis, twitterte: "Da fehlen einem schlicht die Worte." Während ein ganzes Land engagiert eine weltweite Pandemie bekämpfe, habe Aiwanger nichts besseres zu tun, als für Verunsicherung zu sorgen. "Was sagt eigentlich sein Chef aus dem "Team Vorsicht" dazu?", twitterte sie im Hinblick auf Söder, der für einen strengen Kurs in Sachen Pandemie-Bekämpfung steht. 

Zum Thema Impfen hatte Aiwanger im Deutschlandfunk gesagt, man dürfe bei der Frage, was einzelnen Menschen vom Staat aufgezwungen werden dürfe, die "rote Linie" nicht überschreiten. Die Grenze sei die Entscheidung über den eigenen Körper. Aus seinem persönlichen Umfeld höre er immer mehr von Fällen, "die massive Impfnebenwirkungen auszuhalten" hätten. Da bleibe ihm "die Spucke weg", sagte der Minister, ging aber nicht näher auf seine Behauptungen ein. Die Menschen seien "teilweise nicht zu Unrecht verunsichert".

Kollegen bezeichnen Aiwanger als "Trittbrettfahrer"

Der CDU-Politiker Steiniger bezeichnete Aiwanger als Trittbrettfahrer. Bayerns Vize-Ministerpräsident lasse sich nicht impfen und verteidige das auch noch. Das Interview bezeichnete er als "krass" und Aiwangers Argument der "Impf-Nebenwirkungen" als "lachhaft". Auch viele weitere Politiker der Grünen und der AfD äußerten sich in den sozialen Medien fassungslos.

Im Interview wird deutlich, dass Aiwanger der Wissenschaft im Falle der Corona-Impfung nicht vollständig vertraut. Unter anderem sagt er, er gehe davon aus, dass die aktuellen Impfstoffe in einiger Zeit noch anders bewertet werden müssten. Er stellte außerdem in Frage, warum Nachimpfungen erforderlich seien und welche Nebenwirkungen diese dann womöglich haben könnten. Die Zweifel Aiwangers gegenüber der Corona-Impfstoffe sind während des gesamten Gesprächs mehr als deutlich vernehmbar. 

Sich selbst sieht Aiwanger nach eigener Aussage als eine Art "Galionsfigur" der politischen Mitte der Gesellschaft in der Impfdebatte. Deshalb schließe er eine Impfung für sich selbst vorerst aus. "Die würden sich dann von der Mitte abwenden und sagen, 'Jetzt ist der Letzte umgefallen, an den wir noch geglaubt haben, dann gehen wir an die politischen Ränder'", begründet Aiwanger seine Entscheidung.

Ministerpräsident Markus Söder hat sich noch nicht zum Interview geäußert

Markus Söder hat sich zu Aiwangers Aussagen bisher noch nicht geäußert. Dem bayerischen Ministerpräsidenten dürfte das Interview seines Wirtschaftsministers aber ganz und gar nicht gefallen.

Die aktuelle Diskussion über Einschränkungen und Freiheiten für Ungeimpfte und  Geimpfte könnte sich in Bayern zum Grundsatzstreit in der Koalition entwickeln.