Zwölf Kilo soll Uli Hoeneß seit Beginn seines Gefängnisaufenthalts abgenommen haben. In eineinhalb Monaten. Ein Grund zur Sorge um den Ex-Präsidenten des FC Bayern? Wer Hoeneß kennt, der weiß, dass er sich gerne auch um halb elf Uhr nachts noch einen großen Teller Züricher Sahnegeschnetzeltes einverleibt hat. Im Gefängnis ist ein Käsebrot um 18 Uhr oftmals das Letzte, was man zu sich nimmt. Das relativiert den Gewichtsverlust des kräftigen Fußballmanagers.

Mehr Anlass zur Sorge bieten die Befunde Herzerkrankung und Bluthochdruck. Der 62-Jährige soll sich schon einmal wegen Herzbeschwerden untersuchen haben lassen. Wie es Hoeneß genau geht, ist ein Geheimnis. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) äußert sich nicht zu einzelnen Gefangenen. Fest steht, dass Hoeneß sich auf der Krankenstation des Landsberger Gefängnisses befindet. Offenbar ist er schon seit dem Haftantritt krankgeschrieben.

Fest steht auch, dass es auf der Krankenstation der JVA Landsberg nicht so streng zugeht wie in einem normalen Zellentrakt. Das beginnt bei der Größe der Zellen. Ein Vier-Mann-Haftraum hat dort 30 Quadratmeter und ein WC in einem separaten Raum. Eine normale Zelle hat etwa neun Quadratmeter. Die Krankenzelle muss aber nicht zwingend mit vier Insassen belegt sein. Es gibt dort warmes Wasser, verstellbare Betten und richtige Matratzen im Gegensatz zu den Pritschen in den normalen Hafträumen.

Abgeschottet von den anderen

Ein weiterer Vorteil: In der Krankenabteilung hat Hoeneß keinen Kontakt zu normalen Gefangenen, eben nur zu anderen Kranken. Bereits vor zwei Wochen haben Medien unter Berufung auf einen Insider berichtet, dass Uli Hoeneß völlig abgeschottet von den normalen Häftlingen ist. Demnach isst er auch alleine im Spital - nicht mit den anderen im großen Speisesaal. Hofgang soll Hoeneß ebenfalls allein haben. Er wird dabei anscheinend von einem extra für ihn abgestellten Beamten begleitet. Und noch ein Vorteil der Krankschreibung: Hoeneß muss im Gefängnis nicht arbeiten.

Angeblich hat sich die Stimmung unter den Gefangenen wegen dieser Sonderbehandlung gegen Hoeneß gedreht. Die Mitinsassen mögen es nicht, wenn einer bevorzugt wird. Dabei hatte die Anstaltsleiterin Monika Groß immer betont: "Bei uns werden alle gleich behandelt."

Unabhängig von der Frage, wie es Hoeneß tatsächlich geht, verdichten sich die Hinweise darauf, dass der prominente Fußballmanager schon im September oder Oktober Freigang erhalten könnte. Einen entsprechenden Antrag haben seine Anwälte zwar nach Informationen unserer Zeitung noch nicht gestellt.

Kandidat für eine Halbstrafe

Doch die Rechnung ist einfach: Das Urteil lautete drei Jahre und sechs Monate Haft, also 42 Monate. Hoeneß ist ein Kandidat für die sogenannte Halbstrafe; eine Entlassung nach 21 Monaten wäre möglich. Vollzugslockerungen wie Freigang können 18 Monate vor der geplanten Entlassung gewährt werden, also bereits ab September. Infrage kämen Rothenfeld am Ammersee, eine Außenstation der JVA Landsberg - oder das Freigängerhaus der JVA München in der Leonrodstraße. Von da aus wäre es zur FC-Bayern-Zentrale auch nicht mehr weit.