Wegen hohen Inzidenzwerten in nahezu ganz Bayern befindet sich der Freistaat seit Montag (02.11.2020) im Teil-Lockdown. Die Folge der vielen Corona-Neuansteckungen in den vergangenen Wochen zeigt sich nun an bayerischen Kliniken: Intensivbetten werden wieder mehr mit Covid-19-Patienten belegt, Experten warnen bereits vor einer Überlastung. Um das zu verhindern, stellte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Mittwoch (04.11.2020) eine neue Strategie vor.  

Bayern regelt die Belegung von Intensivbetten in den Krankenhäusern künftig über ein zentral koordiniertes System von ärztlichen Leitern. Dazu sei eine Allgemeinverfügung erlassen worden, sagte Huml am Mittwoch.

Krankenhäuser nicht mit Corona-Patienten überlasten - Ziel: effiziente Bettenbelegung

Damit soll gewährleistet werden, dass Überlastungsspitzen in einzelnen Krankenhäusern im Zuge der Corona-Pandemie abgefedert werden und die Verteilung der Patienten möglichst optimal gewährleistet wird. "Es geht darum, die Überlastung von Krankenhäusern mit Corona-Infizierten zu verhindern", sagte Huml. 

"Es ist wichtig, die Bettenbelegung noch effizienter zu lenken und auch damit die Kliniken zu unterstützen", sagte Huml. Die ärztlichen Leiter als Koordinatoren werden bei den 26 Rettungsleitstellen angesiedelt. Ein ähnliches System war bereits während der ersten Corona-Welle im Frühjahr auf anderer Rechtsgrundlage in Kraft.

Nach Humls Darstellung werden in bayerischen Kliniken derzeit 1698 mit dem Coronavirus infizierte Patienten behandelt, davon 302 auf einer Intensivstation. Die meisten Intensivpatienten würden auch beatmet. Das ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Wochenbeginn. Die Zahl der freien Betten mit Beatmungsmöglichkeit habe sich entsprechend auf 624 reduziert. Allein in den Städten München und Augsburg liegen derzeit zusammen 90 Intensivpatienten mit Covid-19. 

Vermeidung von Engpässen auf Intensivstationen 

Die Situation, dass Krankenhäuser angewiesen werden müssen, Intensivbetten frei zu halten und dafür auch nicht dringend notwendige Operationen zu verschieben, sei noch nicht eingetreten, sagte Huml. Dies werde bisher nur vereinzelt gemacht. Ein Beispiel ist der Corona-Hotspot Augsburg. Dort ist die Sieben-Tages-Inzidenz pro 100 000 Einwohner mit 339 derzeit bayernweit bei weitem am höchsten.

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Der Chefarzt der III. medizinischen Klinik am Universitätsklinikum Augsburg, Professor Helmut Messmann, machte auf die steigenden Todeszahlen im Zuge der Corona-Pandemie aufmerksam. Bundesweit würden in wenigen Wochen 200 Menschen pro Tag sterben. "Das ist, wie wenn täglich ein Flugzeug abstürzt", sagte der Mediziner. Er kündigte an, dass Intensivpatienten aus Augsburg verlegt werden müssten, die Klinik sei dazu etwa mit Einrichtungen im benachbarten baden-württembergischen Ulm im Gespräch.

Der medizinische Leiter der München Klinik in Schwabing, Clemens Wendtner, machte deutlich, dass die Engpässe auf den Intensivstationen über den Erfolg im Widerstand gegen die Pandemie von großer Bedeutung sei. "Der Kampf gegen Covid-19 wird auf der Intensivstation entschieden", sagte er.

Reduzierung der Neuinfektionen notwendig

Thomas Weiler, einer der landesweit 26 ärztlichen Leiter, die künftig die Bettenbelegung regional koordinieren werden, erklärte, Ziel müsse es weiter sein, die Zahl der Infizierten zu reduzieren. Ein gewisser Prozentsatz der Infizierten lande unweigerlich auf der Intensivstation. "Nur wenn wir die Zahl der Infizierten bremsen, dann bremsen wir auch die Zahl derer, die auf der Intensivstation landen." Er wies auf personelle Engpässe hin.

Allein von Dienstag auf Mittwoch war die Zahl der Infizierten in Bayern um mehr als 3500 gestiegen, wie Huml sagte. 21 neue Todesfälle kamen binnen Tagesfrist hinzu. Die meisten Regionen in Bayern melden inzwischen eine Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 100 Fällen pro 100 000 Einwohner.

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