• Corona-Wirkstoffe: Wer erhält wie viel? 
  • Aufteilung unter Impfzentren, Arztpraxen und Betriebsärzten
  • Kompliziertes System regelt Aufteilung 

Wie die einzelnen Corona-Wirkstoffe in Deutschland unter den Bundesländern und unter den Impfzentren, Arztpraxen und Betriebsärzten aufgeteilt werden, ist durch ein kompliziertes System geregelt, wie am Freitag (25. Juni 2021) der BR berichtet. Dass der Impfstoff noch immer ein knappes Gut ist, macht die Verteilung nicht einfacher - im Gegenteil. Wie das System aufgebaut ist, erklärt Ihnen inFranken.de im Folgenden. 

Corona-Wirkstoff: Knappes Gut und kompliziertes Verteil-System

Eine weitere Problematik, die sich an die geringe Menge der Wirkstoffe anschließt, ist, dass viele Unternehmen ihre Lieferzeiten nicht einhalten konnten. Und: Hier beginnt auch schon die erste "Verteilung", da mit den Wirkstoff-Herstellern Verträge über unterschiedlich hohe Liefermengen abgeschlossen wurden.  Sind die Corona-Wirkstoffe allerdings in Deutschland angekommen, verteilen sie sich in erster Linie auf Impfzentren und Arztpraxen. Hier werden die Impfkampagnen in die "zentrale" (Impfzentren) und die "dezentrale" (Arztpraxen) unterteilt. Betriebsärzte haben jeweils zwei Sonderlieferungen erhalten. Daneben hat auch der Bund selbst ein Kontingent an Impfstoff bekommen - für die Bundeswehr, den Zoll oder die Polizei

Die "zentrale Impfkampagne" über die Impfzentren wird von den Bundesländern organisiert. Der Bund verteilt allerdings vorher anhand der Bevölkerungszahl der Bundesländer, wer wie viel Impfstoff bekommt. Die Länder verteilen dann die Dosen an Landkreise und kreisfreie Städte weiter. In Bayern würden hierbei weitere Kriterien berücksichtigt, zum Beispiel, ob es in einem Landkreis viele Kliniken oder Pflegeheime gibt, erläuter der BR

Genaue Daten des Bayerischen Gesundheitsministeriums zur Verteilung der Impfstoffe in den Impfzentren der einzelnen Regionen gibt es allerdings bislang nicht. Aufgrund der derzeitig hohen Arbeitsbelastung ist nach Angaben des BR eine Erfassung nicht möglich. Datensätze sind allerdings auf der Website des Robert Koch-Instituts einsehbar. 

"Dezentrale Impfkampagne": Wie kommen Hausärzte an die Corona-Impfungen?

Doch, wie kommen die Ärzte an die Impfdosen für ihre Patienten? Auch bei der sogenannten "dezentralen Impfkampagne" richtet sich die Verteilung nach der Bevölkerungszahl der Bundesländer. Sowohl Kassen- als auch Privatärzte können anschließend Corona-Wirkstoffe bei den Apotheken bestellen, bei denen sie auch sonst ihre Medikamente und dergleichen für ihre Praxis bestellen. Allerdings gibt es Höchstmengen, wie viel die Ärzte bestellen dürfen, erklärt Peter Aurnhammer, Apotheker, gegenüber dem BR. Allerdings unterscheidet sich das, je nach Impfstoff. Beim Wirkstoff von Astrazeneca könnten die Ärzte so viel bekommen, wie sie wollten. Doch am beliebtesten ist der Corona-Impfstoff von Biontechf/Pfizer, erklärt Aurnhammer weiter.

Nach der Bestellung der Ärzte bei den Apotheken geben diese die Bestellung an den Großhandel weiter. "Laut dem Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phargo) sei bei der weiteren Verteilung innerhalb der Bundesländer nur ausschlaggebend, wie viel die Ärzte über die Apotheken bestellen. Anders als bei den Impfzentren bekommen Ärzte in bevölkerungsreichen Landkreisen also nicht zwangsläufig mehr Impfstoff", so der BR. 

Besser und einfacher funktioniere das Prozedere bei den Impfdosen für die Zweitimpfung. Schließlich wisse man da bereits, wie viele Dosen benötigt werden. Allerdings habe es, seitdem gegen das Coronavirus geimpft wird, in Bayern nur einmalig zwei Wochen gegeben, in denen auch wirklich alles Bestellte bei den Ärzten ankam. Was das Impfen weiterhin erschwert, ist, dass die Apotheken im Allgemeinen den Impfstoff an die Ärzte eigentlich ebenfalls zu gleichen Teilen bestellen und liefern sollen. "Wo es aber weniger Ärzte gibt, gemessen an der Einwohnerzahl, wirkt sich das direkt auf die Impfquote aus, denn in einzelnen Landkreisen kommt so weniger Impfstoff an", erklärt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums gegenüber dem BR. 

Im Kampf gegen Corona: Gerechte Verteilung der Impfstoffe gefordert

Sonderkontingente an Impfstoff sollen die teils niedrigen Impfquoten auf dem Land ausgleichen. In Bayern sollen laut Gesundheitsminister Holetschek 28 Regionen mehr Impfstoff erhalten. In Franken profitieren von diesem Sonderkontingent allerdings nur vier Regionen. Der Ärzteverband wünscht sich schon länger einen anderen Verteilungsschlüssel der Corona-Impfstoffe, um der Pandemie überall effektiv entgegenwirken zu können. Problematisch sieht der Ärzteverband die Verteilung vor allem im Zusammenhang mit Fachärzten. Momentan darf nämlich ein Augenarzt, ein Radiologe oder Anästhesist in einer großen Praxis im Ballungsraum München gleich viel bestellen wie die Hausärztin mit der Einzelpraxis auf dem Land, erklärt der BR. 

Um eine gerechte Verteilung zu erlangen, heißt es seitens des Bayerischen Hausärzteverbandes, solle man sich an der Zahl der Patienten orientieren, die ein Arzt in der Vergangenheit geimpft hat. Ob dieser Vorschlag angenommen wird, steht allerdings noch in den Sternen.