In den Samstagszeitungen wird den Lesern momentan eine Rubrik besonders ins Auge fallen - die Zahl der Traueranzeigen steigen. "Das Phänomen der Traueranzeigen ist keine Folge der Pandemie selbst, sondern der mit ihr verbundenen Verordnungen", erklärt Ralf Michal, Vorsitzender des bayerischen Bestatter-Verbands und Vizevorsitzender des deutschen Dachverbands. Doch nicht nur das, auch die Zahlen der Feuerbestattungen steigen. Der Verband hat eine unerwartete Erklärung, wie der Bayerische Rundfunk  berichtet.

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Die Traueranzeigen dürfen momentan nicht vor der Beerdigung erscheinen. Damit will man Menschenansammlungen möglichst im Voraus vermeiden. Folglich dessen haben die Angehörigen keinen Zeitdruck und lassen ihre Anzeigen überwiegend in den Wochenendausgaben veröffentlichen. Durch eine höhere Auflage dieser Zeitungsausgaben finden sich auch für die Anzeigen mehr Leser. Der Bestatter betont: "Über die Woche verteilt gibt es nicht mehr Todesanzeigen als sonst."

Feuerbestattung ermöglicht Verschiebung der Beisetzung

Im Kampf gegen das Virus wurde die Teilnehmerzahl einer Beerdigung zudem begrenzt. In Deutschland dürfen demnach, nach aktuellen Maßnahmen (Stand: 30. April 2020) nur 15 Leute an einer Trauerfeier teilnehmen. Laut Michal wird im bundesweiten Durchschnitt für etwa 70 Prozent der Verstorbenen momentan eine Urnenbeisetzung gewählt. 

Die Beisetzung des Verstorbenen lässt sich so im besten Fall auf die Zeit verschieben, wenn wieder mehr Menschen an der Trauerfeier teilnehmen dürfen. "Anders als bei Erdbestattung, die in Bayern 96 Stunden oder vier Werktage nach dem Ableben durchzuführen ist, gibt es keine vorgeschriebene Frist für Urnenbeisetzungen", erklärt er. In Deutschland hat die Feuerbestattung bereits Tradition. In Italien war diese Form der Bestattung eher selten. Deswegen waren die italienischen Bestatter überfordert, als die Art der Bestattung wegen des Coronavirus angeordnet wurde. Es fehlten Krematorien und die komplette Infrastruktur. Das Militär musste mithelfen, was Bilder von Särgen die per Armeelaster abtransportiert wurden, erst möglich machten. "Bilder wie aus Italien kann es bei uns nicht geben", sagt der Bestatter.

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Trauer in Corona-Zeit: Sorge um Bestattungskultur

Die Bestattungskultur wird, laut Michal, momentan extrem beschnitten: " Wenn sie bedenken, dass sich manche Angehörige gar nicht mehr von ihrem Angehörigen verabschieden durften, sind das unhaltbare Zustände." Der Bestatter findet die Begrenzung auf 15 Personen pro Trauerfeier schon sehr schwierig. Es gebe Familien, bei denen der engste Familienkreis schon mehr als 25 Mitglieder zähle. Wo ziehe man dort die Grenze - Kinder, Enkel, Geschwister, wer darf da kommen und wer nicht, äußert der Vorsitzende des Verbands seine Bedenken.

Mehr Tote in den Hotspots München, Dachau und Co.

Italien, Spanien und England verzeichneten in den letzten Wochen eine Übersterblichkeit. Dies bestätigt eine europaweite Studie des "European Mortality Monitoring", kurz "Euromomo". In Deutschland konnte dies nicht nachgewiesen werden. Die Studie bezieht aber nur Daten aus Berlin und Hessen mit ein. Bundesweit bestätigen die Bestatter die Daten der Studie. Laut Michal gab es "weniger Sterbefälle als sonst". Oberbayern zeigt aber ein anderes Bild. In den dortigen Hotspots München, Dachau, Fürstenfeldbruck, Traunstein und Rosenheim stiegen die Sterbefälle im April signifikant an. Michal betonte dazu aber, dass man die Zahlen  über das ganze Jahr sehen müsse. Erst dann wüsste man, ob es eine Übersterblichkeit gibt oder nicht.

Ab Montag (4. Mai 2020) gelten die gelockerten Regeln für Gottesdienste mit bis zu 50 Menschen. Noch ist fraglich, ob diese Bestimmungen dann auch für Beerdigungen gelten. Der bayerische Bestatter-Vverband hat eine entsprechende Anfrage an die Staatsregierung gestellt. 

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