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Bad Grönenbach
Tierschutzskandal

Nach Tierschutzskandal: Allgäuer Landwirt stellt Milchviehbetrieb ein - Rindermast wird fortgeführt

Im Allgäuer Tierschutzskandal hat ein Landwirt Konsequenzen gezogen und seinen Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach eingestellt. An seiner Rindermast will er jedoch festhalten.
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Seit Monaten beschäftigt der Tierschutzskandal im Allgäu Behörden und Öffentlichkeit. Der Betreiber eines Milchviehbetriebs hat nun Konsequenzen gezogen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dp
Seit Monaten beschäftigt der Tierschutzskandal im Allgäu Behörden und Öffentlichkeit. Der Betreiber eines Milchviehbetriebs hat nun Konsequenzen gezogen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dp

Memmingen: Allgäuer Bauer trennt sich nach Tierschutzskandal von Milchbetrieb. Seit Monaten beschäftigt der Tierschutzskandal im Allgäu Behörden und Öffentlichkeit. Kälber haben keinen Zugang zu Futter und Wasser. Kühe stehen in ihrem Kot. Jetzt hat ein Landwirt auf die Vorwürfe reagiert und seinen Milchviehbetrieb eingestellt. Er werde nur noch die Rindermast fortführen, äußerte der Sohn des Betreibers am Montag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Tierschutzskandal im Allgäu: Kälber ohne Zugang zu Futter und Wasser

Gegen den Betriebsleiter und zwei Mitarbeiter wird seit August wegen Tierschutzverstößen ermittelt. In etwa sechs Wochen könnten die Ermittlungen laut Staatsanwaltschaft abgeschlossen sein.

Bei Kontrollen auf einem seiner Höfe waren Veterinärbeamte im August, kurz nachdem die Ermittlungen begonnen hatten, auf kranke Kälber mit Fieber, Maulatmung und Anzeichen für Lungenentzündung oder Durchfall gestoßen. Zum Teil hatten die Kälber keinen Zugang zu Futter und Wasser. Zudem standen "Rinder bis zu den Fesselgelenken in einer Pfütze aus Wasser, Kot und Urin", wie aus einem Bericht des Bayerischen Umwelt- und Verbraucherschutzministeriums auf Anfrage der Landtags-SPD hervorging.

Zu hohe Behandlungskosten: Landwirt trennt sich von Milchbetrieb

Der Betreiber hat nach eigener Darstellung aussortierte Kälber von anderen Landwirten erworben, die teilweise krank waren. Die Kosten für die Behandlungen hatten sich einem Bericht des Bayerischen Rundfunks zufolge zeitweise auf 2000 Euro pro Woche belaufen, was der Betreiber nicht stemmen konnte. Als Konsequenz habe er Kälber abgegeben und werde den Milchviehbetrieb aufgeben.

Der Hof war bereits Jahre zuvor auffällig geworden: Das Amtsgericht Memmingen belegte den Tierhalter 2014, 2016 und 2018 mit Geldstrafen. Im Mai dieses Jahres wurden die Behörden informiert, dass zahlreiche Tierkadaver auf dem Betriebsgelände lagern sollten. Ins Visier der Ermittler geriet der Hof aber erst, nachdem gegen einen Großbauern aus derselben Ortschaft mit etwa 2700 Rindern Ermittlungen aufgenommen worden waren.

SPD-Umweltpolitiker sieht massives Durchsetzungsproblem bei Kontrollen

"Es gab nicht nur ein Kontrollproblem bei den Behörden, sondern auch ein massives Durchsetzungsproblem", kritisierte der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Florian von Brunn. Auch bei einem weiteren Milchviehbetrieb wurden nach Ermittlungsbeginn im August Verstöße festgestellt. Über die Art der tierschutzrechtlichen Verstöße erstellt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) derzeit einen Bericht.

Anstoß für die Untersuchungen hatten Videoaufnahmen einer Tierschutzorganisation gegeben, die aus dem Stall eines Betriebs stammen sollen. Diese zeigen unter anderem, wie Kühe getreten und geschlagen oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden. Dem Ministerium zufolge, das sich auf Mitteilungen der Regierung von Schwaben beruft, waren dort kranke Tiere teilweise sich selbst überlassen. Zudem stand nicht jedem Tier ein Liegeplatz zur Verfügung, und in manchen Ställen gab es zu wenige Fressplätze. Dieses Unternehmen hat sich zu den Anschuldigungen bislang nicht öffentlich geäußert.