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Bildung

Söder will den "Digitalisierungs-Turbo" zünden: So sieht der Digitalplan Schule aus

Rund zwei Milliarden Euro will die Bayerische Staatsregierung bis zum Ende des Jahres 2024 in die Digitalisierung investieren. Doch dafür ernten Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) nicht nur Lob.
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Die Digitalisierung des Unterrichts und der Schulen in Bayern soll mit insgesamt zwei Milliarden Euro vorangetrieben werden. Mit diesem Versprechen unterstrich der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) das im Oktober 2019 angekündigte „Hightech Agenda Bayern“-Projekt. Das hat sich bis zum Jahr 2024 das Ziel gesetzt 10.000 neue Studienplätze zu schaffen, 1000 neue Professoren anzuwerben, künstliche Intelligenz weiterzuentwickeln und Bildungseinrichtungen zu sanieren und auszubauen.

Durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie folgt jetzt aber noch ein zusätzlicher Bonus: Wie die Bayerische Staatsregierung am Donnerstag, 23.07.2020 erklärte, habe man sich darauf einigen können, die angestrebte Digitalisierung von Unterricht und Schule in den nächsten Jahren mit einer weiteren halben Milliarde Euro zu unterstützen. Im Fokus stehen bei der Digitalisierungsmaßnahme vor allem eine zentrale Bayern-Cloud, eine eigene Videoplattform für Lehrvideos und ein Schul-Rechenzentrum. Außerdem sollen von dem Geld digitale Leihgeräte für Schüler erstanden werden. Geplant sind laut Söder 250.000 Leihgeräte für bedürftige Schüler. Auch bei der Kompetenz der Lehrenden will die Staatsregierung nachbessern.

Söder will den "Digitalisierungs-Turbo" an Schulen

Geplant ist die Einstellung mehrerer IT-Systemadministratoren sowie Stellen für Aus- und Fortbildung von Lehrern mit den neuen digitalen Inhalten. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) erklärten am Donnerstag in einem Spitzengespräch in München an, bei dem Vertretern von Schülern, Lehrern und Kommunen anwesend waren. Das Ziel sei es, in den bayerischen Schulen den „Digital-Turbo“ einzulegen, erklärte Söder.

Zwar seien die Übergangslösungen in Zeiten der Corona-Ausgangsbeschränkungen durchaus gelungen, doch auch die möglichen Nachbesserungsstellen seien deutlich geworden. In Zahlen bedeutet das: Bis zum Jahr 2024 sollen zwei Milliarden Euro fließen.  900 Millionen Euro davon sind Bundesmittel. Der Freistaat Bayern sei sogar bereit, die bislang zugesicherten Zahlungen um rund 450 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro zu steigen. Piazolo sprach indes von einem Bonus von 450 bis 500 Millionen Euro. Die Bayern-Cloud, laut Söders Angaben als eine Art „Schul-YouTube“ angedacht, soll die Vermittlung der Lerninhalte für die Schüler vereinfachen. Das angedachte neue Rechenzentrum soll nach Piazolos Angaben „so bald wie möglich“ startklar sein.

Einen genauen Zeitpunkt dafür gebe es allerdings noch nicht. Sowohl Söder als auch Piazolo betonten jedoch, dass es das Ziel sei, im Herbst wieder möglichst normalen Unterricht abhalten zu können. Allerdings mit ausgearbeiteten Hygienekonzepten, mehr Corona-Tests und mehr Lehrkräften. Und vielleicht auch schon mit der ein oder anderen Neuerung durch die Digitalisierung. Doch auch Corona-unabhängig soll das neue Digitalisierungs-Paket die bayerischen Schulen „auf eine neue Ebene heben“, so Piazolo. Auch neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. So ist geplant, dass es für Systemadministratoren an Schulen rund 600 neue Stellen geben wird. Bezahlt, je zur Hälfte vom Freistaat und den zuständigen Kommunen.

Söder erntet nicht nur Lob für seine Pläne

Im neuen Schul-Rechenzentrum plant Söder mit rund 200 zusätzlichen Stellen. Für weitere digitale Fortbildungsmöglichkeiten sind 100 Stellen angedacht. Schnell solle auch eine Übersicht über die Breitband- und Wlan-Versorgung an den Lehreinrichtungen geschaffen werden. Die Versorgung sei zwar gewährleistet, jedoch wolle man auch einzelnen Rückmeldungen nachgehen, bei denen dringender Nachbesserungsbedarf bestehen könnte. Walburga Krefting, Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Lehrerverbände hält das Digitalisierungs-Paket für einen wichtigen Schritt in die Zukunft: „Es wird einige Lücken schließen im digitalen Unterricht.“ Der Opposition geht die forcierte Digitalisierung indes nicht schnell genug.

Durch die Coronavirus-Pandemie seien die digitalen Schwachstellen der bayerischen Schulen schonungslos offengelegt worden, meinte Max Deisenhofer (Die Grünen). Außerdem sei die Planung der neuen Bayern-Cloud essenziell. Sie dürfe „nicht zum Mebis-Wiederholungsfall werden“. Auch die Einführung professioneller IT-Betreuung an den Schulen gehe viel zu langsam vonstatten. SPD-Fraktionschef Horst Arnold meinte: „Vollmundige Ankündigungen haben wir von Ministerpräsident Söder bereits zuhauf gehört. Jetzt kommt es darauf an, dass Bayern den 'Digitalisierungs-Turbo' auch wirklich zündet.“ Matthias Fischbach (FDP) wunderte sich über die angekündigten 20.000 Dienstrechner. Damit werde nicht einmal jeder siebte Lehrer mit einem Computer ausgestattet.